OBJEKTSALON #7

Der mikroskopische Blick: Die Wachsbüsten des Caspar Bernhard Hardy

01.03.2016 18:30



Treffpunkt: Museum im Palais, Erdgeschoß

Kosten: Eintritt frei!

 

Um unserem Publikum Vielfalt und Qualität der Bestände der Kulturhistorischen Sammlung näher zu bringen, werden in unserem neuen Format „Objektsalon“ ausgewählte Sammlungsstücke von Sammlungskurator Ulrich Becker vorgestellt. 

 

 

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erlangte der Kölner Bildhauer Caspar Bernhard Hardy (1726–1819) mit seinen farbigen Wachsbüsten Berühmtheit. Seine Stellung als Geistlicher sicherte ihm in der Domstadt, die in dieser Zeit bereits im Niedergang begriffen war, relative Unabhängigkeit, sodass er dieser privaten Neigung nachgehen konnte. Hier brachte er es zu besonderer Meisterschaft, wie die Charakterisierung der Typen und die präzise Erfassung der Details beweisen. Für diesen scharf beobachtenden, mikroskopischen Blick hegte die späte Aufklärung mit ihrem hochentwickelten Sinn für ungeschönte Empirie eine ausgeprägte Vorliebe. Die kleinformatigen Motive sind der Alltagswelt einfacher Schichten entnommenen und gehen vielfach auf französische Vorbilder zurück. Damit trafen sie den auf Erziehung durch Erbauung zielenden Geschmack der Zeit. Bezeichnenderweise besaß Hardy auch naturwissenschaftliche Interessen, was sich in der Beschäftigung mit Mikroskopen zeigte. Heutzutage wird das Wort „sentimental“ zumeist kritisch bis abwertend gebraucht. Die Aufklärung hingegen erblickte im Appell an die Emotion ein ideales Instrument, um das bürgerliche Publikum zur Tugend zu erziehen. Schon für den Humanismus der frühen Neuzeit galt, dass ein Kunstwerk nicht nur erfreuen und belehren, sondern auch anrühren müsse. Dieser antike Grundsatz sollte auch für die Aufklärung von grundlegender Bedeutung sein: Im 18. Jahrhundert setzte eine wahre Flut von sentimentalen Theaterstücken, Romanen, „moralischen Wochenschriften“ und Kunstwerken ein. Einen begeisterten Anhänger fand Hardy in dem Gelehrten Ferdinand Franz Wallraf (1748–1824), der 1799 sogar ein Huldigungsgedicht auf Hardy verfasste. Wallraf war ebenfalls Kleriker, dazu Professor für Botanik und Rektor der Kölner Universität. Als vielseitiger Sammler ist er Ahnherr der Kölner Museen. Die traditionsreichste Kunstinstitution der Stadt, das Wallraf-Richartz-Museum, ist nach ihm benannt. 

  

Museum für Geschichte

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