Zeitungsredaktion

Der moderne Journalismus ist ein Kind des 19. Jahrhunderts: In den 1860er-Jahren wird in Österreich die Konzessionspflicht für Zeitungen aufgehoben, die Zensur fällt. Damit sind die Voraussetzungen für ein dynamisches Pressewesen geschaffen. Auch in der Steiermark entwickelt sich der Zeitungsmarkt in der Folge rasant: Nahe an den sich etablierenden Parteien prägen bald knapp eine Hand voll Printmedien die mediale Öffentlichkeit: die bürgerlich-liberale „Grazer Tagespost“, das katholische „Grazer Volksblatt“, der sozialdemokratische „Arbeiterwille“ sowie das radikal national ausgerichtete „Grazer Tagblatt“.

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Eine Zeitungsredaktion gehört zur zwingenden Infrastruktur des modernen Lebens. Sie ist Knotenpunkt in einem Netzwerk von Informationen. Wer hier sitzt, hat die Macht, Weltbilder und Meinungen zu prägen. Politische Maßstäbe und Marktgesetze spielen eine Rolle.

Der Arbeitsalltag der Redakteure ist vielseitig: Sie schreiben über Politik und Kultur, verfassen Gerichts- und Katastrophenberichte. Für die geneigte Leser*innenschaft werden Sozialreportagen und Fortsetzungsromane geboten. Anzeigen von Hochzeiten und Geburten runden die Berichterstattung ab.

Die Redaktionen befinden sich in gut erreichbarer städtischer Lage, räumlich nah bei Papierfachhändlern und Druckereien. Die Produktion der Zeitungen baut auf die Rationalisierung und Technisierung der Zeit. Nur so kann die neue Ausgabe allmorgendlich pünktlich ausgeliefert und auf die Straße gebracht werden!

Redaktion und Druckerei des ‚Grazer Volksblattes“ im Stainzerhof

Neues aus alten Mauern: Zwischen 1870 und 1902 sind Redaktion und Druckerei des Organs der steirischen Christlichsozialen in der ehemaligen Stadtresidenz des Stiftes Stainz untergebracht. Ab 1891 erwächst daraus eine der bestimmenden Parteien im österreichischen Reichsrat.

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"Zur Erinnerung an den letzten deutschen Tag der Marburger Zeitung“, 1919

Ende einer Ära: 1862 gegründet, wird die zunächst politisch neutrale Zeitung angesichts der wachsenden Nationalitätenkonflikte in der Endphase der Monarchie zum Organ des deutschnationalen Bürgertums. 1919 wird sie nach der Gründung des SHS-Staates von slowenischen Redakteuren übernommen.

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Korrespondenzkarte des ‚Grazer Volksblattes“, 1911

Aus dem Redaktionsalltag: Redakteur Blaschitz entschuldigt sich beim Autor des Romans Hafenstürme für ein Missverständnis rund um das Manuskript. Die Sache geht gut aus: Der Roman kann 1913 erscheinen. In dieser Zeit sind Zeitungen ein ideales Publikationsorgan nicht nur für erzählende Literatur wie die besonders beliebten Fortsetzungsromane, sondern auch für wissenschaftliche Beiträge.

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