Jugend

Jugend und Jugendlichkeit spielten für den Nationalsozialismus eine zentrale Rolle. Der NS-Staat verstand sich im Gegensatz zur Weimarer Republik als das „junge“ Deutschland. Jugendlichkeit und Jungsein wurden so zum Wert an sich. In der Propaganda wurden die Jugendlichen als die nationalsozialistische Zukunft idealisiert. Mit Verlockungen und Zwängen versuchte man junge Menschen an das Regime zu binden und sie im nationalsozialistischen Geist zu erziehen. Sie sollten zu „rassenbewußten, körperlich gesunden, geistig regsamen, charakterlich gefestigten, lebensbejahenden, kameradschaftlich denkenden Menschen“ werden, wie es Adolf Hitler formulierte. All jene, die nicht Teil dieser rassistischen Gemeinschaft sein konnten oder wollten, wurden gewaltsam ausgeschlossen und vernichtet. Für alle anderen bedeutete es bedingungslosen Gehorsam und Disziplin. „Du bist nichts, dein Volk ist alles“, war die Parole der Jugenderziehung.

Bildinformationen

HJ und BDM – Staatsjugend

Die Hitler-Jugend entstand in den 1920er-Jahren als Jugendbewegung der NSDAP. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 wurde sie auch in Österreich zur Staatsjugend. Ab 1939 bestand die Zwangsmitgliedschaft. Die HJ war streng hierarchisch nach Alter und Geschlecht organisiert. Es galt das Prinzip: „Jugend wird von Jugend geführt“. Die 10- bis 14-jährigen Jungen bildeten das Deutsche Jungvolk, die 14- bis 18-Jährigen die eigentliche Hitler-Jugend. Bei den Mädchen folgte auf den „Jungmädelbund“ in der HJ der „Bund Deutscher Mädel“ (BDM). Hier wurden die 14- bis 17-Jährigen erfasst.  Das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“ versammelte die 17- bis 21-Jährigen.

Nach Ende der Jugendausbildung sollten alle ihre Mitglieder in eine weitere NS-Organisation eintreten – in die NSDAP, die SA, SS oder NS-Frauenschaft. Von der Kindheit bis zum hohen Alter sollten alle Menschen durch die Mitgliedschaft in den Parteiorganisationen eng an das NS-Regime gebunden werden.

Organisatorisch war die HJ der NSDAP angeschlossen. An ihrer Spitze stand bis 1940 Reichsjugendführer Baldur von Schirach. Ihm folgte Artur Axmann nach. Die Steiermark unterteilte sich in 16 HJ-Banne und BDM-Untergaue.

Lagerleben – Gemeinschaftserfahrung

HJ und BDM sollten die Jugendlichen auf ihre Rollen in der NS-Volksgemeinschaft vorbereiten. Für Buben war es die Rolle des Soldaten und Familienernährers. Die Mädchen wurden auf ihre Aufgaben als Mutter und Hausfrau vorbereitet, die sich dem Mann unterzuordnen hatte. Dabei spielten Verlockung und Zwang eine entscheidende Rolle, was sich z. B. am Lager nachzeichnen lässt: Der Zweck der Jugendlager war die vormilitärische Erziehung und ideologische Indoktrination. Trotzdem behielten viele Jugendliche ihre Aufenthalte dort als sehr positiv in Erinnerung: Hier konnten sie den Zwängen und Kontrollen der Familie und Schule entfliehen. Nach dem Prinzip der HJ „Jugend führt Jugend“ blieb man im Lager unter sich. Einzelne übernahmen das Kommando und erhielten Machtpositionen. Solidarität mit den Schwächeren ergab sich aus dem kameradschaftlichen Zusammensein und Handeln nicht.

Die Inszenierung der Masse – Gleichheit und Gemeinschaft als Prinzip

Jugendlichkeit und Gemeinschaft, „rassische Gleichheit“ und Uniformität wurden in zahlreichen Massenkundgebungen inszeniert. Äußeres Zeichen dieser Gleichheit und des Aufgehens der*des Einzelnen in der Gemeinschaft war die Uniform. Der äußeren Gleichheit stand jedoch eine hierarchische und leistungsorientierte Ungleichheit gegenüber. Die Organisation des HJ und BDM war streng nach dem Führerprinzip geordnet. Jeder hatte sich der Gemeinschaft zu unterwerfen und den Befehlen der Ranghöheren zu folgen. Für Individualität gab es keinen Platz.

Jugendliche im KZ

Nicht alle Jugendlichen folgten den Verlockungen des NS-Regimes oder beugten sich den Zwängen. Sie leisteten auf unterschiedliche Art und Weise Widerstand. Manche schlossen sich dem politischen Widerstand an und verteilten beispielsweise Flugblätter. Andere weigerten sich, der HJ oder dem BDM beizutreten. Wieder andere lehnten den Militarismus und das nationalsozialistische Kulturdiktat offensichtlich ab: Sie hörten verbotene Musik, ließen sich die Haare wachsen und trugen alternative Kleidung. Die Folgen für die Jugendlichen waren Hausdurchsuchungen, Verhaftungen, Aufenthalte in Jugendkonzentrationslagern, Haftstrafen und sogar Todesurteile. In Jugend-KZs erfolgte eine Umerziehung durch harte Arbeit.

Jugend im „Volkssturm“

Mit 25. September 1944 wurde von Adolf Hitler die Bildung des Volkssturms angeordnet. Dieser bestand aus allen wehrfähigen Männern im Alter zwischen 16 und 60 Jahren. Seine Mitglieder waren meist schlecht ausgebildet und ausgerüstet und im Fall der Jugendlichen zwar überwiegend ideologisch durch die HJ geprägt, aber militärisch ungeübt. In den Reihen des Volksturms starben in den letzten Kriegsmonaten auch zahlreiche Jugendliche. Als Jugendliche*r galt man bis zum Alter von 21 Jahren.