Bezirk Leibnitz

Vom Kochtopf zum Getriebegehäuse - Druckguss und Metallwaren Karl Fink GmbH in Kaindorf an der Sulm

Der gelernte Modelltischler Karl Fink arbeitete in den späten 1930er Jahren in der Gießerei einer Eisenbahnwerkstätte. Dort erwachte sein Interesse, selbst Metall zu gießen. So gründete er gleich nach Kriegsende eine Aluminiumgießerei in einer Holzbaracke in Leibnitz.

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Anfangs wurden vor allem Reinen, Pfannen und Schnellsieder hergestellt, später auch andere in der Industrie benötigte Teile, wie zum Beispiel Basisplatten für Tonbandgeräte im Auftrag der Firma Philips oder Vordrehgestelle für die Pullmann-Wagons. Die Umstellung im Jahre 1952 von Sand- und Kokillenguss auf das Druckgussverfahren – produktiver, aber auch investitionsintensiver – ermöglichte eine Ausweitung der Produktionsvielfalt. 1982 gelang schließlich der Einstieg in die Automobilindustrie, über 200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stellen heute hochspezialisierte Fahrzeugteile – vorrangig für Magna Steyr – her.

 

Exkurs: Baumwollspinnerei in Kaindorf

Das Gebäude in Kaindorf an der Sulm, wo sich die Firma heute befindet, wurde 1894/95 erbaut und gehörte einst zur Baumwollspinnerei Weiß. In der „Spinnfabrik“ waren zu Zeiten der Monarchie und der Ersten Republik mehrere hundert Menschen beschäftigt. Mehrheitlich Frauen arbeiteten zu kargen Löhnen in diesem schon damals krisenanfälligen Industriezweig. In der NS-Zeit wurde die Baumwollspinnerei arisiert und erst nach langjährigen Verhandlungen wieder restituiert. Langsam lief der Betrieb wieder an und auch die Zahl der Beschäftigten stieg, ehe der Betrieb 1958 plötzlich in den Konkurs schlitterte. Einige der Beschäftigten zogen daraufhin nach Vorarlberg, um dort in den Textilwerken Arbeit zu finden. Karl Fink erwarb 1962 den Gebäudekomplex aus der Konkursmasse und verlegte den Großteil der Produktion seines metallverarbeitenden Betriebes nach Kaindorf.

 

 


 

Familie Tinnacher – eine Leibnitzer Gasthausdynastie

Die Unternehmenstradition der Familie Tinnacher reicht bis in das Jahr 1901 zurück. Zu diesem Zeitpunkt erwarben Johann und Maria Tinnacher das Gebäude in der Augasse. Die vorherigen Besitzerinnen, zwei Schwestern, hatten an diesem Standort bereits eine Gaststätte betrieben, auch die Gründungsversammlung der Leibnitzer Feuerwehr und des Sportvereines hatte in diesen Räumlichkeiten stattgefunden. Als Leibnitz 1913 zur Stadt erhoben wurde, durfte sich das Gasthaus „Gasthof zur Stadt Leibnitz“ nennen.

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Nach dem frühen Tod ihres Mannes führte Maria Tinnacher den Betrieb alleine weiter. Sie kochte, während mehrere Angestellte das Servieren übernahmen. Ihre Enkelin erinnert sich: „Sie ist in der Küche gewesen von fünf Uhr in der Früh bis fünf Uhr am Nachmittag. Dann hat sie ein Bad genommen, hat sich hergerichtet – das war gar nicht üblich zur damaligen Zeit – und begrüßte abends noch im Geschäft die Stammgäste. Das ist meine Erinnerung an die Großmutter – die ist eine Dame gewesen.“


Die Gastwirtschaft wurde durch eine Fleischhauerei ergänzt, und der Betrieb in dieser „typischen“ Kombination sehr erfolgreich geführt.Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten die Engländer die Räumlichkeiten des Gastbetriebes. Die Rückgabe erfolgte 1949. Hans Tinnacher, der Vater des letzten Betreibers Karl-Heinz, übernahm die Gastwirtschaft während die Fleischerei von dessen Bruder Karl Tinnacher fortgeführt wurde.

 

Das Gasthaus stellte ein Kommunikationszentrum dar. So erinnert sich Karl-Heinz Tinnacher an eine Runde von Kartenspielern: „Es hat in Leibnitz lang eine Kartenspielerrunde gegeben. Die waren jeden Tag um 18 Uhr in einem anderen Lokal, die haben immer gewechselt und da waren so alte, in erster Linie Geschäftsleute und Beamte dabei, so zehn Herren oder zwölf und die haben das so eingeteilt gehabt, dass sie jeden Tag wo anders waren.“ Auch der erste Fernseher der Stadt war im Lokal aufgestellt und stellte Mitte der 1950er Jahre eine Sensation dar. Das gemeinsame Fernsehen bedeutete ein Ereignis und war willkommener Anlass sich im Gastraum zu treffen.

 

Karl-Heinz Tinnacher war schließlich der letzte Gastwirt der „Tinnacher-Dynastie“. Er führte den elterlichen Betrieb gemeinsam mit seiner Familie fort. Der Boom des Jugoslawischen Einkaufstourismus bescherte auch dem Gasthaus gute Einkünfte. Die dauerhafte Belastung, die der Beruf des Wirtes / der Wirtin mit sich bringt, die Notwendigkeit beständiger Präsenz bewog das Ehepaar dazu den Betrieb zu verkleinern und in reduzierter Form von 1983 bis 2008 als Café fortzuführen.

 


 

Erdölbohrversuche in Perbersdorf

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Landesaufnahme II
Erdölbohrversuche in Perbersdorf, Anfang der 1950ern

 


 

Ehem. Fassbinderei Ploder in Priebing

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Landesaufnahme II
Ehem. Fassbinderei Ploder in Priebing

 


 

"Tortenkaiser" in St. Veit am Vogau

 


 

„Coworking space“ um 1935

 

 

 

Im sogenannten „Schwarzhaus“ in St. Veit am Vogau befanden sich um 1935 – siehe Foto von links nach rechts - die Schneiderei einer Frau Tischler - in einem Hinterzimmer führte Mitzi Hacker zudem eine kleine Strickerei -, die Werkstatt des Schuhmachers Anton Stradner sowie eine Filiale der Eisenhandlung Pucher, Archiv MG St. Veit in der Südsteiermark.

 


 

GADY Family

 

 

Franz Gady sen. gründete 1936 auf seinem Bauernhof in Bachsdorf bei Lebring einen Fahrrad- und Landmaschinenhandel. Zum Leidwesen seiner Gattin musste er zunächst aus Platzmangel sämtliche Werkzeuge und Ersatzteile in den Wohnräumen der Familie lagern.Sein Puch-Motorrad nutzte er als „Dienstfahrzeug“, um auf den Höfen und Feldern der Bauern rasch Reparaturarbeiten an ihren Traktoren und Maschinen vornehmen zu können. Die Firma Gady verfügte später als einer der ersten Landtechnikbetriebe über einen Servicebus. Heute wird in der Erntezeit ein Tag- und Nachtservicedienst angeboten.

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Landesaufnahme II
Gadymarkt Lebring

Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm Franz Gady jun. (1937- 2015), ein gelernter Schlosser, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Gerhard den väterlichen Betrieb. 1957/58 eröffnete Franz Gady jun. in Lebring die erste Werkstätte mit Ersatzteillager und Tankstelle. Er forcierte zudem den Automobilhandel – 1960 wurde die Vertretung der Marke BMW übernommen - und baute die Franz Gady GmbH  zu einem Musterbetrieb der steirischen Wirtschaft aus. Ein Quantensprung für den Familienbetrieb war schließlich die Expansion von Lebring nach Graz. Franz Gady jun. war zudem von 1976 bis 1983 Präsident des SK Sturm Graz und fungierte von 1990 bis 1996 als Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark.


Legendär ist der seit 1966 veranstaltete Gady Markt in Lebring. Dabei wurde die Idee der alten „Viehmärkte“ aufgegriffen. „Früher wechselte halt auf diesen Märkten mit Volksfestcharakter das Vieh den Besitzer, wieso sollte das nicht auch bei Traktoren und Mähdreschern funktionieren“, erzählt Ingrid Gady. An einem Marktwochenende besuchen zwischen 25.000 und 30.000 Menschen den zweimal jährlich (Frühjahr und Herbst) abgehaltenen Gady Markt. Am 9. und 10. September 2017 findet er bereits zum 103. Mal statt.


Die Firma Gady verfügt über ein überaus umfangreiches Fotoarchiv zur Unternehmensgeschichte, insbesondere natürlich zu den Gady Märkten. Laut Ingrid Gady hat ihr Mann Franz Gady jun. – obwohl natürlich stets Berufs- und Pressefotografen engagiert waren - einen Großteil davon selbst fotografiert.

 


 

Bestattung Kada

 

1876 gründet Matthias Kada I. eine Bau- und Möbeltischlerei in Leibnitz. Als Tischlermeister fertigte er – wie damals üblich -  auch Holzsärge an. Später erweiterte er sein Angebot mit Metallsärgen aus Böhmen. Das Bestattungsgewerbe war damals noch sehr jung, die nächst gelegenen Bestattungsunternehmen befanden sich damals in Graz und Marburg. 1902 sucht Matthias Kada I. schließlich um eine Konzession für das Bestattungsgewerbe an. Ein Jahr darauf können er und seine Ehefrau Margaretha das erste Bestattungsunternehmen in Leibnitz eröffnen.

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1910 bietet die Firma Kada erstmals die Feuerbestattung an. Im Bundesgebiet des heutigen Österreich gab es damals noch keine Feuerhallen, die Einäscherungen mussten in Gotha, Jena oder Zittau durchgeführt werden. Im selben Jahr wird ein Vertrag mit der „Städtischen Kaiser Franz Josefs-Jubiläums Lebens und Renten Versicherungsanstalt“ über „Begräbnis-Versicherungen“ abgeschlossen. Fortan konnten auch in Leibnitz „Bestattungs-Vorsorgeversicherungen abgeschlossen werden. Nach dem Tod von Matthias Kada I. übernimmt sein Sohn Matthias Kada II. den Betrieb. Während des zweiten Weltkrieges führte er den Betrieb mit seiner Tochter Gisela, da sein Sohn Odo einrücken musste und erst 1948 aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehren sollte. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage nach Kriegsende erhält die Firma von den Briten ein ehemaliges Wehrmachtsfahrzeug zugeteilt, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

 

1956 übernimmt Odo Kada den Betrieb seines Vaters und erwirbt die Konzession für die Ausübung des Bestattungsgewerbes auch in Lebring/St. Margarethen, Wildon und St. Georgen an der Stiefing. 1982 übergibt er den Betrieb an Sohn Rudolf Kada. Als Bestattung mit eigener Tischlerei stellt die Firma Kada nach wie vor einen großen Teil der Särge selbst her.

 

Anlässlich des 100jährigen Firmenjubiläums 2003 veranstaltete die Firma Kada in Zusammenarbeit mit „Kultur in Leibnitz“ eine vielbeachtete Sonderausstellung in der Galerie Marenzi über die Geschichte der Bestattung in Leibnitz. Diese Ausstellung wurde von Thomas Kada kuratiert, der uns auch die fotografischen Aufnahmen aus seiner speziellen und reichhaltigen Sammlung zur Verfügung gestellt hat. Wer mehr über die Geschichte des Bestattungsgewerbes in Österreich oder zur soziokulturellen Diskussion über die Feuerbestattung um 1900 erfahren möchte, sollte unbedingt einen Blick auf www.bestattungkada.at werfen.

 


 

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

 

22. April 2019
10. Juni 2019

24. bis 25. Dezember
31. Dezember
24. bis 25. Dezember 2019
31. Dezember 2019