Miniaturschrank, Ende 16. Jh.

Miniaturschrank, Holz mit Einlegearbeit, Süddeutschland (?), Ende 16. Jh., KHS, Inv.-Nr. 7559, Foto: UMJ/ V. Delic

Die Ausstattung bürgerlicher und adeliger Haushalte mit repräsentativen Schränken und Raumverkleidungen gehörte zu den Spezialgebieten der Kunsttischlerei im gesamten deutschen Sprachraum im 16. und 17. Jahrhundert. Unter ihnen nimmt Augsburg eine Sonderstellung ein. Der Eindruck der Kostbarkeit wurde durch aufwendige Einlegearbeiten verstärkt, deren Ornamentik den allgegenwärtigen Vorlagebüchern entnommen werden konnte. Besonders beliebt waren fiktive Architekturmotive, die vereinfachte Varianten nach anspruchsvolleren Vorbildern darstellen. In Miniaturform ausgeführte Möbel dienten als Muster, konnten aber auch für die Ausstattung aufwendiger Puppenhäuser gefertigt werden. Solche aus mehreren europäischen Ländern bekannte Konstruktionen, die das Innere eines vornehmen Stadthauses im Querschnitt zeigen, weisen umfangreiche, detailgenau nachgebildete Inventare auf. Sie dienten nicht dem Spiel, sondern der Unterweisung von Töchtern wohlhabender Familien, um die künftige Rolle als Hausherrin einzuüben. Ein motivisch wie konstruktiv vergleichbares Beispiel für einen viertürigen Schrank mit Einlegearbeiten in einem Puppenhaus hat sich im Bayerischen Nationalmuseum München (Inv.-Nr.12/1) erhalten. 

 

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