Von Unkraut und Gefühlen

Lehrlings-Workshops zum Jahresprogramm BLOOM

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Was hat ein Herbarium mit Gefühlen zu tun? Wie lässt sich die eigene Wahrnehmung eines Kunstwerks „messen“? Und was können sogenannte Unkräuter über Kunst, Natur und den eigenen Beruf erzählen? Zwei Klassen der Grazer Landesberufsschule 3 gingen diesen und anderen Fragen in zwei Workshops im Kunsthaus Graz und in der Neuen Galerie Graz nach.

Ermöglicht wurden die Workshops „Durch die Blume lernen“ und „Unkraut?“ durch finanzielle Unterstützung des OeAD als K3-Projekt. Sie fanden im Rahmen des Jahresthemas BLOOM statt.

Durch die Blume lernen

Eine Klasse angehender Drogist*innen besuchte am 23. April die beiden Ausstellungen 30 % Löwenzahn und Hybrid Pleasures. Helen Chadwick supported by Liesl Raff im Kunsthaus Graz. Sie arbeitete im Anschluss mit der Künstlerin Regula Dettwiler, die in der Ausstellung 30 % Löwenzahn ihr „Herbarium der Gefühle“ zeigt, in dem sie Pflanzen gemeinsam mit den Geschichten und Gefühlen der Menschen sammelt und archiviert, die sie mitbringen.

Auch die angehenden Drogist*innen brachten Blumen und andere Pflanzen mit und notierten dazu ihre persönlichen Zugänge, bevor Regula Dettwiler die Pflanzen presste und für die Ausstellung fixierte. So fanden die Pflanzen und Gefühle der Lehrlinge – die sich auch in ihrem Schul- und Berufsalltag mit Pflanzen und deren heilender Wirkung beschäftigen – mitten in die Ausstellung, wo sie bis zum Ende zu sehen sind, ehe alle Herbarbelege wieder retourniert werden. Die Künstlerin „behält“ sie nur für die kurze Dauer der Ausstellung.

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Unkraut

In der Neuen Galerie Graz nahmen angehende Maler*innen und Anstreicher*innen am 09. Juli an einem Workshop mit der Künstlerin Roswitha Weingrill teil, der mit einem Besuch der Ausstellung Markus Huemer. Ein Fußballfeld muss baumfrei sein begann. Ausgewählte Werke erschloss sich die Gruppe mit dem sogenannten „Temperaturspiel“, bei dem weniger die Temperatur des Werks als vielmehr die eigene, gefühlte Temperatur ihm gegenüber „gemessen“ wird – so verbanden die Teilnehmenden persönliche Wahrnehmungen mit ihrem beruflichen Wissen über Farbe, Material und Oberflächen.

Bei der darauffolgenden Zuordnung von Farbkarten zu Huemers Arbeiten kam dieses Fachwissen dann noch einmal ganz konkret zum Einsatz.  Anschließend widmeten sie sich sogenannten „Unkräutern“, sammelten Pflanzen im Joanneumsviertel und lernten dabei auch Lois Weinbergers Ruderalgarten kennen, bevor sie im Atelier mittels Pflanzenhammerdruck eigene Arbeiten auf Papier gestalteten und diese abschließend in Beziehung zu Werken der Ausstellung Analytische Schönheit. Blumenbilder aus 200 Jahren setzten. Das Projekt stärkte so die Verbindung zwischen Kunst, Naturbeobachtung und beruflicher Erfahrung und eröffnete neue Zugänge zu künstlerischen Arbeitsweisen.

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Angebot für Berufsschulen

In beiden Workshops gelang es, bewusst die (Arbeits-)Erfahrungen und das Wissen der Lehrlinge einzubeziehen. Durch den beruflichen Hintergrund der Teilnehmenden als angehende Maler*innen bzw. Drogist*innen konnten Themen wie Farbe, Materialität, Heilkunde und gestalterische Prozesse unmittelbar an vorhandenes Fachwissen anknüpfen, wodurch konkrete Bezüge zwischen künstlerischen Fragestellungen, Alltag und Berufspraxis entstanden – und neue Fragestellungen auch für die museale Vermittlungspraxis selbst: Was definieren wir als Natur oder als Unkraut in unserer unmittelbaren Nachbarschaft? Wie können wir künstlerisches Denken und Handeln in unseren Arbeitsalltag integrieren und davon lernen? Und für wen ist das Museum mit seinem Programm eigentlich interessant und relevant? Wir hoffen, dass die Lehrlinge dabei nicht nur etwas ins Museum mitbrachten, sondern umgekehrt auch neue Perspektiven auf ihr eigenes (berufliches) Handeln mitnehmen konnten.

Lehrlingen wird im österreichischen Bildungs- und Museumsdiskurs nach wie vor vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei besuchen sie die Berufsschule nicht nur, um berufsspezifisches Wissen zu erwerben: Politische Bildung, Betriebswirtschaft und weitere allgemeinbildende Inhalte sind ebenso Bestandteil der Ausbildung. Museen schaffen hier Anknüpfungspunkte und bieten Bildungsangebote, die an gegenwärtige gesellschaftliche Fragen und die konkreten Lebenswelten junger Menschen anschließen. Gleichzeitig sind „Lehrlinge“ keine homogene Gruppe. Unterschiedliche Berufe, Interessen, Erfahrungen, Hintergründe und persönliche Zugänge prägen auch diese Gruppe, wie sie es auch bei allen anderen „Zielgruppen“ der Fall ist.

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Größeres Angebot für Berufsschulen

Die Erfahrungen aus den beiden Workshops stehen zugleich im Zusammenhang mit einem aktuellen Vorhaben, denn das Universalmuseum Joanneum arbeitet derzeit an einem eigenen Folder für Berufsschüler*innen/Lehrlinge, der im Herbst 2026 an alle Berufsschulen in der Steiermark und Kärnten versendet wird. Darin werden ausgewählte Vermittlungsprogramme der einzelnen Museen vorgestellt, die sich mit Themen beschäftigen, die auch im Unterricht der Berufsschulen eine Rolle spielen, etwa Demokratie und Menschenrechte, Nachhaltigkeit, digitale Grundbildung, Wissenschaft und Finanzbildung. Im Mittelpunkt stehen dabei Programme, die gesellschaftlich relevante Fragen mit einem Gegenwartsbezug verbinden und damit Möglichkeiten eröffnen, Inhalte aus dem Unterricht aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Der Folder soll Lehrende an Berufsschulen dabei unterstützen, passende Vermittlungsangebote für die eigene pädagogische Praxis zu finden und außerschulische Lernorte in ihre Unterrichtsplanung einzubeziehen.

Wir freuen uns, damit künftig noch stärker mit Berufsschulen in Kontakt zu kommen und gemeinsam darüber nachzudenken, welche Rolle Museen in der beruflichen Ausbildung junger Menschen spielen können.

Die Förderung des OeAD hat es ermöglicht, diese beiden Workshops mit der Landesberufsschule 3 umzusetzen und damit einen Raum zu schaffen, in dem Kunst, berufliche Erfahrung und persönliche Perspektiven in Austausch treten konnten. Wir bedanken uns bei der Landesberufsschule 3, namentlich bei Direktorin Martina Jeindl, für ihr Vertrauen, beim OeAD, insbesondere Sofie Wünsch und Roman Schanner, für die Unterstützung im Rahmen der K3-Projekte und ganz besonders bei den Künstlerinnen Regula Dettwiler und Roswitha Weingrill für ihre Ideen und ihren Einsatz.

Einblicke

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