Bewegung

Die Nationalsozialisten sahen sich selbst und ihre Partei als „Bewegung“. Der Begriff „Bewegung“ stand für Dynamik und den Wunsch nach einer radikalen Erneuerung der Gesellschaft. Er sollte die Menschen ansprechen und mitreißen. Bereits Mitte der 1920er-Jahre verwendete die NSDAP in Österreich den Zusatz „Hitlerbewegung“. Mit dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wollten viele Österreicher*innen Teil dieser Bewegung werden.

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Hitlerbewegung

Mitte der 1920er-Jahre gab es in der Steiermark drei rivalisierende Gruppen von Nationalsozialisten: die Anhänger von Walter Riehl, die Anhänger von Karl Schulz und die Anhänger Adolf Hitlers. Sie formierten sich in 41 Ortsgruppen. 1926 schlossen sich die meisten davon der „Hitlerbewegung“ an. Diese begann in der Folge mit dem Aufbau einer straff geführten Partei. Es gab auch eine eigene Wehrformation, also eine bewaffnete Gruppe – die sogenannte Sturmabteilung (SA).

NSDAP in den 1920er-Jahren

Nach dem Ersten Weltkrieg fanden Wahlen statt. Dabei schafften es die Nationalsozialisten, in verschiedenen steirischen Gemeinden Mandate zu erringen. In Bruck an der Mur und in Kapfenberg erhielten sie sogar die zweitmeisten Stimmen.

Mit der Weltwirtschaftskrise und den Erfolgen der NSDAP in Deutschland entwickelte sich auch die steirische NSDAP zu einer Massenbewegung. Das zeigte sich z. B. bei den Gemeinderatswahlen im April 1932: Die NSDAP erreichte bei dieser Wahl in Leoben 18 % der Stimmen und konnte so den Vizebürgermeister stellen. In Knittelfeld und Mürzzuschlag erreichte sie über 19 %, in Schladming 33 %, in Klaus 44 % und in Untertal (heute ein Teil von Schladming) sogar 89 % der Wähler*innenstimmen.

Im Jahr 1933 übernahmen die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht. Dies bescherte der steirischen NSDAP einen weiteren Aufschwung. Die Zahl ihrer Mitglieder verdoppelte sich. Innerhalb kürzester Zeit baute die Partei Hunderte Ortsgruppen der NSDAP, der SA und der Hitler-Jugend sowie 27 NS-Frauenschaften auf. Im Juni 1933 wurde die Partei dann verboten.

Illegale NS-Bewegung 1933–1938

Am 19. Juni 1933 wurde die NSDAP in Österreich verboten. Bis Anfang März 1938 blieb die Partei illegal. In dieser Zeit führten Nationalsozialisten zahlreiche Anschläge in der Steiermark durch. Immer öfter starben dabei auch Menschen. Ziel dieser Terroraktionen war die Zerstörung der staatlichen Infrastruktur, also z. B. von Strommasten oder Eisenbahngleisen. Die Anschläge sollten bei der Bevölkerung aber auch den Eindruck erwecken, dass der österreichische Staat schwach ist und sie nicht schützen kann. Als Lösung wurde der Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland präsentiert.

Höhepunkt dieser Aktivitäten war der Putschversuch vom 25. Juli 1934. Dabei besetzten die Nationalsozialisten das Bundeskanzleramt in Wien und erschossen Kanzler Engelbert Dollfuß. In der Steiermark kam es in fast 200 Gemeinden zu teilweise schweren Gefechten. Dabei starben rund 100 Menschen. Nach der Niederschlagung des Juli-Putsches wurden zahlreiche Mitwirkende verhaftet und über 500 Steirer vor Militärgerichte gestellt. Viele steirische Nationalsozialisten flohen nach Deutschland. Dort traten sie der sogenannten Österreichischen Legion bei und bereiteten sich für den Einmarsch in Österreich vor.

Jene, die nach dem Juli-Putsch in der Steiermark blieben, setzten ihre illegalen Aktivitäten weiter fort. 

„Volkserhebung“ 1938

Seit 1936 stand Österreich zunehmend unter dem Druck Hitler-Deutschlands. So verpflichtete sich die Regierung zum Beispiel, die Außenpolitik mit jener von Deutschland abzustimmen. Inhaftierte Nationalsozialisten wurden begnadigt und ab 1938 Nationalsozialisten sogar in die Regierung aufgenommen. Die Nationalsozialisten feierten diese Entwicklungen mit Kundgebungen in allen größeren Städten der Steiermark. Im Mittelpunkt stand dabei Graz: Hier marschierten an den Abenden des 19. und 24. Februar mehrere Tausend Nationalsozialisten mit Fahnen und Fackeln durch die Stadt. Am Rathaus zogen sie eine Hakenkreuzfahne auf und forderten den Anschluss an Deutschland. Dafür erhielt Graz im Juli 1938 den nationalsozialistischen Ehrentitel „Stadt der Volkserhebung“.

Mitglied der NSDAP sein …

Im März 1938 übernahmen die Nationalsozialisten in Österreich die Macht. Nun wollten viele Steirer*innen Mitglieder der NSDAP werden. Die Nationalsozialisten vermuteten, dass manche sich der Partei nun nur deshalb anschließen wollten, weil sie sich daraus Vorteile oder bessere Chancen für ihre Karriere erhofften. Bei der Aufnahme neuer Mitglieder wurde daher wie folgt vorgegangen:

Zunächst wurden all jene in die Partei aufgenommen, die bereits vor dem Verbot der Partei 1933 Mitglieder waren. Eine niedrige Mitgliedsnummer dokumentierte die Zugehörigkeit zum „Parteiadel“, sie versprach Privilegien und Posten. Viele versuchten deshalb, als „Illegale“ anerkannt zu werden.

Alle, die nach dem „Anschluss“ 1938 Parteimitglied werden wollten, brauchten Geduld: Erst wer die Phase des „Parteianwärters“ durchlaufen hatte, konnte 1939 in die NSDAP aufgenommen werden. Insgesamt wurden rund 10 % der steirischen Bevölkerung NSDAP-Mitglieder.