Schule & Universität

Wie fast überall in Europa kommt es in der Steiermark zwischen 1848 und 1918 zu einer dynamischen Entwicklung des Bildungswesens. Der Bau von Schulen wird zur zentralen öffentlichen Aufgabe. So entstehen u. a. in Hartberg, Judenburg und Feldbach, in Voitsberg und Radkersburg imposante Anlagen.

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Für das Bürgertum sind die Schulen – neuerdings einer weltlichen Behörde: dem Landesschulrat unterstellt – zentraler Motor ihrer Karrieren. Besonders attraktiv ist das Bildungsangebot in Graz: Hier gibt es im Jahr 1900 neben 23 Knaben- und Mädchenvolksschulen neun öffentliche Bürgerschulen, drei Gymnasien und ein Mädchenlyzeum. Für die Ausbildung von Lehrer*innen sowie die Bereiche Handel und Gewerbe stehen mehrere berufsbildende Schulen zur Verfügung. 

An den Universitäten und Hochschulen der Stadt verdreifacht sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Zahl der Studenten. Die Medizinische Hochschule wird zur vollständigen Universität. Der Staat übernimmt die heutige Technische Universität und stellt sie den übrigen Hochschulen gleich. Für die Frauen gilt es zu warten: Noch in den 1880er-Jahren werden sie als „studierunfähig“ bezeichnet und lediglich als „Hospitantinnen“ geduldet. Ab 1897 werden sie an der Philosophischen Fakultät zugelassen. Ab 1900 können sie Medizin, knapp 20 Jahre später auch Jus studieren.

Karl-Franzens-Universität in Graz, um 1914

Nach 1870 wird die rasch wachsende Grazer Universität zum Zentrum eines ganzen Viertels im Osten der Stadt, wo zahlreiche Institutsgebäude entstehen: Anatomie (1872), Physik (1875), Chemie (1878), Gewächshaus und Botanischer Garten (1889). Höhepunkt ist die Einweihung des Hauptgebäudes durch Kaiser Franz Joseph 1895: ein mit zahlreichen Statuen berühmter Gelehrter geschmückter Palast in Renaissanceformen, entworfen von Karl Köchlin und Wilhelm von Rezori. Mit diesem feierlichen Akt betont der Kaiser die führende Rolle der Monarchie in Bildungsfragen.

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Obersteirische Volksschule in Judenburg, um 1910

Der von Bürgermeister Josef Ressavar 1873 angeordnete Neubau der „Volks- und Bürgerschule“ fällt so aufwendig aus, dass er bald „Schulpalast“ genannt wird.

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