Steirische Wirtschaftsgeschichten

in Foto, Film und Ton

Wir präsentieren fotografische und audiovisuelle Dokumente von bestehenden Industrieleitbetrieben, traditionsreichen Gewerbeunternehmen sowie von bereits „verschwundenen“ Wirtschaftsbetrieben und/oder längst „abgekommenen“ Wirtschaftszweigen. 

Bezirk Bruck-Mürzzuschlag

Böhler Edelstahl Kapfenberg - Die Anfänge eines steirischen Global Players

 

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"Denn sie glaubten an sich und an den Steirischen Stahl." (Zitat Otto Böhler)

 

Am 15. April 1870 gründeten die aus Frankfurt am Main stammenden Brüder Albert und Emil Böhler die Gebrüder Böhler& Co Handelsgesellschaft in Wien gründeten. Gerade einmal 25 und 27 Jahre alt, erkannten sie das Potenzial des in der Steiermark erzeugten Stahles, dessen Vermarktung sie sich zum Ziel gesetzt hatten. Ein Vertrag für den exklusiven Vertrieb dieser Produkte sollte der Beginn einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte werden.

Schon nach kurzer Zeit war Böhlerstahl ein Qualitätsbegriff. Um auf die gestiegene Nachfrage besser und flexibler reagieren zu können, erwarben die Brüder neben anderen Produktionsstätten auch bereits 1872 die Bruckbacherhütte, ein Schmiede.- und Walzwerk in Waidhofen. Ab nun war man Produzent. Die Stahlblöcke, also das Vormaterial, bezog man aus Kapfenberg. Die Produktvielfalt wurde stetig erweitert.

Mittlerweile war auch Friedrich Böhler, der wie Otto in England studierte und aufgrund vieler Reisen ausgezeichnete Kontakte in alle Welt hatte, ins Unternehmen eingetreten. Er übernahm die Funktionen von Emil, der 1875 verstarb.

In Kapfenberg sorgte Dr. mont. Fridolin Reiser, ein begnadeter Metallurge und Schüler des berühmten Peter Tunner für  revolutionäre metallurgische Erkenntnisse, die in seinem berühmten Werk über "Das Härten des Stahles in Theorie und Praxis" weltweit für Furore sorgte und in über 30 Sprachen übersetzt wurde. Die Kunden waren begeistert und erkannten rasch diese Wettbewerbsvorteile. Die Nachfrage explodierte förmlich und aus der anfänglichen österreichisch-ungarischen Vertriebstätigkeit folgten Niederlassungen in Deutschland, Frankreich und Russland. Sogar in England, ausgerechnet in Sheffield, vor den Toren der berühmten Sheffield Stahlwerke, die damals dominierend die k.u.k Monarchie belieferten, wurde eine Niederlassung errichtet.

Böhler gelang es, den englischen Stahlgiganten immer mehr zu verdrängen und durch gewieftes Marketing und kompromisslose Qualität deren Kunden für sich zu gewinnen.

"Die Arbeit eines knappen Jahrzehntes hat genügt, um den englischen Stahl aus dem Felde zu schlagen", soll Otto Böhler, ein Bruder Emils, Alberts und Friedrichs später gesagt haben.

Es folgten Niederlassungen in Brüssel, Odessa, Baku und Riga und mit Gründung von Böhler Boston wurde 1889 der legendäre Stahl auch über den Atlantik verschifft. Der Besuch eines hohen japanischen Offiziers, er entwickelte das Repetiergewehr, sollte der Beginn der Geschäftsverbindung mit Japan sein. Später folgten Vertretungen in Tokio und Kokura sowie Shanghai. Böhler war Global Player, eine Position, die keine andere österreichische Marke nur annähernd erreichte. Ein Beweis für die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem ist die Tatsache, dass Albert Böhler das erste Telefonat überhaupt von Wien nach Tokio führte.

1894 erwarben die Gebrüder Böhler schließlich um 800.000 Gulden von der Österreichischen Montangesellschaft die Gussstahlhütte in Kapfenberg, dessen Vertrieb sie schon 24 Jahre exklusiv innehatten.

Der Werkzeugstahl erfreute sich höchster Beliebtheit und das Unternehmen wuchs in Kapfenberg von 400 Beschäftigten im Jahre 1894 auf ca. 7.000 im Jahre 1914. Weltweit zählte man sogar schon 14.000 Mitarbeiter.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verlagerte die Produktion hin von zivilen zu Kriegsprodukten.

Am 3. Dezember 1914 starb Friedrich Böhler, sein Bruder Otto am 5. April ein Jahr davor. Es sollte ihnen erspart bleiben, ihr Unternehmen als ausschließlichen Kriegswaffenproduzenten miterleben zu müssen.

* Zitiert nach 120 Jahre Böhler Kapfenberg, Kurt Weidhofer, 2016  

After Work in der Stahlstadt - Kapfenberger Stadt-Kino

 

 

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Bereits um die Jahrhundertwende wurde am Lindenplatz in Kapfenberg neben dem „Hammerl-Gasthaus“ ein Kaiserpanorama errichtet. 1910 baute Franz Hammerl an das bestehende Gasthaus einen großen Trakt mit einem Theater- und Ballsaal an. Ein Jahr darauf eröffnete Franz Hammerl in diesem Theatersaal zudem ein Kinematographentheater, in welchem Stummfilme mit Orchesterbegleitung vorgeführt wurden. 1930 wurde schließlich das Lichtspieltheater als Tonkino eröffnet. Anfänglich wurden Filme nur am Wochenende vorgeführt, ab Mitte der Dreißigerjahre gab es bereits täglich Vorstellungen. 1932 ging das Stadtkino in den Besitz von Rudolf Folk über, dessen Familie das Kino – in der dritten Generation – bis 2013 besaß. Danach übernahm die „Diesel Kino“ Gruppe das Unternehmen.

 

In den ersten Nachkriegsjahren wurde der Betrieb mit einem eigenen Stromaggregat aufrechterhalten. Durch die Entwicklung des Breitwandfilmes und der „Cinemascope-Projektion“ war es 1956 notwendig geworden, die Bildfläche von bisher vier Metern Breite auf elf Meter zu vergrößern. Mitte der Sechzigerjahre begann sich, bedingt durch das Fernsehen, ein Publikumsrückgang bemerkbar zu machen. 1984 wurde der große 650 Personen fassende Kinosaal in zwei Säle geteilt.

 

In Kapfenberg erfreute sich das Publikum noch an drei weiteren Kinos: Die Rio-Lichtspiele (1955 – 1985), die Nord-Lichtspiele am Schirmitzbühel (1958 – 1972) und das Volkskino im Werkshotel Böhlerstern (1918 – 1928 und 1947/48).

ECE - Einkaufszentrum am Europaplatz in Kapfenberg

 

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Hinsichtlich der baugeschichtlichen Entwicklung rund um den heutigen Europaplatz ist eine um 1910 aufgelegte Postkarte mit Blick in die Bahnhofstraße (die eigentliche Wiener Straße in Kapfenberg) von Interesse. Auf der linken Seite sieht man nämlich das ehemalige „Graf-Haus“, welches zwischen 1962 und 1965 dem Neubau „Kaufhof Poms“ weichen musste. Dieses Geschäftshaus erfuhr 1967 noch eine beträchtliche Erweiterung und sollte schließlich 1999 teilweise ins Einkaufszentrum eingegliedert werden.

 

Das heutige Einkaufszentrums am Europaplatz (ECE) wurde am 19. November 1992 eröffnet. Die Kleine Zeitung vom 17.11.1992 berichtete hierzu, dass dieses 200 Millionen Schilling umfassende Bauvorhaben in nur 16 Monaten realisiert werden konnte und dabei 80 heimische Unternehmen beteiligt waren. Mehr als 30 Betriebe – darunter auch alteingesessene Kapfenberger Firmen -  haben hier einen neuen Standort gefunden. Die letzte Baulücke am Europaplatz war somit geschlossen.

2005 schuf ein weiterer Zu- und Umbau rund 4.000 m² Nutzfläche. Somit hat das EZE eine Gesamtfläche von 18.000 m² erreicht und ist nun das drittgrößte Einkaufscenter Österreichs außerhalb einer Landeshauptstadt. Täglich besuchen rund 10.000 Kunden das ECE und zählt mit knapp 500 Arbeitsplätzen zu den größten Arbeitgebern der Region.

voestalpine Tubulars GmbH & Co KG

 

 

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Mit freundlicher Unterstützung der voestalpine Tubulars GmbH & Co KG in Kindberg-Aumühl dürfen wir aus der Firmenchronik Kindberg-Aumühl – Industriegeschichte bis zur voestalpine Tubulars, Alexander Schein, Kindberg 2015, folgende Fotomeile präsentieren. Sämtliche Bilduntertitel sind dieser Publikation entnommen.

Bezirk Hartberg-Fürstenfeld

Kapo 

 

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KAPO sind die Initialen des Firmengründers Karl Polzhofer I. 1927 gründet er eine kleine Tischlerei im oststeirischen Naturpark Pöllauer Tal. Vier Generationen legten Hand an, um aus der Tischlerei ein international tätiges Unternehmen mit 250 Mitarbeitern zu formen. KAPO und die Neue Wiener Werkstätte werden 2005 als “Bestes Familienunternehmen” der Steiermark ausgezechnet. 2017 feiert das Familienunternehmen sein 90 jähriges Bestehen.

Tabakfabrik Fürstenfeld

 

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Die Geschichte der Stadt Fürstenfeld ist seit mehr als 300 Jahren eng mit Tabak und Rauchkultur verbunden. 1691 begann Christoph Liscutin in Ungarn und in den Ländereien um Fürstenfeld mit dem Tabakanbau. Zwei Jahre später gründete er in der Pfeilburg die erste Tabakfabrik Österreichs – eine der ältesten weltweit. Dem Thema Tabakwarenerzeugung und Genusskultur widmet sich auch das Tabakmuseum in der Fürstenfelder Pfeilburg. 

Die Tabakfabrik war bis in die 1950er-Jahre der wichtigste Arbeitgeber der Stadt. Durch Wohnungsbau, Beteiligung an Schulbauten und Errichtung eines Kindergartens war sie auch über die Tabakproduktion hinaus ein prägender Faktor. Um 1903 zählte man 2300 Beschäftigte. Die Wirtschaftskrise in der Zwischenkriegszeit, die Umstellung der Zigarrenproduktion auf maschinelle Fertigung und der Rückgang des Zigarrenkonsums bedingten eine laufende Reduktion des Beschäftigtenstandes. 1901 erzeugten 2200 Beschäftigte 65 Mio. Zigarren, 1960 waren für 63 Mio. Zigarren nur mehr 560 Arbeiter erforderlich. 1995 produzierten 83 Beschäftigte 27 Mio. Zigarren.

Ab 1972 erzeugte die „Altesse Zigarettenhüllenerzeugung und Papierverarbeitung Ges.m.b.H.“ auf dem Areal der Tabakfabrik Zigarettenhüllen (1995: 73 Beschäftigte – 1,5 Mrd. Zigarettenhüllen). Die gesamte Betriebsfläche betrug rund 60.000 m² – aufgeteilt je zur Hälfte auf die Fläche rund um das Hauptgebäude sowie auf jene des sogenannten „Ungar-Geländes“. Die beiden Flächen sind durch eine 66 m lange, 1884 errichtete Eisenbrücke verbunden.


Ende 2005 wurde die Tabakfabrik geschlossen. Zigarettenhülsen werden in Fürstenfeld weiterhin von der Firma Altesse an einem Standort im Fürstenfelder Gewerbegebiet produziert.

 

Das Museum Pfeilburg Fürstenfeld hat uns freundlicherweise für die „Landesaufnahme“ folgende Bilddokumente zur Verfügung gestellt:    

Tabakanbau Fürstenfeld

 

 

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Das Gebiet um Fürstenfeld ist für den Tabakanbau klimatisch besonders geeignet, aufgrund der pannonischen Einflüsse ist es beständig warm, zudem herrscht eine gute Bodenfeuchtigkeit. Mit riesigen Nähmaschinen – früher Handarbeit – werden die frisch geernteten Tabakblätter zu Bündeln zusammengenäht. Die sog. „Hänge“ werden in den Scheunen hochgezogen, in zwei Monaten ist das grüne Blatt zum braunen Rohmaterial „eingetrocknet“.

 

Die Mechanisierung – auch das Anpflanzen erfolgt maschinell – machte den Tabakanbau in dieser Region zum einträglichen Geschäft. Um 1970 waren im ehemaligen Bezirk Fürstenfeld rund 40 Hektar mit Tabak bepflanzt. Die Tabakbauern standen unter „Lizenz“ der Tabakregie, die begehrten steirischen Tabakblätter wurden zur Fabrik nach Fürstenfeld gebracht, wo vorwiegend Frauen zum „Sortieren“ der Ernte beschäftigt waren.

 

(Quelle: Karl Panhuber, In den Scheunen von Fürstenfeld riecht es jetzt schon nach Tabak, Karl Panuber, in: SO-Tagespost vom 28.08.1971, Seite 3)

 

Anton Puchas, Ehem. Hutmacher in Hartberg

 

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Am Hartberger Hauptplatz, Hausnummer 4, wurden von 1736 bis 2010 ununterbrochen Hüte und Filzwaren gefertigt. Die Reihe der hier ansässigen Hutmachermeister reicht dabei von Franz Eller über Georg Portner, Stephan Achleitner, Anton Willersdorfer, Georg Achleitner, Franz Setina und Anton Puchas sen. bis hin zu dessen Sohn Anton Puchas. Ein anderer bekannter steirischer Hutmacher, Josef Pichler (1824–1864), gründete ebenfalls in Hartberg sein erstes Hutmachergeschäft, ehe er 1857 mit seinem Betrieb nach Graz übersiedelte und 1848 am Grieskai die Hutfabrik Josef Pichler & Söhne errichtete.

 

Anton Puchas sen. hat von 1905 bis 1908 sein Handwerk bei Hutmachermeister Franz Setina erlernt und den Betrieb nach dessen Tod für die Witwe Setina als Geschäftsführer geleitet. 1923 hat er den Betrieb schließlich selbst übernommen und bis zu seinem Tod 1955 weitergeführt. Sein Sohn Anton Puchas jun., einer der letzten Hutmacher in der Steiermark, schloss sein Geschäft am 31. März 2010.

 

Seine Enkelin Claudia Kump weiß zu erzählen, dass auch ihre Großmutter Maria Puchas sowie ihre Mutter Dorothea bei der Erzeugung der Hüte mitgeholfen haben. Es gab auch einen Gesellen, Alois Schachner, der beim Großvater gelernt, dann einige Jahre in Wien bei Hutmachern gearbeitet hat, schließlich aber in den Betrieb ihres Vaters nach Hartberg zurückgekehrt ist.

 

Die fotografischen Aufnahmen stammen allesamt aus dem Privatbesitz des Anton Puchas, Hutmacher in Hartberg. Mit Ausnahme der Fotos 1 bis 3 wurden sie von Familienmitgliedern aufgenommen.

 

Bezirk Leibnitz

Erdölbohrversuche in Perbersdorf

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Landesaufnahme II
Erdölbohrversuche in Perbersdorf, Anfang der 1950ern

Ehem. Fassbinderei Ploder in Priebing

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Landesaufnahme II
Ehem. Fassbinderei Ploder in Priebing

"Tortenkaiser" in St. Veit am Vogau

„Coworking space“ um 1935

 

 

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Im sogenannten „Schwarzhaus“ in St. Veit am Vogau befanden sich um 1935 – siehe Foto von links nach rechts - die Schneiderei einer Frau Tischler - in einem Hinterzimmer führte Mitzi Hacker zudem eine kleine Strickerei -, die Werkstatt des Schuhmachers Anton Stradner sowie eine Filiale der Eisenhandlung Pucher, Archiv MG St. Veit in der Südsteiermark.

GADY Family

 

 

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Landesaufnahme II
Gadymarkt Lebring

 

Franz Gady sen. gründete 1936 auf seinem Bauernhof in Bachsdorf bei Lebring einen Fahrrad- und Landmaschinenhandel. Zum Leidwesen seiner Gattin musste er zunächst aus Platzmangel sämtliche Werkzeuge und Ersatzteile in den Wohnräumen der Familie lagern.Sein Puch-Motorrad nutzte er als „Dienstfahrzeug“, um auf den Höfen und Feldern der Bauern rasch Reparaturarbeiten an ihren Traktoren und Maschinen vornehmen zu können. Die Firma Gady verfügte später als einer der ersten Landtechnikbetriebe über einen Servicebus. Heute wird in der Erntezeit ein Tag- und Nachtservicedienst angeboten.

 

Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm Franz Gady jun. (1937- 2015), ein gelernter Schlosser, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Gerhard den väterlichen Betrieb. 1957/58 eröffnete Franz Gady jun. in Lebring die erste Werkstätte mit Ersatzteillager und Tankstelle. Er forcierte zudem den Automobilhandel – 1960 wurde die Vertretung der Marke BMW übernommen - und baute die Franz Gady GmbH  zu einem Musterbetrieb der steirischen Wirtschaft aus. Ein Quantensprung für den Familienbetrieb war schließlich die Expansion von Lebring nach Graz. Franz Gady jun. war zudem von 1976 bis 1983 Präsident des SK Sturm Graz und fungierte von 1990 bis 1996 als Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark.


Legendär ist der seit 1966 veranstaltete Gady Markt in Lebring. Dabei wurde die Idee der alten „Viehmärkte“ aufgegriffen. „Früher wechselte halt auf diesen Märkten mit Volksfestcharakter das Vieh den Besitzer, wieso sollte das nicht auch bei Traktoren und Mähdreschern funktionieren“, erzählt Ingrid Gady. An einem Marktwochenende besuchen zwischen 25.000 und 30.000 Menschen den zweimal jährlich (Frühjahr und Herbst) abgehaltenen Gady Markt. Am 9. und 10. September 2017 findet er bereits zum 103. Mal statt.


Die Firma Gady verfügt über ein überaus umfangreiches Fotoarchiv zur Unternehmensgeschichte, insbesondere natürlich zu den Gady Märkten. Laut Ingrid Gady hat ihr Mann Franz Gady jun. – obwohl natürlich stets Berufs- und Pressefotografen engagiert waren - einen Großteil davon selbst fotografiert.

Bestattung Kada

 

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1876 gründet Matthias Kada I. eine Bau- und Möbeltischlerei in Leibnitz. Als Tischlermeister fertigte er – wie damals üblich -  auch Holzsärge an. Später erweiterte er sein Angebot mit Metallsärgen aus Böhmen. Das Bestattungsgewerbe war damals noch sehr jung, die nächst gelegenen Bestattungsunternehmen befanden sich damals in Graz und Marburg. 1902 sucht Matthias Kada I. schließlich um eine Konzession für das Bestattungsgewerbe an. Ein Jahr darauf können er und seine Ehefrau Margaretha das erste Bestattungsunternehmen in Leibnitz eröffnen.

 

1910 bietet die Firma Kada erstmals die Feuerbestattung an. Im Bundesgebiet des heutigen Österreich gab es damals noch keine Feuerhallen, die Einäscherungen mussten in Gotha, Jena oder Zittau durchgeführt werden. Im selben Jahr wird ein Vertrag mit der „Städtischen Kaiser Franz Josefs-Jubiläums Lebens und Renten Versicherungsanstalt“ über „Begräbnis-Versicherungen“ abgeschlossen. Fortan konnten auch in Leibnitz „Bestattungs-Vorsorgeversicherungen abgeschlossen werden. Nach dem Tod von Matthias Kada I. übernimmt sein Sohn Matthias Kada II. den Betrieb. Während des zweiten Weltkrieges führte er den Betrieb mit seiner Tochter Gisela, da sein Sohn Odo einrücken musste und erst 1948 aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehren sollte. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage nach Kriegsende erhält die Firma von den Briten ein ehemaliges Wehrmachtsfahrzeug zugeteilt, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

1956 übernimmt Odo Kada den Betrieb seines Vaters und erwirbt die Konzession für die Ausübung des Bestattungsgewerbes auch in Lebring/St. Margarethen, Wildon und St. Georgen an der Stiefing. 1982 übergibt er den Betrieb an Sohn Rudolf Kada. Als Bestattung mit eigener Tischlerei stellt die Firma Kada nach wie vor einen großen Teil der Särge selbst her.

Anlässlich des 100jährigen Firmenjubiläums 2003 veranstaltete die Firma Kada in Zusammenarbeit mit „Kultur in Leibnitz“ eine vielbeachtete Sonderausstellung in der Galerie Marenzi über die Geschichte der Bestattung in Leibnitz. Diese Ausstellung wurde von Thomas Kada kuratiert, der uns auch die fotografischen Aufnahmen aus seiner speziellen und reichhaltigen Sammlung zur Verfügung gestellt hat. Wer mehr über die Geschichte des Bestattungsgewerbes in Österreich oder zur soziokulturellen Diskussion über die Feuerbestattung um 1900 erfahren möchte, sollte unbedingt einen Blick auf www.bestattungkada.at werfen.

Bezirk Liezen

Auf der Salza – Von der Trift und Flößerei zum Wildwassersport

 

 

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Die Salza ist ein Paradies für Wildwassersportler/innen, bietet sie doch ideale naturräumliche Voraussetzungen. In Wildalpen ist mittlerweile ab Mai das ganze Leben auf die Paddler, Kanuten und Rafter abgestimmt.  Der Bootstourismus auf der wildromantischen türkisfarbenen Salza ist heute eine wichtige Einnahmequelle für die rund 470 Einwohner/innen zählende Gemeinde.

 

Der Museumsverein Wildalpen hat uns dazu freundlicherweise die fotografischen Aufnahmen zur Verfügung gestellt.

 

„Der Wildwassersport steht ein wenig in der Tradition der Trift und Flößerei, die in früherer Zeit auf der Salza einen besonderen Stellenwert einnahmen. Ursprünglich hatte man das Eisen des Erzberges mit Holzkohle verhüttet. Der enorme Bedarf an Brennstoff beschäftigte im weiten Umkreis viele Holzfäller und Köhler. Das Holz triftete man unter anderem auf der Salza seinem Bestimmungsort entgegen. Im 19. Jahrhundert, als die Eisenverarbeitung modernisiert und Stein- anstelle von Holzkohle verwendet wurde, band man das Holz aus den Wäldern zu Flößen zusammen, damit es weniger Schaden nahm und als Nutzholz verwendet werden konnte. So ließ man es zur Enns und zur Donau schwimmen.“ (Christian Stadlmann, Werner Grand, Rund um den Hochschwab  – Die Reihe Archivbilder, Erfurt 2010)


Doch noch bevor in den Sommermonaten Rafting – „das gesellige Abenteuer im Gummifloß“ – die Menschen ins Salzatal strömen ließ, suchte in dieser Region das städtische Publikum gerne Erholung. Um 1900 warb etwa Hanns Zisler’s Gasthof zum Steirischen Alpenjäger auf einer Postkarte u. a. mit einem Badehaus und mit „herrlich gelegener, staubfreier Hochgebirgs-Sommerfrische“.

Steirisches Wasser für Wien – Bau der Zweiten Hochquellenwasserleitung

 

 

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Um die Jahrhundertwende vermochte die Erste Wiener Hochquellenleitung den Wasserbedarf der Reichs- und Residenzstadt Wien aufgrund des rasanten Bevölkerungszuwachses nicht mehr zu decken. Diese wurde nach vierjähriger Bauzeit bereits am 24. Oktober 1873 eröffnet. Dabei wird  Hochquellwasser aus dem Rax- und Schneeberggebiet im südlichen Niederösterreich und in der Steiermark in einer 95 km langen Leitung nach Wien verbracht.

 

Es galt daher, neue Wasserreserven zu erschließen. Im Jahr 1900 beschloss der Wiener Gemeinderat auf Initiative von Bürgermeister Dr. Karl Lueger, eine zweite Hochquellenleitung zu errichten. Der städtische Ingenieur Oberbaurat Dipl.-Ing. Dr. Karl Kinzer „entdeckte“ die dafür notwendigen Quellen und deren Wasserreichtum im steirischen Hochschwabgebiet (Salzatal). 100 Aquädukte und 19 Düker (Siphon aus Gussrohrleitungen) mit Längen von bis zu 2,5 Kilometern mussten zur Über- bzw. Unterquerung von Flüssen und Tälern errichtet werden. Die Errichtung der 200 Kilometer langen Leitungsverbindung erforderte großen technischen Aufwand, denn für nahezu 100 Kilometer der Trasse mussten Stollen geschlagen werden. Die Leitung wurde über die gesamte Länge fallend angelegt, sodass das kostbare Nass über einen Höhenunterschied von 361 Metern nach Wien fließt, ohne dass Pumpanlagen benötigt werden. Der Wasserdruck erreicht in den verwendeten Gussrohren fast 9 Bar. Bei den Winkel- und Knickpunkten mussten daher mächtige Betonwiderlager zur Aufnahme der Schubkräfte eingebaut werden.  Ablassschleusen im Bereich größerer Flüsse ermöglichen das Entleeren der Leitung für Kontroll-, Wartungs- und Reinigungsarbeiten. Während des Wasserleitungsbaues waren bis zu 10.000 Arbeiter im Einsatz. 


Am 2. Dezember 1910 konnte die Zweite Wiener Hochquellenleitung (ursprünglich: II. Kaiser-Franz-Josef-Hochquellenleitung) in Betrieb genommen werden. Bei einem Festakt im Wiener Rathaus schaltete Kaiser Franz Josef I. symbolisch eine „Wasserkunstanlage“ ein und genoss den ersten Schluck des frischen und köstlichen Quellwassers aus einem Kristallkelch.


Wildalpen wurde durch die Zweite Hochquellenwasserleitung Sitz der Betriebsleitung der Wasserwerke und der Forstverwaltung der Stadt Wien. Seit der Jahrhundertwende besteht so ein enges Verhältnis der Gemeinde Wildalpen zur Stadt Wien, die vielen Bewohnern von Wildalpen zum Arbeitgeber geworden ist. Es ist also wenig verwunderlich, wenn im Salzatal plötzlich ein Traktor mit Wiener Kennzeichen von einem Forstweg in die Landesstraße einbiegt.


Seit 1910 fließen täglich ca. 217.000 m³ Trinkwasser aus dem Hochschwabmassiv in die Bundeshauptstadt Wien.


Wir bedanken uns herzlichst bei der Stadt Wien – MA 31 – Wiener Wasser, die uns beeindruckende fotografische Dokumente zum Bau der Zweiten Wiener Hochquellenleitung für das Projekt „Landesaufnahme“ zur Verfügung gestellt hat. Die Fotografien stammen allesamt aus dem Konvolut „Firma F. Marinelli & L. Faccanoni“, 1900 bis 1910. 

Bezirk Murau

Landesberufsschule Murau

 

 

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Diese Fotografien wurden von den Berufsschülern in den frühen 1960er Jahren aufgenommen und in der schuleigenen Dunkelkammer auch von ihnen selbst ausgearbeitet. „Viele Maurerlehrlinge kamen damals in der Landesberufsschule Murau erstmals mit dem Medium Fotografie aktiv in Kontakt“, erzählt ein ehemaliger Schüler.

Bezirk Murtal

Paulus, Grünhübl, Farrach - vergessene Brauereien im Bezirk Murtal

 

 

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Bei der medienhistorischen Spurensuche nach längst nicht mehr bestehenden Brauereibetrieben im Raum Judenburg wurden die Multimedialen Sammlungen vom Museumsvereins Judenburg sowie von den Regionalhistorikern Ingomar Gröbl (Zeltweg) und Philipp Stellnberger (Judenburg) unterstützt. Im Blogbeitrag „Landesaufnahme(n): Vergessene Brauereien im Bezirk Murtal“ können Sie mehr zu dieser „bierigen“ regionalen Wirtschaftsgeschichte erfahren. Die Industrialisierung der Biererzeugung im 19. Jahrhundert, Fusionen von Brauereien im Kampf um Marktanteile bis hin zum Bierboykott im Jahre 1908 werden darin beleuchtet.

Bezirk Südoststeiermark

Peterquelle

 

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Im seit 1959 bestehenden Unternehmen Peterquelle in Deutsch Goritz im südoststeirischen Vulkanland setzte in den 1970er Jahren die Vollautomatisierung der Mineralwasserabfüllung ein. Mehrere namhafte steirische Fotografen haben im Auftrag des Unternehmens die Entwicklung von Arbeitsprozessen festgehalten. 

 

Warum die Peterquelle Peterquelle heißt, wie sich Arbeitsabläufe in den letzten Jahrzehnten verändert haben und welchen Stellenwert „Sport-Sponsoring“ für das Unternehmen hat, erzählt Geschäftsführer Gerald Doleschel demnächst in einem Video von Max Wegscheidler.

Röcksee

 

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Nach dem Ende des 2. Weltkrieges beginnt die Familie Röck in Misselsdorf bei Mureck mit dem Handel von Obst und landwirtschaftlichen Produkten. Noch 1945 wird das an der Mur gelegene Unternehmen um einen Sand- und Schotterbetrieb erweitert, ein Jahr darauf kommt ein Transportunternehmen dazu. Seit 1966 betreibt die Familie Röck auch einen Buffet- und Restaurantbetrieb. In der Folge entstanden zudem an jenem durch Tiefenbaggerung entstandenen künstlich angelegten See (17 ha Wasserfläche) auch ein Campingplatz sowie ein Gästehaus.

ehem. Gemischtwarenhandlung Kreisler

 

 

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Von 1954 bis 1984 war die A&O Gemischtwarenhandlung des Felix Kreisler (1919 - 2017) „der“ Nahversorger im Zentrum der Grenzstadt Mureck. Heute befindet sich Zentrum kein klassisches Lebensmittelgeschäft mehr, die bekannten Supermarktketten haben sich – wie meist überall – an der Peripherie angesiedelt.
 

Nach seiner Pensionierung engagierte er sich in der Gemeindepolitik und arbeitete im Redaktionsteam der „Murecker Kontakte“ mit. Mit großer Leidenschaft widmete er sich dabei vor allem der Geschichte der Stadt Mureck. Als „Ortschronist“ veröffentlichte er 2002 sein Buch „Damals in Mureck“, bis zu seinem Lebensende arbeitete er an seiner umfangreichen Text- und Fotosammlung. Ein Nahversorger regionaler Geschichte!

Hackerglas und Tischlerei Hacker in Straden

 

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Dank der freundlichen Unterstützung von Dr. Christa Schillinger, Historikerin und Amtsleiterin der Marktgemeinde Straden dürfen wir diese beiden „Handwerks-Firmengeschichten“ aus dem steirischen Vulkanland präsentieren:

 

Seit drei Generationen in Damenhand - Hackerglas in Straden

 

Der aus Hof bei Straden stammende Heinrich Hacker wurde als gelernter Tischler 1883 in Straden 27 ansässig. Von seinen beiden Söhnen erlernte der ältere namens Rudolf jedoch den Beruf des Glasers in der Glaserei Neuhold in Laasen bei Tieschen und verblieb dort noch einige Jahre als Geselle. 1929 meldete er schließlich am heutigen Standort in Straden selbst das Glasergewerbe an.

 

Der jüngere Sohn Franz wurde wie sein Vater Tischler und übersiedelte mit seiner Frau Johanna nach Krusdorf 35, wo er die Tischlertradition seines Vaters fortsetzte.

 

Rudolf Hacker heiratete 1933 Maria Hufnagl. Der Ehe entstammten zwei Töchter. Da Rudolf Hacker nicht mehr aus dem Krieg zurückkehrte, musste Maria Hacker den Glaserbetrieb mit Hilfe von Gesellen im Witwenbetrieb weiterführen. Beide Töchter absolvierten nach einander eine Glaserlehre im elterlichen Betrieb. Tochter Gertrude übernahm ein Jahr nach der Meisterprüfung 1967 den Witwenbetrieb von der Mutter und führte das Unternehmen bis 1997. Wurde das Glas anfangs zu Fuß oder mit dem Fahrrad in der „Buckelkraxe“ transportiert, wurde ein Motorrad und schließlich 1963 das erste Auto angeschafft. Mit einfachstem Werkzeug und Fensterkitt wurden vor allem Fenster verglast.

 

1996 legte ihre Tochter Heidi die Meisterprüfung ab. Als jüngste Glasermeisterin Österreichs übernahm sie 1997 den Betrieb und stattete den Betrieb mit modernen Maschinen aus. Spezielle Verglasungen im Baubereich, Sandstrahlungen, aber auch Tiffany-Verglasung, Spiegel und Bilderrahmen sowie verschiedene Geschenksartikel aus Glas gehören seither zur Angebotspalette.

 

Die Fa. Hackerglas ist der einzige Handwerksbetrieb in Straden, der seit drei Generationen von Frauen geführt wird. Das Unternehmen feiert in Kürze sein 90jähriges Bestandsjubiläum.

 

 

Tischlerei Hacker in Krusdorf

 

Die 1937 gegründete Tischlerei Hacker in Krusdorf wurde 1954 von Franz Hacker an seinen Neffen Anton Saurugg übergeben, der den Familiennamen Hacker annahm. 1956 wurde von Anton und Cäcilia Hacker neben dem bisherigen Standort Krusdorf 35 eine neue Werkstätte samt Wohnhaus Krusdorf 54 errichtet. Langsam wuchs der Betrieb zur heutigen Größe. Seit 1992 führt Sohn Anton Hacker den Betrieb. Heuer kann bereits das 80jährige Firmenjubiläum gefeiert werden. 

 

 

Bezirk Weiz

ADA Möbelfabrik GmbH 

 

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Karl Derler gründete um 1900 eine kleine Seilerei in Anger, welche Sohn Alois Derler im Jahre 1930 übernahm. Dieser stieg um 1950 mit zwei Mitarbeitern auf eine Matratzenproduktion um. Aus diesen bescheidenen Anfängen entstand schließlich die erste steirische Matratzenfabrik.

Als im Jahre 1970 der Gründer der Firma ADA (Die Firmenbezeichnung leitet sich von „Alois Derler, Anger“ ab) verstarb, beschäftigte das Unternehmen bereits 300 Arbeiter und Angestellte und erzeugte Polstermöbel und Matratzen. Sohn Oskar Derler übernahm das Unternehmen und machte es zum größten Möbelhersteller Österreichs.

Unternehmen mit Standorten in mehreren Bezirken

Imerys Talc Austria GmbH

Sonstiges

Landwirtschafts- und Industrieausstellung 1870 in Graz

 

 

 

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Die Landwirtschafts- und Industrieausstellung am Gelände des Landwirtschaftlichen Versuchshofes in der Annenstraße im Jahre 1870 steht – sieht man von noch älteren Vorformen ab – am Beginn der Grazer Messetradition. Die Halle links im Bild wurde ausschließlich für die Zeit der Ausstellung errichtet. Heute stehen hier Gebäude der Firma Leiner. (aus: Karl Albrecht Kubinzky, Die Reihe Archivbilder – Graz, Erfurt: Sutton 2000)

 

Im Katalog zu dieser am 15. September 1870 eröffneten Leistungsschau mit Erzeugnissen der Land- und Forstwirtschaft, des Bergbaues, des Hüttenwesens, der Industrie sowie der Kunst sind zwar mehrheitlich steirische Unternehmen angeführt, jedoch fanden sich damals auch namhafte Aussteller aus allen Teilen der Donaumonarchie und darüber hinaus ein.

 

Die Produktpalette umfasste unter anderem: „Motoren, Dampfkessel, Pumpen, Feuerspritzen, Apparate aller Art, Instrumente, Werkzeuge, Nähmaschinen, Haushaltung-Gegenstände, Uhren, feuerfeste Kassen, Waffen, Metallgusswaren, Radler-Arbeiten, Blech- und Spenglerwaren, Zemente, Ziegel, Steingut und Porzellan, Glaswaren, Säuren und Salze, Farben, Lacke und Tinte, Seifen und Parfümerien, Zündwaren, Fette und ätherische Öle, pharmazeutische Präparate, Hanf und Seidenwaren, Leinengarn und Leinengewebe, Seidenstoffe, Paramente, Sonn- und Regenschirme, Kleider und Hüte, Lederwaren, Schuhe, Sattler- und Riemerwaren, Pelze und Bürsten, Galanteriewaren, Korb- und Korkwaren, Drechslerarbeiten, Spielwaren“

 

Exemplarisch werden einige Inserate von Betrieben aus diesem vom „Ausstellungs-Comité“ herausgegebenen Originalkatalog gezeigt.

Spezereien, Kolonial- und Manufakturwarenhandlungen

 

 

 

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Lebens- und Genussmittel aus überseeischen Gebieten, wie etwa Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und Tee wurden insbesondere zur Kolonialzeit und auch darüber hinaus als Kolonialwaren bezeichnet. Der Begriff „Kolonialwarenhandlung“ findet sich vereinzelt auch in der Steiermark bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, wenngleich die Produktpalette so bezeichneter Kaufmannsläden längst nicht nur auf „exotische“ Waren beschränkt war, sondern vielmehr alle Grundnahrungsmittel -  unabhängig vom Herkunftsland - sowie Seifen, Waschmittel, Petroleum und andere Haushaltsgegenstände umfasste. Allmählich setzte sich in Österreich für derartige Geschäfte die Bezeichnung Greißlerei durch, in Deutschland „Tante-Emma-Laden“.

 

Mancherorts findet man auf Geschäftsportalen um 1900 auch den Schriftzug „Spezerei“. Dabei handelte es sich ebenfalls meist um Lebensmittel- oder Gemischtwarenläden. Ursprünglich waren seit dem 14. Jahrhundert hierbei Gewürzwaren (vgl. lat. speciaria bzw. engl. spice) gemeint. Später wurde der Begriff gelegentlich auch allgemein für Delikatessenläden verwendet.

 

Zwei Innenaufnahmen der „Spezerei und Kolonialwarenhandlung Weber“ in der Leonhardstraße in Graz um 1925 geben Einblick in das Warensortiment: Wein, Bier, Spirituosen, Kaffee und Kaffeezusätze, Candiszucker (weiß und gelb), Grafit (Bleistiftminen), Reisstärke, Oblaten, Ingwer, Kleiderfarben und vieles mehr.

 

Der Kolonialwarenhandel wurde statistisch vom Produktenhandel und vom Manufakturwarenhandel unterschieden. Während sich der Produktenhandel, oft auch Landesproduktenhandel sich mit Erzeugnissen des eigenen Landes, insbesondere Agrarprodukte, befasste, wurden in Manufakturwarenhandlungen vor allem Textilwaren - nachMaßgabedesKäufersalsMeterwaregeschnitten –und andere mit der Hand hergestellte Erzeugnisse angeboten.

Fortsetzung folgt!

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