Die Sammlung italienischer Majoliken

im Universalmuseum Joanneum

Der Begriff Majolika bezeichnet eine bestimmte Form von Keramik, welche sich, inspiriert durch importierte, orientalische Vorbilder, etwa im 14. Jahrhundert über Spanien in Europa ausbreitete. Zunächst handelte es sich dabei um golden oder kupferrot glänzende Lüsterglasurware, ab dem Ende des 15. Jahrhunderts wurde der Begriff aber auch auf italienische Keramik mit Zinnglasur und figürlichen Darstellungen, meist aus der antiken Mythologie, ausgeweitet. Die wichtigsten Zentren italienischer Majolikaherstellung waren Orvieto, Urbino, Venetien und Castelli. Mit zunehmender Verfeinerung der Technik erlangte die italienische Majolika immer höhere Wertschätzung und entwickelte sich weg vom alltäglichen Gebrauchsgegenstand hin kostbaren Prunkstücken, zu deren Verzierung Motive nach Kunstwerken hochgeschätzter Renaissancekünstler verwendet wurden.

 

Die Kulturhistorische Sammlung des Universalmuseums Joanneum beherbergt eine zum größten Teil kunstwissenschaftlich unbearbeitete Sammlung italienischer Majoliken. Ziel des Dissertationsvorhabens von Mag. Alena Volk ist die wissenschaftliche Bearbeitung dieser Sammlung, die Erstellung eines Bestandskatalogs und eine zusammenfassende Würdigung dieses relativ geschlossenen Sammlungsbereichs.

Es bedarf einer genauen Beschreibung der Keramiken und der ikonographischen Bestimmung der mythologischen Darstellungen und Grotesken, die den bildlichen Schmuck dieser Gefäße bilden. Anhand stilistischer Merkmale wie Form, Farbgebung und Malduktus soll eine Datierung der Objekte und eine Zuordnung zu einer Werkstätte, einer Schule oder einem Künstler vorgenommen werden.

Bei der Darstellung der Sammlungsgeschichte der Objekte sollen neben der Erforschung und Beschreibung eines Sammlungsschwerpunktes auch die Provenienz der einzelnen Stücke und die Frage nach dem Zeitpunkt, zu dem sie in die Sammlung des Universalmuseums Joanneum aufgenommen wurden, untersucht werden. Dabei ist der Vergleich mit anderen, sowohl österreichischen als auch ausländischen Sammlungen anzustreben, um die Besonderheiten dieser Sammlung besser herausarbeiten zu können.

Majolika-Schale mit mythischer Hirschjagd, 
sog. istoriati-Schale, Urbino, 1520-30
KHS, Inv.-Nr. 1499

Die gebräuchlichsten Verfahren beim Bemalen und beim Brand der Keramiken, deren Veränderung und Verfeinerung im Laufe der Jahrhunderte und etwaige regionale Besonderheiten sollen anhand einzelner Werke erforscht werden. Insbesondere betrifft dies die für Majolika typische Zinnglasur, deren Besonderheit für das Erscheinungsbild der Keramik erläutert werden soll.

 

Schließlich wird auch eine Untersuchung des sozialgeschichtlichen Faktors angestrebt. Es gilt zu klären, wie sich die Majolika vom Gebrauchsgegenstand zu wertvollen Sammlungsobjekt veränderte und ob sich dadurch ihre Funktion und ihr Gebrauch wandelten bzw. welche Rückschlüsse diese Veränderung auf die Gesellschaft erlaubt.

 


Alena Volk

Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Kunstgeschichte

Betreuer: Univ.-Prof. Dr. Edgar Lein

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
F +43-316/8017-9849
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Mi-So 10 - 17 Uhr

 

26. Dezember
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1. Mai 2018
21. Mai 2018

24. bis 25. Dezember
24. bis 25. Dezember 2018