Park

Mit dem Schleifen der historischen Stadtmauern und Befestigungsanlagen ergeben sich zentrumsnahe Freiflächen. Mit der Erweiterung der Städte finden neue Ideen und Funktionen in die Stadtplanung Eingang: So entstehen um die Jahrhundertwende zahlreiche öffentliche Parkanlagen, etwa in Graz und Marburg/Maribor, Leoben, Bruck oder Fürstenfeld.

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Inspiriert vom englischen Landschaftsgarten, werden in den neuen Stadtparks planmäßig Bäume und Sträucher gepflanzt sowie Rosenhügel und Blumenrabatten angelegt. Pfade und Wege geleiten zu den Denkmälern und Büsten namhafter Dichter, Musiker und prominenter Vorfahren hin. Brunnenanlagen bestechen durch aufwendig gestaltete Figurengruppen. Auf den Teichen stehen Ruderboote bereit, im Winter kann man hier Schlittschuh laufen. Je nach Jahreszeit besticht der Park durch unterschiedliche Stimmungen und Atmosphären. In der Dämmerung und
den Abendstunden sorgen Gaslaternen für Licht.

Die neuen Parks stehen im Dienst der Gesundheit und Erholung der Stadtbewohner*innen und aller Altersgruppen: Hier kann man sich zum zwanglosen Spazieren oder Plaudern treffen. Ruhebänke laden zum bequemen Verweilen ein, während die Kinder auf den weitläufigen Rasenflächen spielen. Kursalons und Musikpavillons locken mit Konzerten. In den Cafés kann man/frau Erfrischungen genießen oder die aktuelle Ausgabe der Zeitung studieren.

Schillerdenkmal in Mureck, 1906

Klassiker als Idole: Wie schon zu Lebzeiten wird Friedrich Schiller (1759–1805) auch von den deutschnationalen Bürgern hymnisch gefeiert. Um die Zugehörigkeit der deutschsprachigen Gebiete in der Steiermark zur „deutschen Nation“ zu unterstreichen, wird der Dichterklassiker selbst in kleineren Orten durch ein Denkmal geehrt. So erhält auch Mureck zum 100. Todestag Schillers eine Büste, die der Grazer Bildhauer Eduard Kubovsky liefert.

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Denkmal für Kaiser Joseph II. am Grazer Opernring, um 1910

Das Denkmal Josephs II. wird 1887 am damaligen Carl-Ludwig-Ring, ab 1918 Opernring, errichtet. Damit soll nicht nur der „gekrönte Menschenfreund“, sondern auch jener Monarch geehrt werden, der durch Auflassung der Grazer Festung Raum für die weitere städtische Entwicklung gegeben hat.

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Denkmal für Karl Morré in Leibnitz, um 1911

Der aus Klagenfurt gebürtige, in Graz verstorbene Dichter Karl Morré (1832–1897) wird ab 1871 vor allem mit Schwänken und Possen bekannt und steht damit in der Tradition Nestroys, Friedrich Kaisers und Anzengrubers. Inbegriff des Volksstückes ist ’s Nullerl (1885), ein „Volksstück mit Gesang“ mit einem Vorwort von Peter Rosegger. Morré schildert darin das Elend der unterprivilegierten, der Willkür ausgelieferten Volksschichten.

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Volksgarten in Graz, 1902

Die Entstehung des Volksgartens geht vermutlich auf den damaligen Landesbaudirektor Martin Ritter von Kink zurück. 1871 ergeht eine Petition mit über 400 Unterschriften an die Stadtgemeinde. 1873 beschließt der Gemeinderat die Umsetzung. 1897 folgen ein Kinderspielplatz und ein Eislaufplatz, 1899 ein Pavillon. Die neue Grünanlage ist für die Arbeiterbevölkerung der westlichen Vorstädte gedacht, ein Gegenstück zum bürgerlichen Stadtpark. Nicht von ungefähr wird gerade hier 1907 ein Denkmal für den Volksdichter Karl
Morré (1832–1897) enthüllt, der in seinem Werk den Blick auf das Prekariat seiner Zeit lenkt.

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Alter Botanischer Garten, sog. ‚Joanneumgarten“ in Graz, 1888/89

Vorgänger des Botanischen Gartens in der Schubertstraße ist der „Joanneumgarten“ direkt neben dem Lesliehof, der zugunsten des neuen Gartens aufgelassen wird.

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Blick auf den Grazer Stadtpark mit dem ‚Café Promenade“

Unter Bürgermeister Moritz Ritter von Franck wird das ehemalige Schussfeld der aufgelassenen Festung Graz, das „Glacis“, in einen öffentlichen Park umgewandelt. Stadtgrün ist ein Teil eines umfassendem Reformwerks, das Franck den Ehrennamen „Vater der Armen“ einträgt. Zu den Neuerungen, die Graz in die Moderne führen, gehören eine reformierte Verwaltung, das städtische Spital, die Volksküche und eine Gemeindesparkasse. Das noch heute bestehende Café Promenade ist einem 1833 erbauten Burgwachgebäude untergebracht und wird 1870 eröffnet.

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Stadtpark in Marburg a. d. Drau/Maribor, 1916

Grünes Prestige: Der Marburger Stadtpark wird 1871–1872 bzw. 1882–1883 vom Grazer Stadtgärtner Franz Marauschegg angelegt und zu Ehren der Habsburgerdynastie mit Denkmälern versehen. 1882 wird ein Standbild Kaiser Josephs II. enthüllt (1918 gestürzt), 1883 Erzherzog Johann durch eine Statue geehrt. Diese wird 1918 demontiert und im Regionalmuseum/
Pokrajinski muzej eingelagert.

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