Adria

Einst als trostlose und wüste Orte geschmäht, werden die Meeresküsten im 19. Jahrhundert zum Sehnsuchtsort. Um sie zu genießen, müssen die Bewohner*innen der Habsburgermonarchie ihr Land nicht verlassen. Die östliche Adriaküste bildet ein eigenes Kronland, die „Küstenländer“ – erschlossen mit der Bahn, deren Existenz kapitalkräftigen privaten Gesellschaften zu verdanken ist.

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Erster Traum vom Süden – vornehmlich für ein aristokratisches Publikum – ist Abbazia/Opatija. Von Wien aus dank der Südbahn ab den 1870er-Jahren über Nacht zu erreichen, schießen hier bald zahlreiche Hotelpaläste aus dem Boden. Kuranstalten und Sanatorien, Trinkhallen und Kaffeehäuser, Strandpromenade, Waldpfad und Reitweg entstehen.

Im Gegensatz zu Abbazia/Opatija wird Grado ab den späten 1880er-Jahren vornehmlich von Mitgliedern der (gut)bürgerlichen Schicht frequentiert: Beamte, Offiziere, Rechtsanwälte mit ihren Familien, Kaufleute, Ärzte und Fabrikanten, Bildungsreisende und Künstler. 

Ohne den Druck der gesellschaftlichen Zwänge und alltäglichen Verpflichtungen steht ein Urlaub am Meer für viele schlicht für eines: Freiheit. Die Aufenthalte dauern gern gleich mehrere Wochen. Die Tage werden am Strand verbracht. Man schätzt das zwanglose Beisammensein im Kreise von Familie und Bekannten. Bootsfahrten und Ausflüge, Feste und Empfänge sorgen für Abwechslung. 

Strand in Grado, um 1910

Der bis 1797 venezianische Lagunenhafen Grado verdankt seinen Aufschwung zum Badeort sowohl dem Wiener Hof als auch privaten bürgerlichen Initiativen. 1892 wird der Ort durch den Kaiser zur „Kur- und Badanstalt Grado“ bzw. k. u. k. Seebad Grado“ erhoben. Nach 1900 entstehen erste Hotels, die das Wiener Bürgertum anlocken. Auch daran hat die Bahn erheblichen Anteil: Die „k. k. privilegierte Friauler Eisenbahn-Gesellschaft“ stellt 1910 eine durchgehende Bahnverbindung mit Wien her.

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Molo San Carlo in Triest, um 1914

Seit seiner Erhebung zum Freihafen 1719 unter Karl VI. dokumentiert Triest Österreichs Bedeutung am Mittelmeer. Die Erweiterung unter Maria Theresia, der „Borgo Teresiano“, gibt Triest das Gesicht einer vornehmen Seestadt. Entscheidend für die internationale Bedeutung der Stadt ist die „Südbahn“. Diese soll Wien mit Venedig verbinden, das aber 1866 an das Königreich Italien abgetreten werden muss. Seitdem heißt die Endstation Triest. Hier wird 1878 ein nach Art eines italienischen Palazzo entworfener Bahnhof eingeweiht. Wer hier aussteigt, erlebt einen noblen Empfang direkt am Meer. 

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