Erinnerung

An die Zeit des Nationalsozialismus erinnern heute sogenannte Erinnerungszeichen: Denkmale und Mahnmäler, Gedenktafeln, Gedenkstätten sowie Straßenbenennungen nach Widerstandskämpfer*innen und Opfern des NS-Regimes. Sie weisen uns darauf hin, an wen, an welche Personengruppe oder welches historische Ereignis wir uns erinnern sollen. In der Steiermark lassen sich unterschiedliche „Erinnerungslandschaften“ erkennen. Sie entstanden zu unterschiedlichen Zeiten für unterschiedliche Personengruppen.

Bildinformationen

Erinnern an den „Österreichischen Freiheitskampf“

Unmittelbar nach dem Krieg lehnten alle Parteien, die sich um eine Neugründung Österreichs bemühten, den Nationalsozialismus klar ab. Sie wollten den Alliierten zeigen, dass Österreich durch aktiven Widerstand seinen Beitrag zur Befreiung vom NS-Regime geleistet hat. In den Zentren des Widerstands in der Steiermark in Graz sowie den Industriestädten der Ober- und Weststeiermark - wurden auf zentralen öffentlichen Plätzen Denkmäler für getötete Widerstandskämpfer*innen errichtet. Diese Phase der Erinnerung an den Freiheitskampf war kurz. Sie endete bereits in den späten 1940er-Jahren.

Gedenken an die Soldaten

Ab den späten 1940er-Jahren zeigte sich das gesellschaftliche und politische Bemühen, ehemalige Nationalsozialisten wieder zu integrieren. Damit traten die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges ins Zentrum des Gedenkens. Fast in jedem steirischen Ort entstand ein Kriegerdenkmal oder ein Denkmal für die „Pflichterfüller für das Vaterland“. An bereits bestehende Denkmale für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges wurden Zusatztafeln angebracht.

Späte Erinnerungen

1988 beging Österreich das „Be- und Gedenkjahr“. Es erinnerte an den „Anschluss“ Österreichs im Jahr 1938, der genau 50 Jahre zuvor stattgefunden hat. In zahlreichen Gemeinden fanden Gedenkveranstaltungen und Denkmalsetzungen statt. Im Zentrum standen in der Steiermark lokale Widerstandskämpfer. Außerdem wurde der bislang „vergessenen“ Opfer gedacht: der Opfer der steirischen Konzentrationslager und der NS-Euthanasie, der ungarischen Jüdinnen*Juden der Todesmärsche sowie der jüdischen Opfer der Steiermark.

Denkmalstreitigkeiten

Robert Musil hat einmal gesagt, dass es „nichts auf der Welt [gibt], was so unsichtbar wäre wie Denkmäler“. Dennoch gibt es zum Teil heftige Auseinandersetzungen, wenn ein Denkmal errichtet werden soll. So war es auch in der Steiermark bei der Errichtung u. a. folgender Denkmäler: Mahnmal in Erinnerung an den Widerstand in Knittelfeld (1953), Internationales Mahnmal am Grazer Zentralfriedhof (1961) und „Die Gänse vom Feliferhof“ von Jochen und Esther Gerz (1995) – ein Mahnmal auf dem Gelände der ehemaligen Hinrichtungsstätte Feliferhof in Graz, die heute eine Militärschießanlage ist.

Erinnern an die Vertreibung und Ermordung der Jüdinnen*Juden

Ein Erinnern an das Leid der steirischen Jüdinnen*Juden war bis zum Gedenkjahr 1988 im öffentlichen Raum kaum gegeben. Es gab bis dahin auch keine Zeichen der Erinnerung von offiziellen Stellen. Nur die „Israelitische Kultusgemeinde Graz“ brachte am 9. November 1963 - also 25 Jahre nach dem Novemberpogrom 1938 - an ihrem Amtsgebäude eine Gedenktafel in Erinnerung an ihre ermordeten Mitglieder an.

Es brauchte weitere 25 Jahre, ehe 1988 erstmals offizielle Stellen der Steiermark der Vertreibung und Ermordung der jüdischen Steirer*innen gedachten: Am 50. Jahrestag des Novemberpogroms wurden die Grundmauern der 1938 niedergebrannten Synagoge freigelegt. Der Platz vor dem Amtshaus wurde in „Synagogenplatz“ umbenannt. Ein Mahnmal wurde – wie es in der „Erklärung der Stadt Graz“ dazu hieß – als „Zeichen der Trauer, der Mahnung und der kritischen Selbstbestimmung“ errichtet.

In den folgenden Jahren wurden von offiziellen Stellen des Landes und der Stadt Graz zahlreiche weitere Zeichen der Erinnerung gesetzt. Den Höhepunkt bildete die Errichtung und Übergabe der neuen Synagoge am 9. November 2000.