Landschadenbundbecher, um 1570

Sog. Landschadenbundbecher, Augsburg, Hans Schebel, um 1570, Silber, vergoldet, KHS, Inv.-Nr. 12126, Foto: UMJ/ N. Lackner

Am 20. August 1571 ehelichte Erzherzog Karl II. von Innerösterreich in Wien Maria, Tochter Herzog Albrechts V. von Bayern. Aus diesem Anlass übergab Ferdinand II. von Tirol, selbst einer der bedeutendsten Mäzene seiner Zeit, einen prachtvollen Pokal, den sog. „Landschadenbundbecher“. Das von Hans Schebel in Augsburg gefertigte Gefäß, ein Hauptwerk der Goldschmiedekunst aus der Zeit der Spätrenaissance, ist mit Reliefs geschmückt, die auf grafischen Vorlagen niederländischer Stecher beruhen.

Die Themen sind dem Alten Testament entnommen und spielen auf das Brautpaar an. Gezeigt werden vorbildliche Frauengestalten, die sich durch Mut und Charakterstärke auszeichnen (sog. „femmes fortes“): Judith vor Holofernes, die Königin von Saba vor Salomo, Esther vor Ahasver Judith. Sie alle spielen auf Tugenden an, die der Braut zugeschrieben werden, während Moses, Aaron, Joseph und Josua auf den Bräutigam in seiner offiziellen Rolle als Schützer der Kulttradition Bezug nehmen.

In der Tat erblickte das neue Regentenpaar in der Bewahrung des überlieferten katholischen Glaubens gegen die protestantische Opposition eine ihrer dringlichsten Aufgaben. Solche Serien von Tugendvorbildern („exempla virtutis“) sind für die Kunst der Renaissance typisch. Die bekrönende Figur mit dem Füllhorn verkörpert Glück („fortuna“), Überfluss („abundantia“) zum Wohl des Landes und die erhoffte Fruchtbarkeit der nun geschlossenen Ehe.

Prunkvolle Deckelpokale waren eine Spezialität der Goldschmiedekunst jener Zeit und stellten ein überaus wirkungsvolles Mittel der Repräsentation dar. Bei festlichen Anlässen wurden solche Pokale in dichter Folge auf Schaubuffets präsentiert. Vor allem die Erzeugnisse aus Augsburger Werkstätten genossen über Jahrhunderte internationalen Ruf.  

 

 

 

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