Vereine spielen um 1900 eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Leben, viele sind hochpolitisch: In ihnen spiegeln sich der zunehmende Nationalismus und die Spannungen zwischen den Volksgruppen in der späten Habsburgermonarchie wider. Besonders deutlich zeigt sich das dort, wo deutsch- und slowenischsprachige Steirer*innen zusammenleben:
So entstehen etwa in Radkersburg im ausgehenden 19. Jahrhundert gleich mehrere elitäre, deutschnational orientierte Vereinigungen. Der „Gesangs- und Musikverein“ sowie der „Radfahrerverein“ demonstrieren bei gemeinsamen „Julfeiern“ tiefe weltanschauliche Verbundenheit. Auch bei den Festen des deutschen Turnvereins und des „Vereins Südmark“ bleibt man ideologisch und sozial unter sich. Zusätzlich trifft sich das deutschsprachige Bürgertum etwa im Weinbau-, Stadtverschönerungs- und Sparkassenverein sowie bei der Freiwilligen Feuerwehr. Bis in die 1920er-Jahre wächst die Zahl der lokalen Vereine auf 50 an!
Für die slowenischsprachigen Dienstboten und die bäuerliche Bevölkerung der Umgebung Radkersburgs ist indes die katholische Kirche ein wichtiger Treffpunkt. Neben zwei religiösen Bruderschaften billigt die Bezirkshauptmannschaft im Jahr 1910 die Gründung eines katholisch-slowenischen Kulturvereins.