Familie Tinnacher – eine Leibnitzer Gasthausdynastie

Die Unternehmenstradition der Familie Tinnacher reicht bis in das Jahr 1901 zurück. Zu diesem Zeitpunkt erwarben Johann und Maria Tinnacher das Gebäude in der Augasse. Die vorherigen Besitzerinnen, zwei Schwestern, hatten an diesem Standort bereits eine Gaststätte betrieben, auch die Gründungsversammlung der Leibnitzer Feuerwehr und des Sportvereines hatte in diesen Räumlichkeiten stattgefunden. Als Leibnitz 1913 zur Stadt erhoben wurde, durfte sich das Gasthaus „Gasthof zur Stadt Leibnitz“ nennen.

 

Nach dem frühen Tod ihres Mannes führte Maria Tinnacher den Betrieb alleine weiter. Sie kochte, während mehrere Angestellte das Servieren übernahmen. Ihre Enkelin erinnert sich: „Sie ist in der Küche gewesen von fünf Uhr in der Früh bis fünf Uhr am Nachmittag. Dann hat sie ein Bad genommen, hat sich hergerichtet – das war gar nicht üblich zur damaligen Zeit – und begrüßte abends noch im Geschäft die Stammgäste. Das ist meine Erinnerung an die Großmutter – die ist eine Dame gewesen.“


Die Gastwirtschaft wurde durch eine Fleischhauerei ergänzt, und der Betrieb in dieser „typischen“ Kombination sehr erfolgreich geführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten die Engländer die Räumlichkeiten des Gastbetriebes. Die Rückgabe erfolgte 1949. Hans Tinnacher, der Vater des letzten Betreibers Karl-Heinz, übernahm die Gastwirtschaft, während die Fleischerei von dessen Bruder Karl Tinnacher fortgeführt wurde.

 

Das Gasthaus stellte ein Kommunikationszentrum dar. So erinnert sich Karl-Heinz Tinnacher an eine Runde von Kartenspielern: „Es hat in Leibnitz lang eine Kartenspielerrunde gegeben. Die waren jeden Tag um 18 Uhr in einem anderen Lokal, die haben immer gewechselt und da waren so alte, in erster Linie Geschäftsleute und Beamte dabei, so zehn Herren oder zwölf und die haben das so eingeteilt gehabt, dass sie jeden Tag wo anders waren.“ Auch der erste Fernseher der Stadt war im Lokal aufgestellt und stellte Mitte der 1950er-Jahre eine Sensation dar. Das gemeinsame Fernsehen bedeutete ein Ereignis und war willkommener Anlass, sich im Gastraum zu treffen.

 

Karl-Heinz Tinnacher war schließlich der letzte Gastwirt der „Tinnacher-Dynastie“. Er führte den elterlichen Betrieb gemeinsam mit seiner Familie fort. Der Boom des jugoslawischen Einkaufstourismus bescherte auch dem Gasthaus gute Einkünfte. Die dauerhafte Belastung, die der Beruf des Wirtes/der Wirtin mit sich bringt, und die Notwendigkeit beständiger Präsenz bewog das Ehepaar dazu, den Betrieb zu verkleinern und in reduzierter Form von 1983 bis 2008 als Café fortzuführen.

Museum für Geschichte

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Öffnungszeiten
Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

 

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