Triesttage 2015

Diversität ist Reichtum

29.05.-31.05.2015


 

Die Triesttage 2015 in Graz stehen unter dem Motto „Diversität ist Reichtum“. Kein Geringerer als Veit Heinichen wird über dieses Thema sprechen.

Im Triestiner Dialekt existiert ein Lehnwort aus dem Österreichischen: „mishmash“. Und dieses „Mischmasch“ steht für eine gute Mischung. Dementsprechend gut gemixt ist auch unser Programm, in dem natürlich – 100 Jahre danach – der Große Krieg am Karst und am Isonzo ein Schwerpunktthema bildet.


 

Das Triest-Wochenende im Museum im Palais:
(Änderungen vorbehalten)

Freitag, 29. Mai 2015

Stadt Graz Umwelt Expand Box

 

15.00 - 16.00 Uhr

Museum im Palais, Hof

(Bei Schlechtwetter findet die Veranstaltung im 2. Stock statt.)

 

 

Willkommen im Palais

Begrüßung durch Bettina Habsburg-Lothringen

 

 

Coro Antonio Illersberg Trieste

Leitung: Tullio Riccobono

Moderation: Andrea Gilli

 

Der Chor Antonio Illersberg, 1962 in Triest gegründet, zeichnet sich durch Professionalität und ein umfangreiches Repertoire aus. In bislang rund 600 Konzerten konnte er zahlreiche Menschen in der ganzen Welt begeistern. Der Chor aus Triest gastierte bislang in 20 (!) europäischen Ländern, in den USA, in Südafrika und in Australien. 1986 wurde der Chor mit dem Schubert-Preis der Stadt Wien und 2012 zu seinem 50-Jahr-Jubiläum mit dem „San Giusto d’Oro“ ausgezeichnet.

 

 

16.30 - 17.15 Uhr

Museum im Palais, Hof

Sehnsucht Süden.

Unterwegs beim Nachbarn

Gerhard M. Dienes & Reinhart Grundner

Musikalische Reflexionen: Peter Kunsek (Klarinette)

 

„Unser Herz zeigt nach Süden“, schrieb Sigmund Freud einmal und meinte damit eine den Binnen- und Alpenländlern immanente Sehnsucht nach dem Süden. Der Süden ist dabei mehr als eine geografische Bezeichnung, der Süden ist – so der Stationschef Fallmerayer in Joseph Roths gleichnamiger Erzählung – „das Meer, ein Meer aus Sonne, Freiheit und Glück“. Und dieses Meer ist für uns die nordöstliche Adria. Mit der Sehnsucht begeben wir uns auf den Weg dorthin und machen dabei auch unterwegs schon halt, wurde doch das Land hinter der Küste und den Stränden lange Zeit nur auf der Direttissima zu den Urlaubszielen durchfahren. Wir tauchen ein in Regionen, die ungeheure Vielfalt auf engem Raum bieten, und erleben eine Kulturlandschaft, die auch in kulinarischer und önologischer Hinsicht einen Sehnsuchtsort darstellt.

 

 

17.15 - 18.00 Uhr

Pause

 

 

18.00 - 18.30 Uhr

Museum im Palais, 2. Stock

Graz-Triest 1915-1918.

Beziehungen in schwieriger Zeit

Gerhard M. Dienes & Andrea Gilli & Karl A. Kubinzky

 

Im Mai 1915 hatte der Krieg auch Triest erreicht, nicht mehr bloß als Reflex, sondern in seinem ganzen Ausmaß: Kanonendonner ist von der nahen Front zu hören. Tausende Menschen fliehen, viele von ihnen kommen nach Graz. Viele Grazer kämpfen am Isonzo für Gott, Kaiser und Vaterland. Plumpe und grobschlächtige Propaganda schürt Feindbilder: „Tschiff, tscheff, tauch, der Wallisch liegt am Bauch.“ Hunderttausende Soldaten fallen. Im Oktober 1918 verlegt der k.u.k. Statthalter seine Amtsgeschäfte von Triest nach Graz, „bis auf weiteres“, wie es in dem letzten Lebenszeichen einer österreichischen Behörde in Triest hieß. Was 536 Jahre zuvor in Graz seinen Anfang genommen hatte – die Herrschaft der Habsburger über Triest – endete auch in Graz. Am 3.November 1918 schlägt für Triest die „italienische Stunde“.

 

 

18.30 - 19.15 Uhr

Museum im Palais, 2. Stock

Schützengraben, Landschaften und Architektur.

Fotos und Gedanken aus dem Kriegstagebuch des k.u.k. Oberleutnants/Rittmeisters Georg W.

Michael Wolfbauer

 

Der Grazer Georg W. (1874‐1949) zeigte sich schon in jungen Jahren an politischen, kulturellen und technischen Entwicklungen interessiert. So ist es kein Zufall, dass er ein begeisterter und auch guter Fotograf wurde. Sein Kriegsdienst führte ihn im Dezember 1915 und Jänner 1916 in die Berge des Isonzo‐Gebiets, wo er seine Eindrücke fotografisch festhielt. Im Kriegstagebuch räsoniert Georg W. unter anderem eingehend über die Moral im Hinterlande und an der Front: „Im Hinterlande ist die Angst vor dem Kriege am kräftigsten ausgeprägt. Mit großem Bedauern, mitunter mit Ekel vor so kleinlichen, beinahe feigen Charakteren, musste ich mir diese Erkenntnis erringen. …“

Ab Sommer 1917 – während der Brussilow‐Offensive 1916 war Georg W. in Galizien stationiert – verrichtete er seinen Kriegsdienst als Fischereisachverständiger einer Fischereistation in Concordia Sagittaria in der Nähe von Portogruaro. Aus dieser Zeit stammen besonders eindrucksvolle Fotos, Alltagssituationen, Landschaften, aber auch Architektonisches zeigend.

 

 

19.15 - 19.30 Uhr

Pause

 

 

19.30 - 20.00 Uhr

Museum im Palais, 2. Stock

Öffnet die Museen! Odprite Muzeje!

Über das slowenische Triest

Gerhard M. Dienes

 

Triest war die größte slowenische Kulturlandschaft, die „Lunge Sloweniens“. Für die Slowenen erlangte der Ort in der Phase ihres nationalen und sozialen Erwachens eine zentrale, ja eine symbolische Bedeutung.

Der November 1918 machte Triest italienisch. Die Mehrsprachigkeit versiegte, als der Faschismus monolithische Identitäten in verheerender Weise schuf.

Die Existenz einer slowenischen Minderheit wurde geleugnet, alles Slowenische versucht auszulöschen. Nach dem Zusammenbruch des Faschismus wurde Triest und Umgebung 1943 zur nationalsozialistischen Operationszone Küstenland.

In der ehemaligen Reisschälfabrik von San Sabba entstand ein Polizeihaftlager, in dem auch und nicht zuletzt slawische Partisanen inhaftiert, liquidiert und anschließend verbrannt wurden. Am Ende des Krieges brachten die in Triest einmarschierenden slawischen Nationalisten stalinistischer Couleur eine Welle brutaler Gewalt: „Die Toten vom Karst“!

Heute sind die Schlagbäume gefallen. Sind auch die emotionalen Grenzen aufgehoben? Möge der Nationalismus überwunden werden, damit er als ein Relikt der Geschichte im Sinne von Srečko Kosovels Gedicht „Öffnet die Museen!“ museumsreif wird.

 

 

20.15 - 20.45 Uhr

Museum im Palais, 2. Stock

Veit Heinichen. Diversität ist Reichtum

Musikalische Reflexionen über die Stadt zwischen den drei Welten

Peter Kunsek (Klarinette) & Uli Rennert (Elektronische Tasteninstrumente)

 

Veit Heinichen, geboren 1957 im Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Schweiz, kam zum ersten Mal 1980 nach Triest, der Stadt, die seine Leidenschaft werden sollte und ihn die Seiten des Schreibtisches vom Verleger zum Autor wechseln ließ. Seit 20 Jahren lebt er ausschließlich in der Hafen- und Grenzstadt an der Adria. Mit dem Roman „Gib jedem seinen eigenen Tod“ (2001) war der Triestkrimi geboren.

So spannend wie seine Kriminalfälle sind die darin eingeflochtenen Geschehnisse. Heinichen vermisst Triests äußere und innere Topografie. Slawische, romanische und germanische Kultur treffen sich in diesem mediterranen Raum, der hier auf den Norden sowie auf Ost- und Westeuropa stößt. In Triest treffen auch geistige Formationen wie das Meer und der Karst aufeinander. Triest war eine Frontstadt gewesen, solange die Welt in zwei Blöcke geteilt war, und verfügt über äußere und innere Grenzen wie kaum eine andere Stadt. Trotzdem oder deswegen hat Triest eine wichtige Brückenfunktion zu erfüllen. Solch komplexe Orte wie Triest sind nach Heinichens Einschätzung auch literarische Orte, denn „Diversität ist Reichtum. Die Konzentration an Kontrasten schreit danach, erzählt zu werden. Eine Gesellschaft drückt sich am stärksten in ihren Neurosen aus…“. Immer brilliert Heinichen mit Fachwissen, er macht Lust, nach Triest zu kommen.

 

 

Zu Gast im Palais

Spitzenwinzer BENJAMIN ZIDARICH

 

„Wir machen unsere Weine mit Leidenschaft und nur mit natürlichen Mitteln … Geschmack und Ausdruck sind die Identitäten unseres Territorium, des Karstes; eines felsigen Landes, von roter, trockener Erde bedeckt. … Der Karst gibt uns einen einzigartigen und unvergleichlichen Wein.“

Benjamin Zidaric

 

Die Veranstaltung wird unterstützt von Ing. Josef Herk, Wirtschaftskammerpräsident

 

 

Nach der Veranstaltung: Treffen mit Veit Heinichen im Restaurant Prato im Palais!

 

Samstag, 30. Mai 2015

Stadt Graz Umwelt Expand Box

 

10.30 – 11.00 Uhr

Meerwasser aus Triest für das Grazer Joanneum. Der Biologe Gottlieb Marktanner-Turneretscher (1858-1920) und das erste öffentlich zugängliche Meeresaquarium in Graz

Renate Höllriegl

 

1875 wurde in Triest die „Marinbiologische Station“ gegründet. Diese stand in Kontakt mit dem Joanneum in Graz. Dort wirkte Gottlieb Marktanner-Turneretscher als Kustos. Aus eigenen Mitteln finanzierte er ein Seewasser-Aquarium für das Museum. Das Publikumsinteresse war groß. Der Biologe entwickelte ein eigenes Meerwassergefäß, das den Transport empfindlicher Tiere von Triest nach Graz ermöglichte. Doch 1907 war der Betrieb nicht mehr finanzierbar. Das Aquarien- und Vivarienzimmer des Joanneums wurde aufgelöst.

 

 

11.00 – 11.45 Uhr

Kosmos Triest. Der Zoologe Gottlieb Marktanner-Turneretscher (1858-1920) und seine fotografischen Reisen nach Triest.

Streiflichter auf einen bislang unbekannten Bildbestand

Dunja Ganser & Birgit Johler & Alexander Kubik

 

Der namhafte Zoologe, Mikrofotograf und Kustos am Joanneum in Graz hielt Triest in rund 200 Fotografien von außergewöhnlicher Qualität fest. Seine Aufnahmen, die zwischen 1899 und 1912 entstanden sind, erzählen von Projektionen und Sehnsüchten eines Mitteleuropäers, der das Meer mit all seinen Eigenschaften einzufangen versuchte. Die Fotos zeigen die Hafenstadt am Vorabend der großen Umwälzungen, die der Erste Weltkrieg auslöste: Straßenszenen, Cafés, kleine und große Segler, die Triestiner Freizeitgesellschaft, den Empfang der gefeierten Buffalo-Bill-Group, Transatlantik-Passagierschiffe, aber auch Schiffe der k.u.k. Kriegsflotte, Molen und Werften, den großen Kanal und natürlich Miramar.

 

 

12.00 – 12.45 Uhr

„Karst, meine Heimat, sei gesegnet“. Über eine Landschaft aus „Kalk und Wacholder“ und ihren Literaten Scipio Slataper

Gerhard Balluch & Gerhard M. Dienes & Veit Heinichen

Musikalische Reflexionen: Peter Kunsek & Uli Rennert 

 

Ich möchte euch sagen: Im Karst bin ich geboren…“, so beginnt Slatapers literarisches Hauptwerk „Il mio carso“. Keiner hat den Karst so schön und einfühlend besungen wie er, meint Veit Heinichen. „Hier ist Gestein und Tod. Doch wenn es einem Enzian gelingt, den Kopf zu erheben und zu blühen, so ist in ihm der ganze tiefe Frühlingshimmel eingefangen.“ Slataper, 1888 in Triest geboren, vereinte in sich slawisches Blut und damit eine Sentimentalität, die nach Zärtlichkeit verlangt; vom Deutschen hatte er die Sicherheit in seinen Plänen und das Verlangen nach Herrschaft und Kraft. In seinem italienischen Blut sah er beides verschmelzen und „klassisch“ werden. 1915 meldet sich Slataper freiwillig zur italienischen Armee. Kurz darauf fällt er 27jährig am Karst.

 

Diese Veranstaltung wird durch den Joanneum-Verein und die Naturfreunde Steiermark unterstützt.

 

Nach der Anschluss Veranstaltung kredenzen wir Weine von SANCIN, dem Spitzenwinzer vom Monte d’Oro hoch über Triest. 

(Vitjan Sancin ist die Qualität seiner Produkte wichtiger als die Architektur seines Hofes. Der studierte Agrarwissenschaftler gilt als ungeheuer innovativ mit einem Faible für die alten autochthonen Weinpflanzen.)

 

Sonntag, 31. Mai 2015

Stadt Graz Umwelt Expand Box

 

11.00 - 11.30 Uhr

Museum im Palais, 2. Stock

Isonzo - Fluss der Schlachten

Gerhard M. Dienes

Musik: Peter Kunsek

 

Der Fluss entspringt als Soča in Slowenien in den Julischen Alpen unter dem 2500 Meter hohen Jalovec. Bei Gorizia/Nova Gorica oder Görz verlässt die Soča ihre Heimat und wird zum Isonzo, der zwischen Grado und Monfalcone in das Adriatische Meer mündet. Für den Grazer Schriftsteller Helmuth Eisendle gibt es keinen anderen Fluss, „dessen Name so oft mit einem Krieg, mit einer Schlacht in Zusammenhang gebracht wird“. Zwölf Schlachten tragen seinen Namen. Das Rauschen seines Wassers war nicht mehr zu vernehmen. „Ich hörte Maschinengewehre und Gewehre über den Fluß und den ganzen Fluß entlang feuern“, schrieb Ernest Hemingway. Das was Simon Gregorčič in einem Gedicht an den Fluss prophezeite, war Wirklichkeit geworden: „Und Bäche Blutes wirst du trinken/genährt von unserm Blut so rot/beschwert von unsrer Feinde Tod.“

 

 

11.45 – 12.30 Uhr

Museum im Palais, 2. Stock

„Solche Kontraste gibt's nur an der Front"

Die Schauspielerin und Historikerin Andrea Schramek

liest unter dem musikalischen Trommelfeuer von Peter Gabis

Texte der Kriegsberichterstatterin ALICE SCHALEK

 

Die österreichische Schriftstellerin, Journalistin und Fotografin Alice Schalek (1874-1956) wurde 1915 als erste Kriegsberichterstatterin zugelassen und beim k.u.k Kriegspressequartier in Österreich akkreditiert. Ihre Erlebnisberichte über die Kämpfe in den Dolomiten, über den Serbienfeldzug und die Isonzofront wurden in der „Neuen Freien Presse“ und in den „Münchener Neuesten Nachrichten“ veröffentlicht. 1917 wurde sie für ihren Kriegseinsatz sogar mit hohen Orden dekoriert – eine sehr ungewöhnliche Auszeichnung für eine Frau. Ihre anfangs begeisterten, patriotischen Berichte und der Einsatz einer Frau an der Front stießen in der Öffentlichkeit auf ein geteiltes Echo. Unter Schaleks schärfsten Kritikern war Karl Kraus, der ihr „Kriegsverherrlichung“ vorwarf und sie in seinem Werk „Die letzten Tage der Menschheit“ kritisch verewigte.

 

Im Laufe des Krieges änderte sie ihre Einstellung zum Geschehen. Schaleks letzter Kriegsbericht von 1917, ehe sie diese Tätigkeit beendete, galt Triest. 

 

 

anschließend

Museum im Palais, Hof

 

Im Hofe des Palais steht ein Olivenbaum

Andrea Gilli reflektiert über die Qualitätsöle aus der Region Triest.

Zu verkosten gibt es „himmlisches“ Olivenöl (Olio Čielo) von SANCIN.

 

Mit musikalischen Reflexionen lässt Peter Kunsek  die Triesttage 2015 ausklingen.

Die Veranstaltung wird unterstützt vom Land Steiermark Kultur. 

 

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

 

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