Museum

1895 öffnet das „Culturhistorische und Kunstgewerbemuseum“ in der Grazer Neutorgasse seine Tore. Sein Zweck als Teil des Landesmuseums: die Sicherung der Geschichte und des kunstgewerblichen Erbes. Sein Ziel: Volksbildung und Identitätsstiftung. Zur Eröffnung kommt der Kaiser persönlich.

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Wie das erste Warenhaus besticht das neue Museum durch seine palastartige Architektur und dekorativ gestaltete Fassaden. Im Inneren sorgen Säle, Treppenhäuser und Kuppeln für ein exklusives Raumerleben. Die Ordnung der Objekte folgt dem Stand der Wissenschaft. Sinnfällige Ensembles reizen die Wissbegierde. Was und wie etwas gezeigt wird, entscheiden Experten. 

Besucher*innen sind im neuen Museum herzlich willkommen – im Rahmen der Hausordnung und der Öffnungszeiten darf jede*r eintreten. Ihre Rolle ist dabei klar definiert: präsentierte Geschichtsbilder nicht infrage zu stellen, das wissenschaftlich Belegte zu glauben, die etikettenbestückte Übersichtlichkeit zu würdigen, die Schätze der Kunst zu bestaunen.

Während das Grazer Joanneum der gesamten Steiermark gewidmet ist, entstehen im Land um 1900 zahlreichen Stadt- und Regionalmuseen. Ihre Gründung verdankt sich weniger politischen und wissenschaftlichen Initiativen denn bürgerlichem Engagement. In Zeiten des Umbruchs wollen Bürger*innen regionales Kulturgut vor der Zerstörung bewahren und lokale Identität sichern.

Landesmuseum Joanneum, Lapidarium im ‚Lesliehof“, 1911

Hinab zu den Ursprüngen: Die Anfänge des Museums werden von einer intensiven Grabungstätigkeit begleitet, die zugleich eine erste Hochphase archäologischer Forschung in der Steiermark darstellt. Sie legt den Grundstock für die umfangreiche provinzialrömische Sammlung, die eine große Zahl von Steindenkmälern umfasst. Sie wird zunächst im Erdgeschoss des „Lesliehofs“ untergebracht.

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Großer Mineraliensaal des Landesmuseum Joanneum in Graz, Ofen, 1911

Von der Adelsresidenz zum Museum: Das Stammhaus des Joanneums, der seit 1811 museal genutzte „Lesliehof“ aus dem 17. Jahrhundert, beherbergt das Kernstück der Sammlungen Erzherzog Johanns: die umfangreiche Mineraliensammlung, Zeugnis für die primär naturwissenschaftlichen Interessen des Gründers. Die Bestände haben sich am Ort mitsamt der eigens vom Gründer dafür beauftragten Möblierung erhalten, die mit der reichen Stuckdekoration des 18. Jahrhunderts eine Symbiose eingeht.

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Landesmuseum Joanneum, ‚Eisengalerie“, 1906

Primat der Anschauung: Museumsräume der Gründerzeit sind als vielfältiges wie reichhaltiges „Sacharchiv“ der Vergangenheit aufgefasst. Natur- und Kulturgeschichte bilden eine Einheit, die dazu beitragen soll, die Vorstellung kulturellen Reichtums wie einer tief verwurzelten regionalen Identität zu festigen. Die im ganzen Land zusammengetragenen Raumausstattungen fordern dazu auf, in die Geschichte buchstäblich einzutreten. Ein wichtiger Zweck ist die Schulung des heimischen Kunsthandwerks. Die zeittypisch hohe Objektdichte soll auch die wirtschafts- wie handwerksgeschichtlich zentrale Rolle des Schmiedeeisens bewusst machen.

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