Salvia pratensis

Wiesen-Salbei

Familie der Lamiaceae (Lippenblütler)

 

Die ausdauernde Pflanze verfügt über eine kräftige, bis zu 1 m langer Pfahlwurzel. Die meisten der eiförmigen, stark runzeligen und beiderseits behaarten Laubblätter bilden eine Grundblattrosette, nur 1–3 Paar sitzen kreuzgegenständig am 4-kantigen Stängel.

 

Die 2–3 cm langen Blüten sitzen in 4–8-blütigen Scheinquirlen in den Achseln von Hochblättern. Der gesamte Blütenstand und die Blüten sind ± dicht mit abstehenden Drüsenhaaren besetzt. Der leicht 2-lippige Kelch hat stark hervortretende Nerven. Die tief violett-blaue Krone besteht aus einer kurzen, waagrecht gestellten Kronröhre mit einer aufsteigenden, sichelförmigen und seitlich abgeflachten Oberlippe und einer kürzeren flachen Unterlippe mit 3 herabgeschlagenen Lappen. Innerhalb der Oberlippe ragt der Griffel nach oben, der schließlich mit den beiden ungleich langen Narbenschenkeln über die Oberkante der Oberlippe hinausragt. Im oberständigen Fruchtknoten wachsen nach der Befruchtung 4 Klausenfrüchte heran.

 

Am spektakulärsten ist bei Blüten des Wiesen-Salbeis allerdings der Bau der Staubblätter: Der Staubfaden ist zu einem kurzen Stummel „verkommen“, dafür hat sich der Teil zwischen den beiden Staubbeuteln, das sogenannte Konnektiv, stark verlängert. Die eine Seite dieses Konnektiv-Astes steigt innerhalb der Oberlippe empor und trägt einen Staubbeutel, die andere Seite hingegen ist nach unten gerichtet und am Ende zu einer Platte verflacht. Das Staubblatt setzt mit dem unteren Ende des kurzen Staubfadens etwas über dem Schlund auf der Innenseite der Oberlippe an (siehe roter Pfeil auf Foto). Insgesamt sind in der Blüte zwei Staubblätter vorhanden.

 

Die beiden Platten versperren den Eingang in die Kronröhre. Kommt eine Hummel an die Blüte um Nektar zu schlürfen, so muss sie die beiden Platten eindrücken, wodurch der gesamte Bogen des verlängerten Konnektivs in Bewegung gesetzt wird und das obere Ende mit dem Staubbeutel aus der Oberlippe herausgedrängt wird und auf dem Rücken der Hummel landet. (Diese Hebelmechanismus kann auch mit einer Bleistiftspitze oder einem steifen, dünnen Halm ausgelöst werden.)

 

In der Dauerausstellung des Naturkundemuseums können Sie diesen Mechanismus auch anhand eines schönen Modells studieren!

 

Oft sind an den Pflanzen neben den zwittrigen Blüten auch kleinere (bis 1,5 cm lange), weibliche Blüten vorhanden.

 

Der Wiesen-Salbei wächst in Magerrasen, in trocken-warmen Fettwiesen, an Wegrändern und Böschungen und kommt in der collinen bis montanen Höhenstufe in der gesamten Steiermark vor, wobei er im Enns- und Salzatal etwas seltener anzutreffen ist. Generell sind die Bestände des Wiesen-Salbeis durch intensive Landwirtschaft (Düngung!) im Rückgang begriffen.

Naturkundemuseum

Joanneumsviertel
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9100
joanneumsviertel@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten


Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr


Rundgänge
Termine finden Sie im Kalender oder nach Voranmeldung.

Studienzentrum Naturkunde
Weinzöttlstraße 16
8045 Graz, Österreich 
T +43-316/8017-9000
Termine auf Anfrage

Café OHO!
Di-Sa 10-24 Uhr

 

10. April 2023
1. Mai 2023
29. Mai 2023

21. Februar 2023
24. bis 26. Dezember 2023