Kasel, 15. Jh.

Kasel, Seiden- und Metallstickerei auf Leinengrund auf rotem Samt mit Prägemustern, Österreich (?), Ende 15. Jh., KHS, Inv.-Nr.7667, Foto: UMJ/N. Lackner

Die in Bassgeigenform geschnittene Kasel (lat. „casula“ für „kleines Haus“) ist der im Spätmittelalter gebräuchliche Typus für das liturgische Übergewand des Zelebranten. Allein die Grundfarbe der Kasel hatte sich nach dem Kirchenjahr zu richten. Dies gestattete die Applikation vertikaler Seiden- und Metallstickereien, die sog. Stäbe oder Borten, die figurale Motive wie Heiligendarstellungen in Architekturrahmen enthielten und von älteren, schadhaften Gewändern abgetrennt werden konnten. Diese Art der Wiederverwendung war in der sakralen Textilkunst des Mittelalters weit verbreitet. Sie belegt nicht nur eine besondere Wertschätzung kostbarer textiler Details mit ihren sakralen Botschaften, sondern auch eine überaus wirtschaftliche, in der mittelalterlichen Kunst nicht seltene Einstellung. 

 

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