Kaffeehaus

In Graz gibt es um 1900 bereits 50 Alt-Wiener Kaffeehäuser. Durch Reklametafeln und Schriftzüge an den Fassaden sind sie schon von Weitem zu erkennen. Große Fensteröffnungen erlauben Ein- und Ausblicke und sorgen für Licht. Die Gestaltung im Inneren ist großzügig: Luster und Vorhänge, Spiegel und Pflanzen vermitteln Luxus und Bequemlichkeit. Man sitzt auf Thonet oder in Plüsch, nimmt ein schnelles Getränk an der Bar. Im Sommer kann man im Freien Platz nehmen. Markisen und Bäume sorgen für Schatten und die Abgrenzung zu den Straßen hin.

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Im Kaffeehaus kann man aber nicht nur Getränke und Süßspeisen konsumieren oder einen kleinen Imbiss einnehmen. Über viele Stunden des Tages und ganzjährig geöffnet, ist es ein wichtiger Treffpunkt und Ort des Austauschs. Hier trifft man seinesgleichen zur zwanglosen Plauderei. Hier erfährt man Neuigkeiten und diskutiert aktuelle Entwicklungen aus Kultur, Gesellschaft und Politik.


Meinungsbildung erfolgt dabei nicht nur im Gespräch. Im Kaffeehaus liegen Zeitungen, Fachzeitschriften und Illustrierte auf, die anderswo nicht so einfach zu bekommen sind. Schließlich sind Kaffeehäuser auch Orte der Unterhaltung: Hier wird Schach, Karten oder Billard gespielt. In den Abendstunden oder an Wochenenden gibt es Musik. Frauen sind sowohl unter den Bediensteten wie auch unter den Gästen zu finden. 

Café Stadtpark in Graz, Inhaber: Felix Pietzsch, 1914

„Die Bosniaken kommen“: Im „Café Stadtpark“ konzertieren regelmäßig die Kapellen der Grazer „Hausregimenter“ der k. u. k. Armee, darunter auch das legendäre bosnischherzegowinische Infanterieregiment Nr. 2, die „Zweierbosniaken“. In Garnisonsstädten ist das Verhältnis zwischen Militär und Einwohner*innen nicht immer spannungsfrei. So kommt es im November 1897 zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen aufgebrachten Demonstranten und den „Zweierbosniaken“, der Verletzte und ein Todesopfer fordert. Konzerte wie diese mögen dazu beigetragen haben, die Wogen wenigstens oberflächlich zu glätten.

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Café Post in der Neutorgasse, Graz, um 1900

Hotspot des „königlichen Spiels“. Im Grazer „Café Post“ trifft sich ab 1894 die Grazer Sektion der Österreichischen Schach-Gesellschaft. Neue Mitglieder sind stets willkommen. Mit Hingabe vertiefen sich die Schachspieler in ihr Spiel. Der Kaffeegenuss ist nur angenehmer Vorwand.

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Café Steyrerhof in Leoben, 1903

Es ist Hochsommer und der Krieg steht vor der Tür: Im Juli 1914 konzertiert im Leobner „Café Steyrerhof“ das „Opernquartett Reinholz“ donnerstags und freitags von 10 Uhr abends bis 2 Uhr morgens. Es wird ein böses Erwachen geben. Am 28. Juli, genau einen Monat nach dem Attentat von Sarajewo, erklärt Österreich-Ungarn dem Königreich
Serbien den Krieg.

 

 

 

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Café Habsburg in Graz, 1912

Die zahlreichen Kaffeehäuser spiegeln auch die Zugehörigkeit zu den verschiedenen politischen Lagern innerhalb des Grazer  Bevölkerung wider. So treffen sich im „Café Habsburg“ die treuen Anhänger der regierenden Dynastie.

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‚Im Billardcafé“, um 1900

Billard ist eine seit dem späten Mittelalter bekannte Form höfischen Zeitvertreibs. So präsentiert sich Ludwig XIV. von Frankreich beim Billardspiel: Der absolute Monarch will als überlegt und berechnend gelten, wenn er die Kugel anstößt. Auch in Schönbrunn gibt es ein Billardzimmer. Das Bürgertum folgt dem höfischen Vorbild: Billardtische finden sich nun nicht mehr nur in Schlössern, sondern in vielen städtischen Cafés. Im England des 19. Jahrhunderts kommt es zu ersten Billard-Turnieren.

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