Weiße Truhe, mit Spielzeug

Leihgeber/innen: Anonym

Art des Möbels: Weiße Truhe, mit Spielzeug 
Nummer: 1

Standort: Space04/05

„Die Vorbesitzerin dieser Truhe war Tante Paula. Tante Paulas Lebensmodell –  sie war über all die Jahre, die ich mit ihr als direkter Hausnachbar Kontakt hatte, alleinstehend geblieben – basierte auf Arbeit, Fleiß, regelmäßigem Kirchgang, einer ausgeprägten Neigung zur kleinbürgerlichen Wadlbeißerei und noch einmal Arbeit. Das Ludische, das Nicht-Verzweckte, der Müßiggang, Sport und Spaß –  all das war ihr ein Gräuel. Man dürfe ja „dem Herrgott nicht den Tag stehlen“. Zum Behufe des Nicht-Stehlens von göttlichen Tagen setzte sich Tante Paula gar bei strömendem Regen ein Plastiksackerl des Lebensmittel-Diskonters Hofer auf ihren Kopf, holte den Rasenmäher raus und kämpfte trotzig gegen Regen, Wind und Matsch an. Als meine Eltern der Tante Paula einmal ganz hoffnungsvoll mitteilten, dass sie jetzt auf einen Kachelofen sparen würden, antwortete sie lapidar: „Warat’s mit dei G’schroppn net imma noch Italien g’foahn, donn hättet’s schon längst an“ (dialektbefreit: „Wäret ihr nicht mit den Kindern immer [auf Urlaub] nach Italien gefahren, dann hättet ihr schon längst einen“). Manchmal, ja manchmal konnte Tante Paula aber auch richtig großzügig und weitherzig sein. Da wurde einem als Neffen schon einmal ein Zwanziger, ein Stück Schokolade oder ein neckisches Bonmot zuteil. Und Tante Paula war im Besitz einer alten Holztruhe. Ich weiß nicht mehr genau, wofür sie sie verwendet hat, auf jeden Fall roch die Truhe sehr muffig, als sie nach ihrem Tod – der Herrgott hab’ sie selig – in unseren Familienbesitz überging. Weilte Tante Paula noch unter uns, würde sie die heutige Verwendung der Truhe wohl weniger als ironische Volte der Familiengeschichte, sondern eher als liederliche Zweckentfremdung betrachten: Die Truhe ist heute weiß gestrichen und rappelvoll mit buntem Kinderspielzeug.

Danke für dieses wunderbare Erbstück, Tante Paula.“    

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