Land bei Nacht

Fotoexpedition in die nächtliche Steiermark

17.11.2017-25.02.2018


Eröffnung: 16.11.2017, 19 Uhr
Kuratiert von: Max Wegscheidler und Christoph Pietrucha

Über die Ausstellung

Leuchtreklamen und lichterfüllte Schaufenster, städtische Straßenszenen und inszenierte (historische) Architektur, Dörfer und Landschaften, betörte Festgäste und Angehörige verschiedener Berufsgruppen, die nachts arbeiten – die zweite Sonderausstellung der Multimedialen Sammlungen im Jahr 2017 ist der Zeitspanne zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang, der schwarzen Nacht der Lichterstadt und der leuchtenden Provinz gewidmet.

Aus dem Programm

Fr 26.01.

17:00

Landesaufnahme(n):. Feierabend und Nachtarbeit

Veranstaltung, Vortrag> Museum für Geschichte

Veranstaltung, Vortrag

> Museum für Geschichte

Ein Tipp für unsere jüngeren Besucherinnen und Besucher



Ich bin „Pixie“ und begleite die Kinder durch die Ausstellung. Für die Hilfe bekommen die Kinder an der Kassa noch eine kleine Überraschung! 

Programmangebot für Schulen zu den Ausstellungen

100 x Steiermark, Schaudepot, Land bei Nacht



Alte Geschichten und neue Einblicke In den Depots der Kulturhistorischen Sammlung und der mehr...

Die Themenräume im Überblick

Erleuchtete Stadt

Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ist künstliche Beleuchtung ein wichtiges Symbol des Fortschritts. Städte werden durch zunehmende Elektrifizierung immer heller, auch Postkarten und Nachtfotografien zeigen sie im besten Licht. Großstädte, später auch kleinere Ortschaften betreiben eigene Kraftwerke für die notwendige Stromerzeugung.

Öffentliche Funktionsbeleuchtung ist die erste wichtige Lichtquelle, Laternen erhellen Straßen sowie Plätze und sorgen so für Sicherheit. Zusätzlich drängt private Zimmerbeleuchtung aus den Fenstern in den öffentlichen Raum hinein.

Angestrahlte historische Gebäude verweisen auf deren Geschichte, Leuchtreklamen und Schaufenster konkurrieren um Aufmerksamkeit. Zusätzliche Atmosphäre schaffen dekorative Lichtelemente wie zum Beispiel eine Weihnachtsbeleuchtung.

Leuchtende Reklamen, glänzende Schaufenster

Elektrischer Strom eröffnet neue Möglichkeiten, um die Aufmerksamkeit auf Konsumartikel zu lenken und das Kaufverhalten der Menschen zu beeinflussen.

Architektur und Reklame werden seit den 1920er-Jahren als Einheit gedacht. Vor allem in größeren Städten locken Leuchtreklamen die Flanierenden an die Schaufenster.

Fast taghell beleuchtete Geschäfte faszinieren mit Lichtfronten, Portalen und Neonlichtern. Schaufenster werden zu Bühnen, und Straßen zu Theatern der nächtlichen Inszenierung. 1927 wird die „Grazer Lichtwerbewoche“ ausgeschrieben, das Publikum kann dabei über die schönsten Auslagen abstimmen.

Auch für Fotografen sind nächtliche Schaufenster beliebte Motive. Sie faszinieren durch ihre Ästhetik und dokumentieren gleichzeitig den Wandel zu modernen Verkaufsstrategien.

Bewegte Nacht

Autos werden in der Zwischenkriegszeit ganz bewusst als Teil der städtischen Lichtkulisse gezeigt: Vor beleuchteten Auslagen geparkt, stehen sie für Fortschritt und Moderne. Bis in die 1950er-Jahre ist das Auto ein Luxusartikel, den sich nur wenige Menschen leisten können.

Der wirtschaftliche Aufschwung ändert dies schlagartig: Allein in Graz ändert sich die Zahl der Personenkraftwagen in den Jahren 1950 bis 1959 von 2.364 auf 16.150 Autos.

Auch in der Nachtfotografie wird diese Entwicklung sichtbar: Lange Autokolonnen wälzen sich nun durch die Straßen. Gleichzeitig häufen sich Zeitungsartikel über Verkehrsunfälle, während andere Presseberichte über Fiaker berichten und damit ein nostalgisches Bild der Fortbewegung zeichnen. In der Realität dreht sich nun aber alles um Autos und Taxis, um Trams, Busse und Züge.

Inszenierung der Macht

Nacht und Licht wurden vor und während des NS-Regimes dazu eingesetzt, um die nationalsozialistische Rhetorik zu einem

perfekten Propagandamittel zu stilisieren. Die Inszenierung von Reden gegen Andersdenkende und vor allem gegen Jüdinnen und Juden brauchte beides als rahmende Kulisse. Auf diese Weise können Emotionen sehr stark manipuliert werden.

Mit Hakenkreuz-Fahnen verhängte Häuserfassaden erscheinen im künstlichen Nachtlicht plötzlich als wehrhafte Türme. Die versammelten Männer, Frauen und Kinder scheinen vor dieser Kulisse zu einer Einheit zu verschmelzen.

Solche choreografisch organisierten Selbstdarstellungen werden als massentaugliche Fotografien in Form von Postkarten in großer Zahl verbreitet. Mit solchen Mitteln wurde die Inszenierung der Macht im „Anschlussjahr“ 1938 vielfach erprobt.

Dokumentierte Nachtarbeit

Egon Blaschka (1922–2001) arbeitete lange Zeit als Pressefotograf für die Kleine Zeitung. Aus dieser Zeit hinterließ er eine Reihe von Fotoreportagen, in denen er Nachtarbeit dokumentierte. Seine Bildserien aus den 1950er- und 1960er-Jahren widmen sich vielfach bekannten Berufen: Nächtliches Warten am Taxistand, die Paket- und Briefsortierung in der Postzentrale oder Schichtarbeit in den Verkehrsbetrieben zählt ebenso zu den Motiven wie Pendler/innen, die in die Arbeit oder nach Hause eilen.

Als Pressefotograf dokumentierte Blaschka aber auch Unfälle und Katastrophen. Auf diese Weise hielt er Einsätze von Polizei und

Feuerwehr sowie Sanitäts- und Abschleppdienste fotografisch fest. All diese Tätigkeiten lassen sowohl Kontinuitäten als auch den Wandel im nächtlichen Arbeitsalltag erkennen.

Nächtliche Bräuche

Dunkelheit – vorwiegend im Winterhalbjahr – ist die Kulisse für vielfältige Rituale, bei denen das Licht die Finsternis überwindet. Überlieferungen erzählen von Geistern und Dämonen, Akteure und Akteurinnen treten in Verkleidungen auf. Mit Masken schlüpfen sie in andere Rollen, die einen symbolischen Charakter haben oder auch Schutz bieten. 

Manche nächtliche Bräuche dienten ursprünglich der moralischen und religiösen Belehrung, und zugleich stärkten sie die Gemeinschaft. Im 20. Jahrhundert entwickelten sie sich zunehmend zu unterhaltenden Schaubräuchen. Als touristische Attraktionen ziehen sie Interessierte von nah und fern aufs Land.

Die Nacht zum Tag gemacht

Seit dem 19. Jahrhundert wird das Wort „Nacht“ in einem doppelten Sinne verstanden: Nacht ist nicht mehr länger nur die Zeit des Schlafes, sondern wird auch zur Zeit der Unterhaltung, des Ausgehens.

Künstliche Beleuchtung macht dieses Nachtleben erst möglich: Theater-, Konzert-, Zirkus- und Messebesuche sowie Volksfeste werden ebenso zu Fixterminen wie Sportveranstaltungen, die bis in die Nachtstunden andauern. Die Kinoleinwand wird zum Fenster in andere Welten, und seit den 1960er-Jahren macht es das Fernsehen möglich, auch in den eigenen vier Wänden bis spätnachts unterhalten zu werden.

Rockt die Nacht

Seit Ende der 1950er-Jahre hat die Rockmusik auch in der Steiermark eine Heimat gefunden und wird allmählich zum Sprachrohr der Jugend. Den Weg dazu ebnen kleine und größere Verstöße gegen die Normen der Gesellschaft, zum Beispiel die zunehmende Länge der Haare. Inspirationen bietet „Radio Luxemburg“, das abends heimlich gehört wird.

Bands covern auf Veranstaltungen zunächst Rocksongs internationaler Größen, später werden auch eigene Kompositionen in das Programm aufgenommen. Die Konzerte beginnen meist um 20 Uhr und dauern bis tief in die Nacht – der letzte Akkord erklingt irgendwann zwischen zwei und vier Uhr früh. Erst seit den 70er-Jahren können es sich Bands erlauben, ein nur zweistündiges Rockkonzert zu spielen.   

Bildergalerie

Presseberichte

Kanal 3, 30.11.2017
Das Universalmuseum Joanneum bietet den Besucherinnen und Besuchern zahlreiche Dauer- und Sonderausstellungen. So auch im Museum für Geschichte in Graz, wo vor kurzem zwei Dauerausstellungen und eine Fotoexpedition eröffnet wurden.
> Hier gehts zum Beitrag

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
F +43-316/8017-9849
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Mi-So 10 - 17 Uhr

 

26. Dezember
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1. Mai 2018
21. Mai 2018

24. bis 25. Dezember
1. Jänner 2018
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Licht an! Die Nacht kommt