Schreibtisch „Bureau Mazarin“

Der Schreibtisch „Bureau Mazarin“ aus der Kulturhistorischen Sammlung ist ein Beispiel für die besonders aufwendige Technik der Boulle-Marketerie. Die Boulle-Technik ist seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Die Bezeichnung geht auf André Charles Boulle (1642–1732) zurück. Er war Kunsttischler am Hof des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. André Charles Boulle ist zwar nicht der Erfinder dieser Technik, gilt aber seit dem frühen 18. Jahrhundert als einer der einfallsreichsten und erfolgreichsten Vertreter des Stils.

 

 

Herstellung

Bei der Boulle-Marketerie werden zwei bis drei identische Möbel gleichzeitig hergestellt. Dazu werden hochwertige Materialien wie tropische Edelhölzer, Schildpatt, Metallbleche, Horn und bisweilen auch Perlmutt verwendet. Das Material wird zugeschnitten und die Oberfläche durch ein erstes Schleifen bearbeitet. Um drei identische Formen herzustellen, werden drei unterschiedliche Materialien vorübergehend zusammengeklebt. Auf die Oberfläche wird dann das Motiv aufgebracht und ausgesägt. Die zusammengeklebten Materialien werden anschließend wieder getrennt. Die herausgesägten Formen sind nun in der gleichen Form aus drei Materialien vorhanden und werden jetzt wie ein Puzzle zusammengefügt und auf die Oberfläche des Möbels geklebt. Das Ergebnis sind drei gleiche Motive in drei Materialien. Im letzten Schritt wird die Oberfläche geschliffen und poliert. Zusätzliche Muster können eingraviert werden.

Bearbeiten und Veredeln

Bei der Marketerie wird auf den Holzkorpus des Möbels ein Holzmosaik aufgeleimt. So ist es auch bei der Boulle-Marketerie, die die Oberfläche des Trägerholzes verdeckt. Das Spezifische bei der Boulle-Technik ist die Verwendung besonders exotischer Materialien und Metalle sowie die hochwertig ausgearbeitete Ornamentik. Marketerie ist von der Intarsie zu unterscheiden: Die Intarsie ist eine Einlegearbeit. In das Trägerholz werden Aussparungen hineingearbeitet. Diese werden mit kostbarem Holz und anderen Materialien gefüllt. Das Ergebnis ist ein in das Holz eingelegtes Bild. Eine Sonderform bildet die Reliefintarsie. Dem Namen nach wird sie der Intarsienkunst zugerechnet. Bei den Reliefintarsien werden einzelne Teile des Bildes aus der Fläche herausgehoben. Die Reliefintarsie ist im eigentlichen Sinne keine Intarsienarbeit. Sie ist keine Einlegearbeit in ein ausgehöhltes Trägerholz, sondern wird auf dieses flächendeckend aufgeleimt – somit ist sie eine Marketerie.

 

 

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24. bis 25. Dezember
24. bis 25. Dezember 2018