Von der Hilfe zum Wiederaufbau

Die UNRRA wurde im Herbst 1943 nicht mit der Absicht gegründet, eine dauerhafte neue Organisation zu schaffen. Bereits die Gründungskonferenz der Vereinten Nationen (UNO) im Juni 1945 berücksichtigte daher die Übernahme der UNRRA-Programme in neu zu schaffende Organisationen. Alle Lieferungen der UNRRA in die Empfängerländer in Europa sollten bis spätestens Ende 1946 auslaufen. Aufgrund der prekären Lage verlängerte man die Hilfsprogramme in Österreich schließlich bis Ende Juni 1947. Auch das Britische Rote Kreuz und die „Schweizer Spende“ beendeten in der zweiten Jahreshälfte 1947 ihre Missionen in Österreich.

Um der weiterhin angespannten Ernährungslage in Europa nach dem Auslaufen der UNRRA-Hilfe zu begegnen, genehmigte der US-Kongress 1947 ein direkt von der US-Regierung initiiertes Hilfsprogramm. Dieses wurde im Jänner 1948 durch das Interim Aid Agreement abgelöst. Mitte 1948 folgte mit dem European Recovery Program (ERP), auch „Marshall-Plan“ genannt, ein systematisches Wiederaufbauprogramm für Europa.

Auslaufen der unmittelbaren Nachkriegshilfe

Mit dem Ende der UNRRA-Missionen stand auch fest, dass zahlreiche Hilfsprogramme nicht zu Ende geführt werden konnten. Sie mussten daher an geeignete internationale oder nationale Stellen übergeben werden. Die Aufgaben sowie das verbliebene Vermögen und Personal der UNRRA wurden vor allem an die neu gegründeten UNO-Organisationen übertragen. Dazu zählen die Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Internationale Flüchtlingsorganisation IRO (UNHCR) sowie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF.

Der Abzug des Britischen Roten Kreuzes

Auch andere internationale Hilfsorganisationen zogen sich nach der ersten Phase der Nothilfe schrittweise aus den besetzten Gebieten zurück. Das Britische Rote Kreuz (BRC) beendete im Juni 1947 seine humanitäre Mission in Österreich und zog seine Mitarbeiter*innen offiziell ab. Die noch vorhandenen Ausrüstungsgegenstände und Fahrzeuge wurden verkauft, verliehen oder an lokale Stellen verschenkt, um die Infrastruktur vor Ort zu stärken.

Wandel und Schließung der Flüchtlingslager

Nach dem offiziellen Ende der UNRRA-Mission kam es zu weitreichenden organisatorischen Veränderungen. So wurden die Flüchtlingslager in der Steiermark wieder vollständig den britischen Besatzungstruppen unterstellt. Diese übergaben die Lager mit den „Volksdeutschen“ Flüchtlingen und Vertriebenen schließlich den österreichischen Behörden zur Verwaltung. Die „alliierten Flüchtlinge“ wurden hingegen bis Anfang der 1950er- Jahre von der UNRRA-Nachfolgeorganisation IRO (International Refugee Organization) betreut.

Hilfe im Zeichen des Kalten Krieges

Das Jahr 1947 markierte einen tiefen Wendepunkt in der internationalen Hilfspolitik. Mit dem Ende der UNRRA-Missionen und dem spürbaren Beginn des „Kalten Krieges“ gegen die Sowjetunion veränderte sich die geopolitische Lage drastisch. Die USA beschlossen, strategische und eigene Hilfsprogramme ins Leben zu rufen, um ihren Einfluss in Europa zu sichern. Die Hilfe war nun stark politisch motiviert, da der Wiederaufbau des Kontinents eng mit der Eindämmung des Kommunismus verknüpft wurde. Österreich geriet damit direkt in das Spannungsfeld der beiden neuen Supermächte.

Die US-Kongresshilfe für Österreich

Zwei Jahre nach Kriegsende herrschte in Österreich weiterhin ein akuter, dramatischer Lebensmittelmangel, weshalb das Land dringend auf weitere Unterstützung von außen angewiesen war. Als Reaktion auf die drohende Hungersnot und zur Stabilisierung der jungen Demokratie wurde Österreich im Jahr 1947 eine umfassende Hilfe des US-Kongresses zugesprochen. Das „Interim Aid Program“, auch „Interimshilfe“ genannt, half Österreich, Italien und Frankreich, die Zeitspanne bis zum Anlauf des „Marshall-Planes“ zu überbrücken. Es sicherte das Überleben der Bevölkerung und legte den Grundstein für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes nach westlichem Vorbild.

Vom Notprogramm zum Wirtschaftsmotor

Zwischen 1948 und 1953 erhielt Österreich von den USA im Rahmen des „Marshall-Plans“ rund eine Milliarde Dollar. In den ersten beiden Jahren wurden noch überwiegend Nahrungsmittel und Rohstoffe geliefert. Ab 1949 standen der Wiederaufbau der Industrie und der Ausbau der Energieversorgung im Mittelpunkt. Auch die Konsumgüterproduktion und Fremdenverkehrsprojekte wurden gefördert.

Der lange Weg zur Normalität

Auch Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb der Alltag in der Steiermark von Mangelwirtschaft und Wiederaufbaumaßnahmen bestimmt. Dennoch entwickelte sich eine schrittweise Stabilisierung des öffentlichen und privaten Lebens. Ein Restaurantbesuch war in dieser Zeit ein seltener Luxus. Solche Momente abseits des harten Krisenalltags verdeutlichen den Wunsch der Bevölkerung nach gesellschaftlicher Kontinuität und markieren den Beginn einer langsam wiederkehrenden Normalität.