Hotel

Das französische Wort „Hôtel“ bezeichnet ursprünglich den luxuriösen Wohnsitz eines Adeligen in der Stadt, den er parallel zum Schloss in der Provinz unterhält. Im 19. Jahrhundert werden die adeligen Stadtwohnsitze zur Inspiration für die Grand Hotels in den europäischen Metropolen. Eingerichtet wie Paläste, bilden sie den Rahmen für ein reges, klar reglementiertes
Gesellschaftsleben. Für den täglichen Betrieb sorgt das Dienstpersonal, das unsichtbar in Küche, Keller und Waschraum tätig ist.

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In der Steiermark konnten Reisende über Jahrhunderte in Gasthöfen unterkommen. Vergleichsweise unbequem und teils in engen Gassen gelegen, werden diese nun als nicht mehr zeitgemäß empfunden. In den Städten treten an ihre Stelle großzügige Hotelbauten, die mit Ämtern, Schulen und Geschäften die neuen Zentren bilden. In den Kurorten entstehen Hotels neben Kaffeehäusern und Theatern als Teil der touristischen Infrastruktur.


Wichtig für das Ansehen eines Hotels sind seine Lage, Größe und Komfort. In den Raumprogrammen gilt es nicht nur, die Zimmer und Appartements für die Gäste zu bedenken. Erst prächtig geschmückte Speisesäle und Salons, Frühstücks- und Rauchzimmer oder Wintergärten lassen einen Aufenthalt zum Erlebnis werden. Das Erdgeschoss ist dabei stets auch Übergangszone zur Stadt: In Cafés und Restaurants treffen Gäste von auswärts und städtisches Bürgertum aufeinander. Empfänge, Bälle und Tanzabende adressieren ein lokales Publikum.

Speisesaal im Hotel Mailand in Bad Gleichenberg, um 1910

„Kaiserstil“ in Gleichenberg: Bald nach der Gründung des Ortes entsteht 1844/45 bzw. 1856 dort der Gasthof „Zur Stadt Mailand“. 1894/95 wird ein neuer Speisesaal angebaut. Die Pläne liefert August Gunolt, der in Graz mehrere Palais sowie das neue Landesmuseum entworfen hat. Der „Mailandsaal“ ist in dem von Gunolt bevorzugten Stil des Wiener Hochbarock gehalten und erinnert an die „große Zeit“ Österreichs unter Prinz Eugen und Karl VI. All das hat seinen Preis: Die Kosten bringen den Besitzer derart in Schwierigkeiten, dass der Besitz 1906 an den Hauptgläubiger verkauft werden muss.

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‚Grand Hôtel Gärner“ in Leoben, um 1900

An der wichtigsten Straße der Stadt zwischen Zentrum und dem seit 1868 bestehenden Bahnanschluss gelegen, bezeugt das einzige „Grand Hôtel“ in Leoben (später Hotel Baumann)
mit der Anlehnung an die Architektur der Wiener Ringstraße exemplarisch das gewachsene bürgerliche Selbstbewusstsein. Auch das umgebende, ab 1889 rasterförmig angelegte Quartier „Josefee“ ist mit seinem zentralen Schmuckplatz ein echtes Gesamtkunstwerk der „Belle Epoque“.

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Tanzinstitut Eduard Eichler in Graz, um 1910

Tanzkultur „auf der Höhe der Zeit“: Um auf der Bühne der Gesellschaft zu bestehen, müssen die Debütant*innen eine methodische Ausbildung durchlaufen. Dafür sorgt in Graz die Tanzschule Eichler, wo im Februar 1894 ein „rumänisches Paar in prächtiger Originaltracht“ auftritt und „hübsche Rococo-Costüme“ vorgeführt werden: Beschwörung der Mozartlegende, garniert mit südosteuropäischer Folklore.

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‚Roseggerstübl“ im Hotel Post, Mürzzuschlag, 1913

Skifahren in der Waldheimat: Toni Schruf (1863–1932) startet in Mürzzuschlag zusammen mit dem Grazer Radsportler Max Kleinoscheg erste Versuche, den Skisport im Alpenraum heimisch zu machen. 1893 wird das erste Skirennen abgehalten, 1894 folgt in Mürzzuschlag eine Ausstellung zum Wintersport, der Auftakt zum künftigen, erst 1947 gegründeten Museum. Am 22. Februar 1900 wird im „Roseggerstüberl“ im Hotel Post die „Rosegger-Gesellschaft Mürzzuschlag“ gegründet. Modernes Tourismusmanagement im altertümelnden Gewand.

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