Von den Hierarchien bei der Mahlzeit

Foto: UMJ/ N. Lackner

Sterzschüssel, fünf Löffel, Sterzkreuz, Schüssel


Ordnung muss sein. Die Sterzschüssel kommt auf den Tisch, darüber das Sterzkreuz und darauf die Schüssel mit den Grammeln, oder was es halt dazu geben hat. Der Bauer fängt mit dem Essen an und steckt seinen Löffel in die Schüssel. Da bist froh gewesen, wenn’st bei einem Bauern warst, der langsam gegessen hat – aber so einer war selten. In den großen Höfen war die Reihe lang: Nach dem Bauern ist der Moarknecht dran g’wesen, dann der Rossknecht, der Stallknecht, der Kleinknecht, danach die Bäuerin, die Sennerin, die Großdirn und die anderen Mägde und dann die Kinder. Die haben schauen müssen, dass sie noch genug abbekommen, bevor der Bauer seinen Löffel abg’wischt hat. Denn dann war Schluss und alle anderen mussten auch aufhören zu essen.

In der Schüssel hat jeder in seinem Eck bleiben müssen. Da hat ein jeder gewusst, bis wo er den Löffel hat reinstecken dürfen in den Sterz. Wehe, wenn einer übers Kreuz gelangt hätte oder quer zum Löffel vom Nachbarn und in dem Teil von den anderen herumg’stierlt hätte. Selbst wenn im eigenen nichts mehr war. Und übriggeblieben ist nie etwas. Am End’ war nur der satt, der schnell genug g’wesen ist.

Hörstation Konzept und Texte: Eine fiktive Erzählung über gewöhnliche Dinge des Alltags von Eva Kreissl und Roswitha Orac-Stipperger

Volkskundemuseum

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