1912/13 schließt Kastner & Öhler mit seinem Neubau in der Grazer Sackstraße an dieses moderne Konzept an. So entsteht das erste Warenhaus der Monarchie. Bezeichnend für das neue Haus ist die Präsentation Hunderter Warengruppen auf mehreren Etagen. Die Lichtversorgung erfolgt elektrisch und ist durch die weitgehende Auflösung der Fassaden in Fensterflächen sichergestellt. Breit angelegte Treppenhäuser und Liftanlagen ermöglichten die rasche Zirkulation des Publikums. Cafés und Erfrischungsräume laden zum Verweilen ein.
Das bürgerliche Publikum wird durch die attraktiv gestalteten Schaufenster förmlich ins Warenhaus hineingezogen. Einmal eingetreten, lädt die großzügige Architektur zum zwanglosen Flanieren ein. Das inszenierte Warenangebot sorgt für Staunen. Produkte werden geprüft, Konfektionsware anprobiert, Kaufentscheidungen getroffen. Die Preise sind fix, das Umtauschrecht garantiert.
Für den reibungslosen Betrieb sorgen schon um 1900 Hunderte Mitarbeiter*innen. Sie sind in Verkauf, Versand und Verwaltung, in der Schneiderei, Dekoration und im Café tätig. Mit klar geregelten Arbeits- und Urlaubszeiten, fixen Gehältern und Sozialleistungen gehören sie dem „neuen Mittelstand“ an.