Bezirk Deutschlandsberg

Sorger- Der Salami- und Rohwurstmeister aus Frauental

 

Die über 100jährige Unternehmensgeschichte der Sorger Wurst- und Schinkenspezialitäten GmbH – Gasthof Sorger beginnt mit den beiden aus bäuerlichen Verhältnissen stammenden Eheleuten Georg und Josefa Sorger. Firmengründer Georg Sorger, geboren 1877 in Stammeregg bei Eibiswald, heiratete im Jahre 1901 die ebenfalls in Stammeregg 1880 geborene Josefa Mally.

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Der äußerst vielseitige Georg Sorger war ein mit mehreren Berufen vertrauter Mann. Er war Bauer, Dreher und Werksmeister in den Radwerken Eibiswald, gelernter Tischler und schlussendlich auch noch Fleischhauer und Gastwirt. Seine Ehefrau Josefa hatte zuvor den Beruf einer Hotelköchin im seinerzeit renommierten Grazer Hotel Schimmel-Gollner erlernt.
Georg und Josefa Sorger machten zunächst Station in Schwanberg, wo sie den heutigen Gasthof Totz pachteten, ehe sie sich 1904 am heutigen Standort in Frauental an der Laßnitz niederließen. Bis 1906 führten sie hier das ehemalige Restaurant der k.k. Messingfabrik als Gasthof und später auch als Fleischhauerei. Nach der Schließung der k.k. Messingfabrik erwarb Georg Sorger das leerstehende Gebäude der ehemaligen Drahtzieherei. Damit beginnt 1907 die offizielle Firmengeschichte der Fleischer- und Gastronomenfamilie Sorger. Vor dem Gasthaus befanden sich in der ersten Woche nur ein Tisch, zwei Sessel und ein Fass Wein, da das Gebäude erst hergerichtet werden musste. 1909 erhielt Georg Sorger die offizielle Bewilligung einer Fleischerei und Selchanlage, die Bewilligung zum Betrieb des Gast- und Schankgewerbes sowie zum Betrieb von Wein- und Mosthandel. Die Fleischermeisterprüfung legte Georg Sorger im Jahre 1912 ab, 1921 wurde ihm von der BH Deutschlandsberg die Legitimation für den Handel mit Fleisch- und Selchwaren an Wiederverkäufer erteilt.
Nach dem Tod des Firmengründers 1932 übernimmt Sohn Ferdinand mit Gattin Franziska den gesamten Betrieb. Als erster Großkunde konnte die Firma Meinl gewonnen werden, in deren Filialen Sulmtaler Krainer, Haussalami, Schinkenwurst und Braunschweiger aus dem Hause Sorger angeboten wurden. Konnte man vor dem zweiten Weltkrieg noch sechs bis acht Mitarbeiter beschäftigen, waren es in Kriegszeiten nur noch ein Fleischer und eine Köchin. Ferdinand Sorger wurde in der NS-Zeit wegen angeblichen illegalen Schlachtens für eineinhalb Jahre in der Karlau inhaftiert. Gleich nach Kriegsende begann er wieder mit der Verarbeitung und Auslieferung von Fleisch- und Wurstwaren.
Anfang der 1950er Jahre wurden die Bestellungen mit einem LKW– zwar mit Plane, aber noch ohne Kühlung -  ausgeführt. 1952 beginnt der jetzige Firmenchef Ferdinand Sorger im elterlichen Betrieb als Lehrling, nach einem Volontariat in Niederbayern kehrte er 1958 heim nach Frauental. Wöchentlich wurden damals 50 bis 60 Schweine und bis zu 8 Rinder geschlachtet, der Betrieb beschäftigte insgesamt 30 Mitarbeiter. Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre zählten ADEG mit Niederlassungen in Bruck, Leoben, Judenburg, Murau, Liezen und Spittal an der Drau sowie sämtliche MEINL-Filialen in Österreich und KONSUM-Märkte in der Steiermark zu den Großhandelspartnern. 1975 übernahm Ferdinand Sorger mit Gattin Gertrude den Betrieb, heute ist auch Sohn Ferdinand Sorger jun. eine wichtige Stütze im erfolgreichen und mehrfach ausgezeichneten steirischen Traditionsunternehmen.

MUS-MAX: Qualität aus Groß St. Florian für Europa

 

Aus der Firmenchronik:

1859 Die Fa. MUS-MAX geht aus der Marktschmiede von Groß-St. Florian hervor, die Karl Gutjahr I. 1859 gründet.

1885 Der Sohn, Karl Gutjahr II. führt die Schmiede bis 1919 weiter.

1920 Karl Guß übernimmt mit seiner Frau Aloisia die Schmiede.

1925 Nach dessen Tod führt seine Frau den Schmiedebetrieb alleine weiter.

1926 Aloisia Guß heiratet den Schmiedemeister Karl Steindl.

1932 An Kindes Statt wird Cäcilia Halbauer aufgenommen. Hunderte Fuhrwägen, Pflüge und Eggen werden gefertigt.

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1952 Tochter Cäcilia vermählt sich mit dem Schmiedemeister Erich Urch senior. Die alte Marktschmiede wird allmählich ein Betrieb für Landmaschinenbau und Handel. Der Ehe entstammen drei Kinder (Karoline, Erich Karl, Bernhard).

1955 Gitterräder, Zwillingsfelgen und Anhänger werden in großen Stückzahlen erzeugt. Die Firma Reform in Wels ist dafür der Generalabnehmer.

1967 Erich Urch sen. erwirbt von den Pfarrpfründen in Groß-St.Florian ein Wirtschaftsgebäude. In der Folge wird dort eine Werkstätte mit einer Tankstelle errichtet.

1973 Die Produktionshalle am neuen Standort geht in Betrieb. Erich Urch jun. heiratet Helene Knapp. Der Ehe entstammen drei Kinder (Nina, Robert, Florian).

1974 Erich Karl Urch führt nun gemeinsam mit seinem Vater den Betrieb weiter. Förderschnecken, Maismühlen, Silofräsen und die gesamte Maisverarbeitung werden entwickelt und erfolgreich vermarktet.

1975 Die Marke "MUS-MAX" wird kreiert.

1979 Eine weitere Fertigungshalle mit 800 m² wird in Betrieb genommen. Belegschaftsstand: 25 Mitarbeiter

1984 Verkaufserfolge in Jugoslawien, Schweiz und der BRD motivieren. Mitarbeiterstand: 38.

1985 Erich Urch jun. übernimmt die Führung der MUS-MAX Urch KG. Für den Vertrieb wurde eine GmbH gegründet.

1986 Der Export wird auf Schweden und Italien ausgeweitet.

1988 Eine zweigeschossige Werkhalle mit 1.500m² wird erforderlich. Ganzkornanlagen ergänzen das Programm.

1989 Erich Urch sen. geht in den verdienten Ruhestand. Erich Urch jun. und seine Frau Helene führen nun gemeinsam den Betrieb. Ein weiterer Hallenzubau wird durchgeführt. Die verbaute Gesamtfläche beträgt nun 4.000 m².

1991 Die Blechverarbeitung wird mit Nibbeln, Kanten und Schweißrobotern erweitert.

1994 Exporterfolge mit tschechischen Großbetrieben. Die größte Siloanlage Europas mit 4.000m³ Siloraum und 12.000 Mastschweinen wird von Groß-St.Florian aus beliefert. Die moderne Laserschneidtechnologie hält Einzug. Die Erfolgs-Holzhackmaschine Wood-Terminator (WT 7) wurde entwickelt und an drei Kunden verkauft: Kaufmann, Maindl und Stangl.

1995 Flachsilofräsen bewähren sich erfolgreich am Markt und Holzhackmaschinen werden entwickelt. Zulieferaufträge für die Industrie (Katalysatoren) kommen dazu. Erich Urch jun. wird steirischer Landesinnungsmeister der Landmaschinentechniker.

1996 Entwicklung von Traktorgebläse zur Befüllung von Ganzkornanlagen. Markteinführung der Edelstahl-Kipper-Entleerungsschnecke.

1997 Großartige Verkaufserfolge mit CCM-Mus-Verteiler.

2000 Neues-Produkt: Fermenterschnecke für Biogasanlagen

2003 Ing. Urch Robert tritt nach 5-jähriger Erfahrungssammlung in die Fa. MUS-MAX ein, parallel dazu wird eine neue Lasermaschine angeschafft.

2004 Ein weiterer Hallenzubau von 300m² wird für den Großhackerbau in Betrieb genommen. Mitarbeiterstand: 50 Personen

2005 Der Maschinenpark wird mit einer neuen Abkantmaschine Trumpf V850 erweitert.

2006 Bau der neuen Werkshalle II am erweiterten Betriebsgelände - als Montagehalle für Holzhackmaschinen. Export nach Belgien.

2007 Exporterfolge nach Irland, Portugal und Slowenien. Hackerentwicklung WT 9 XL.

2008 Starke Verkaufszuwächse in Spanien, Polen, Ungarn und Kroatien. Neuer LKW mit 23m-Kran.

2009 "150 Jahre - Das Jubiläumsjahr" / Neuer LKW 416; Erfolge mit den neuen Hackmaschinen WT 8 XL und WT 11 Z.

2010 Neues Exportland: Finnland; neue Fräsmaschine „Doosan – Vertikales Bearbeitungszentrum"

2011 Hallenumbau / Werkshalle mit 600 m2; neue Drehmaschine Doosan; Mitarbeiterstand: 80 Personen

2012 Erwerb einer Werkshalle in Wettmannstätten (1.500 m2) für die Zerspanungstechnik

2013 Werkshalle III: Investition in eine modernste Fräsmaschine DMG MORI-SEIKI DMF 360

2014 Werk I: Eine großdimensionale, elektronische Wuchtmaschine und ein neuer Mercedes-LKW werden angeschafft.

2015 Im Werk I wurden eine große Blecheinrollmaschine mit vier Walzen sowie eine neue Abkantmaschine der Firma Trumpf in Betrieb genommen. Im Werk III ergänzt eine „Doosan“-CNC-Drehmaschine den Maschinenpark.

2016 Die neue Laserschneidanlage TruLaser 5030 fiber liefert hervorragende Ergebnisse bei dünnem und dickem Blech. Ein neuer Tieflader ergänzt den Fuhrpark. Zahlreiche weitere Investitionen in den Maschinenpark wurden getätigt – darunter auch eine spezielle Profilstahlschere der Marke GEKA.

Messer und Stahlwaren Friedrich Josef Spat – vormals de Bernardin in Deutschlandsberg

 

Bei unserer medienhistorischen Spurensuche nach außergewöhnlichen Wirtschaftsgeschichten in der Weststeiermark stach uns am Hauptplatz in Deutschlandsberg sofort das Geschäftsportal von „Messer und Stahlwaren Friedrich Josef Spat – vormals de Bernardin“ ins Auge. Kurz überlegt und schon traten wir ein, um unser Projekt „Landesaufnahme“ vorzustellen.

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Friedrich Josef Spat erzählte uns freundlicherweise die interessante Geschichte seines kleinen Fachgeschäftes und gab dabei Einblick in seine Produktpalette. Das Warensortiment reicht von hochwertigen Haushalts-, Taschen-, Jagd- und Sammlermessern bis zu Fantasy- und Samurai-Schwertern sowie den beliebten „Schwammerl-Messern“. Auch Maniküre-Sets, Nagel-, Kopf- und Eckzangen, Haut-, Nagel-, Näh- und Haushaltsscheren sowie ein professionelles Gravur- und Schleifservice werden angeboten.

Noch im Alter von 95 Jahren verkaufte hier die Vorbesitzerin Maria de Bernardin selbst Klingen– und Schneidwerkzeuge aller Art. Mangels Nachkommen übertrug sie noch vor ihrem Ableben ihrem Wohnungsnachbarn Friedrich Josef Spat das Geschäft, der die rüstige Unternehmerin schon zuvor jahrelang in seiner Freizeit im Betrieb unterstützt hatte. Der Fortbestand des bereits über 100 Jahre bestehenden Fachgeschäftes war somit gesichert.

Der von Gerhard Fischer verfassten Firmenchronik ist zu entnehmen, dass Anton de Bernardin 1911 bei der Gewerbeabteilung der Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg das Gewerbe der Scharfschleiferei angemeldet hat. Er war somit der erste ortsansässige Messer- und Scherenschleifer in Deutschlandsberg. Als typischer Wanderberuf zogen die Scherenschleifer damals üblicherweise mit ihrem Gerät von Haus zu Haus, um ihre Dienste anzubieten.

Anton de Bernardin wurde 1887 als Sohn italienischer Einwanderer in Schaflos bei Köflach geboren. Sein Vater Pietro entstammte einer Glasträger- bzw. Glasbläserfamilie aus San Pietro di Cadore in der Provinz Belluno und kam 1886 in den Raum Voitsberg, um sich in einer der vielen Glasbläsereien zu bewerben.

Nach der Pflichtschule absolvierte Anton de Bernardin bei Schleifermeister Johann Radivo in Tregist von 1901 bis 1905 eine Lehre zum Scheren- und Messerschleifer. Als selbstständiger Scherenschleifer in Deutschlandsberg beantragte Anton de Bernardin auch den notwendigen Gewerbeschein für den Handel mit zur Scharfschleiferei gehörigen Artikeln. Seine Werkstatt hatte er zunächst im Hause Schweighofer untergebracht, wo er auch gemeinsam mit anderen Handwerkern in den Hofgebäuden lebte. 1913 heiratete er Aloisia Brun, deren Vater arbeitete in Unterlaufenegg als Ziegelmacher und war 1890 ebenfalls aus der Provinz Belluno in die Weststeiermark gekommen.

Im Jahre 1933 konnte sich Anton de Bernardin mit seinem Betrieb im ehemaligen Rathaus niederlassen und ließ sogleich von Baumeister Carl Pfleger ein Geschäftsportal errichten. In diesem Haus befindet sich die Firma noch heute. Sohn Peter de Bernardin trat in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters und übernahm 1956 das Geschäft. Bis 1974 hatte er sogar die Funktion des Vorsitzenden der Steirischen Meisterprüfungskommission im Messerschmiedehandwerk inne. Nach seinem Tod 1981 führte seine Ehefrau Maria de Bernardin das Geschäft bis ins hohe Alter weiter.

Kaufhaus Praßl  – „Von der Nadel bis zum FASSL, gibt’s alles beim PRASSL“

 

Bis in die 1950er-Jahre befand sich im Haus Nr. 2 am Deutschlandsberger Hauptplatz eine Gastwirtschaft und eine Bäckerei. Die 1956 geschlossene Bäckerei war überaus bekannt für ihre Spezialitäten wie den „Amerikaner mit Zuckerguss“ oder die großen „Abbazia-Kekse“, erzählt Viktor Praßl.

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Die Räumlichkeiten der ehemaligen Bäckerei wurden schließlich in das von Simon Praßl gegründete Kaufhaus integriert. Er hatte 1947 von Maria Kiendl das Miteigentum an der Liegenschaft erworben. Zum Warensortiment im Jahre 1960 zählten Lebensmittel, Eisenwaren, Möbel, Lederwaren (Taschen und Schuhe), Damen-, Herren- und Kinderbekleidung, Heimtextilien, Korbwaren, Nähzubehör, Stoffe, Wolle, Spielwaren- und Haushaltswaren, Kinderwagen, Gitterbetten sowie Souvenirs aller Art – sogar eine venezianische Gondel mit der Aufschrift „Deutschlandsberg“ wurde angeboten. „Von der Lebensmittelwand bis zur Möbelhallenwand musste man fast 50 Meter zurücklegen“, erinnert sich Viktor Praßl, der von 1982 bis 2003 die Spielwaren- und Haushaltswarenabteilung führte.

Sein Bruder Peter Praßl ist seit 1988 Eigentümer des Geschäftshauses, das er gemeinsam mit Ehefrau Isolde betreibt. In den letzten Jahren wurde das Warensortiment erheblich eingeschränkt, die Wäscheabteilung jedoch erweitert. So liegt heute der Schwerpunkt des Angebots bei Unter- und Nachtwäsche, Strumpfwaren, Bademode, Hüten, Schals, Nähzubehör, Stoffen, Wolle, Garnen, Bändern, Spitzen, Damen- und Herrenbekleidung und Schirmen. Ebenso gibt es eine Änderungsschneiderei für hier gekaufte Kleidungsstücke.

Simadruck/Weststeirische Rundschau - "Drei Damen machen Druck"

 

2018: Simadruck 117 Jahre  – 91 Jahre Weststeirische Rundschau

Er war schon als Jugendlicher nicht nur auf der „Walz“, was damals das mit der Arbeit verbundene Reisen durch andere Länder bedeutete, sondern auch recht ehrgeizig. So kam es, dass der 1870 geborene Kärntner Wilhelm Sima in Bischofteinitz in Böhmen, nahe bei Pilsen, schon in jungen Jahren Mitbesitzer einer Buchdruckerei mit einem Zeitungsverlag wurde.

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Mitbesitzer zu sein bedeutete aber schon damals, nicht das alleinige Sagen zu haben, und so waren Mentalitätsunterschiede und vor allem die unterschiedliche nationale Identität Grund dafür, dass er sich auf Drängen seiner Frau in Österreich nach einer eigenen kleinen Druckerei umsah. So wurde schließlich Deutschlandsberg ab dem Jahr 1901 zu seiner Heimat und sollte es bis zu seinem Lebensende – er wurde 91 Jahre alt – bleiben. Deutschlandsberger zu werden hieß Vorstellungsgespräche – „overdressed“ mit Gehrock und Zylinder – zu führen, sich als musischer Mensch in das Vereinsleben zu integrieren usw.

Eine eigene Zeitung herauszugeben, das war aber eine andere Sache. Sie verlangte ab dem Jahr 1927 viel, viel Einsatz, Überzeugungsarbeit und „Fingerspitzengefühl“. Unterstützung gab es natürlich durch aufgeschlossene Freunde, in erster Linie aber durch seine beiden Söhne Wilhelm und Walter, die nach der Mittelschule – wie andere Deutschlandsberger besuchten sie das Gymnasium in Pettau, dann in Melk – beide den Beruf erlernten und im Betrieb mitarbeiteten. Schwierig war es schon damals, allerdings anders als heute. Die Berichte kamen meist handschriftlich oder auf der Maschine getippt – das blieb übrigens bis in die Zeit der Computer so – montags in die Firma. Hier wurden sie erst, wenn nötig, überarbeitet, um dann den Fließsatz auf einer Bleisetzmaschine wie auf einer Schreibmaschine einzutippen. Zeile für Zeile, und auf der Inseratenseite wie die großen Titel der Berichte Buchstabe für Buchstabe! Heute unvorstellbar und unbezahlbar!

War es ein Wunder, dass man die Buchdruckerei als „die schwarze Kunst“ bezeichnete? Es war ein „elitärer“ Beruf für Menschen mit Köpfchen, die in ihrer Gewerkschaft gut vertreten waren. Von Haus aus eine niedrigere Arbeitszeit, Mädchen durften den Beruf nicht erlernen, sie konnten nur als sogenannte „Hilfsarbeiterinnen“ die Druckmaschinen bedienen. Blatt für Blatt, WR für WR einlegen usw. Während des Krieges – die jungen Männer waren eingerückt – erschien die Zeitung ohne Unterbrechung Woche für Woche nur in einem wesentlich geringeren Umfang. Da half sogar ein längst pensionierter Setzer aus, der zu Fuß (!) jeden Tag den Weg von Stainz nach Deuschlandsberg und zurück bewältigte.

Es würde den Rahmen des Berichtes sprengen, würde man den Beruf eines Setzers oder Druckers von damals genauer beschreiben. Heute gibt es diese Berufsbezeichnungen nicht mehr. Seit der Computer Einzug gehalten hat, spricht man vom Grafiker, Druckvorstufentechniker und Drucktechniker. Dementsprechend hat sich natürlich auch die Einrichtung einer Druckerei gewandelt. Gab es früher die Setzerei bzw. die Druckerei, beherrschen heute Computer, verschiedenste computergesteuerte Maschinen usw. das Bild eines modernen Betriebes. Und natürlich hat sich auch das Bild des Hauses Simadruck, der „Geburtsstätte“ einer Zeitung wie der Weststeirischen Rundschau oder auch anderer Zeitungen, Bücher, Drucksorten, gewandelt. Von der Straßenseite schwer erkennbar, reiht sich heute ein Arbeitsraum nach dem anderen – mitten drinnen die „Druckereikatze“, der Fred, der sich von den vielen Kunden absolut nicht stören lässt!

Der „Nestor der Buchdruckerkunst“, wie Wilhelm Sima in vielen Berichten über ihn in anderen Zeitungen genannt wurde, hatte in seinem Sohn Walter einen tüchtigen Nachfolger gefunden. Dieser erlebte noch die schwierige Zeit der Umstellung vom Bleisatz auf Offsetdruck, die totale Erneuerung des Maschinenparks zusätzlich zu den Belastungen, die die Herausgabe der Weststeirischen Rundschau mit sich brachte. Schon früh fand er aber Unterstützung durch seine beiden Töchter Waltraud, verheiratete Weisi, und Annemarie, verheiratete Aigner. Trotz des Frauen-Berufsverbotes durfte Annemarie Aigner als „Druckereibesitzerstochter“ als einige der wenigen Mädchen in Österreich den Beruf erlernen.

Junge Frauen als „Chefinnen“ damals – und das in diesem Beruf – das ging so einfach nicht, das konnte damals vor allem die Männerwelt nicht so leicht akzeptieren. Es kam nicht nur einmal vor, dass Firmenfremde erst einmal eine männliche Hilfskraft kontaktierten, ehe sie sich an eine der „weiblichen Wesen“ wandten. Das hat sich mittlerweile natürlich geändert – Frauen sind, auch wenn man es ihnen nicht unbedingt leicht macht, wohin man sieht im Vormarsch! Auch bei Simadruck firmiert als dritte Frau Mag. Cathrin Truppe, Tochter von Waltraud Weisi, als Geschäftsführerin des Betriebes, die nach Absolvierung eines Studiums auch den Beruf einer Reprotechnikerin erlernte. „Drei Damen machen Druck“ ist übrigens der Titel eines Artikels über die „Weststeirische Rundschau“ im Fachjournal „Der Journalist“, der vor einiger Zeit erschienen ist.

Womit wir noch einen Blick auf den über 90-jährigen Bestand der Weststeirischen Rundschau werfen wollen. In all den Jahren hat sie sich bewähren müssen. Oftmals aufgrund der vielen Gratiszeitungen – viele von ihnen existieren nicht mehr – „totgesagt“, gelang es schließlich allen Unkenrufen zum Trotz doch über 90 Jahre zu bestehen. Und das in der Form und Art, wie sie die Leser gewöhnt sind und wie man sie mag! Nicht „inseratenlastig“ mit Unmengen an PR-Artikeln, sondern mit jenen Berichten, die das Geschehen selbst im kleinsten Dorf des Bezirkes schildern. Dank vieler, vieler MitarbeiterInnen aus allen „Schichten“ und jeden Alters – pro Nummer oft bis zu 70 verschiedene – wurde und wird die Zeitung so zu einem authentischen Zeitdokument des ganzen Bezirkes. Nicht immer war sie jedoch unparteiisch – ein trauriges Kapitel, das nicht verschwiegen werden soll. Wie 21 große und kleine Zeitungsverlage aus der Steiermark und Kärnten wurde sie während des Zweiten Weltkriegs Sprachrohr des damaligen NS-Regimes, konnte so „überleben“ und hatte nach Kriegsende das Glück, dass das Archiv nicht durch die Engländer verbrannt wurde.

Nach einer öffentlichen Entschuldigung der damals Verantwortlichen nach Kriegsende achtete man ab dann peinlichst genau auf eine unparteiische Berichterstattung. Heiteres Detail am Rande: Nach 1945 musste die „erste Nummer“ jeder Ausgabe einige Jahre hindurch jeweils donnerstags bei der Staatsanwaltschaft in Graz abgegeben werden, wo man vorgab, sie zu studieren und das „Okay“ zu geben. Da damals der Bote mit der Zeitung den Zug benutzte, waren die Zeitungen bereits bei der Post bzw. in den Trafiken erhältlich, ehe das eine Exemplar „begutachtet“ werden konnte. Aber Vorschrift war eben Vorschrift ... Die unparteiische Haltung war durch viele, viele Jahre jedoch nicht einfach. Den einen war sie zu ROT, den anderen zu SCHWARZ, wieder anderen zu liberal – was wiederum damit zusammenhing, dass man nicht veröffentlichen konnte, was nicht als Bericht einlangte. Leider hatten diese Unterstellungen oft auch Auswirkungen auf die Drucksortenvergaben.

Mittlerweile schätzen die Leserinnen und Leser – Ausnahmen gibt es immer wieder – das Bemühen um eine breitgestreute, soweit es geht objektive, unparteiische Berichterstattung. So sehr die Firmenleitung allen MitarbeiterInnen, die teilweise unentgeltlich ihre Freizeit für die Berichterstattung aus ihren Orten opfern, zum äußersten Dank verpflichtet ist, so sehr wird jedoch bedauert, dass man das „höheren Orts“ – was eine Förderung oder Unterstützung (Inserate oder Presseförderung) betrifft – nicht zur Kenntnis nimmt. Mit viel Optimismus blickt man dennoch in die Zukunft und hofft auf einen Fortbestand der Weststeirischen Rundschau noch viele, viele Jahre.

Danke, danke, danke jedenfalls allen LeserInnen, MitarbeiterInnen und InserentInnen für die Treue und Wertschätzung. Sie sind es, die mithelfen, dass auch in Zukunft jeden Freitag die WR auf Ihrem Tisch liegen kann!

Waltraud Weisi und Mag. Cathrin Truppe

Stahl, Kohle, Holz, Glas und Porzellan - Fotografien aus der Sammlung Herbert Blatnik zur Industriegeschichte im Bezirk Deutschlandsberg 

 

 

Herbert Blatnik aus Eibiswald - Korrespondent der Historischen Landeskommission für Steiermark und Autor zahlreicher regionalhistorischer Publikationen – hat diese fotografischen Aufnahmen zu den für die Weststeiermark prägenden Industriezweigen aus seiner umfangreichen Sammlung für die „Landesaufnahme II“ zur Verfügung gestellt.

Gewerbe & Industrie aus der Fotossammlung Fischer 

 

 

Die Fotosammlung von Dr. Gerhard Fischer zur Deutschlandsberger Gewerbe- und Industriegeschichte umfasst mehrere Tausend Objekte. Die Multimedialen Sammlungen freuen sich sehr, gemeinsam mit ihm und dem Verein „Inspire thinking“ (Mag.a Edith Zitz) einen wirtschaftshistorischen Stadtrundgang in Deutschlandsberg im Rahmen des Projekts „Landesaufnahme II – Steirische Wirtschaftsgeschichte in medienhistorischen Artefakten seit 1850“ veranstalten zu dürfen.

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

 

22. April 2019
10. Juni 2019

24. bis 25. Dezember
24. bis 25. Dezember 2019
31. Dezember 2019