Katzenbaum: Barbara Edlinger

Felder

16.11.2019-19.01.2020


Kosten: Eintritt frei
Ort: Katzenbaum für die Kunst, Foyer

Barbara Edlinger setzt sich seit vielen Jahren mit zeitgenössischem Schmuck sowie dessen Materialität und Zeichenhaftigkeit auseinander. Mit den ihr eigenen Methoden des Ausdehnens, „Verwalzens“ und Zusammenschiebens, die herkömmliche Juweliertechniken ergänzen und darüber hinausgehen, entstehen in Edlingers Galerie Transit in der Grazer Bürgergasse Konfigurationen, in denen die Künstlerin ebenso persönliche biografische Hintergründe wie Impulse von außen verarbeitet.

Für die Ausstellung am „Katzenbaum für die Kunst“ widmet sich Barbara Edlinger einmal mehr ihrem „Sparring Partner“ im künstlerischen Prozess, dem Metall, und reflektiert dessen symbolische wie physikalische Eigenschaften. In dieser Auseinandersetzung fällt dem Begriff des Feldes eine besondere Bedeutung zu. In ihrer Installation aus übereinander geschichteten Kupferplatten, die gleichzeitig die Präsentationspodeste für ihre Schmuckstücke bilden, spielt Barbara Edlinger mit der Bedeutungsbandbreite des Begriffes. Dabei spannt sie einen weiten Bogen von soziologischen über physikalischen bis hin zu kulturhistorischen Aspekten, die dem Schmuck als solchem inhärent sind. So wurden etwa in der modernen Physik auch Atome – und daraus resultierend jegliche Form der Materie – als zusammengesetzte physikalische Systeme erkannt. Das Naturgesetz der Äquivalenz von Masse und Energie (E = mc²), das besagt, dass sich diese beiden Objekteigenschaften zueinander proportional verhalten, bedingt, dass die in einem Objekt enthaltenen Felder zur Masse desselben beitragen. Materienfreier, leerer Raum existiert demnach schlichtweg nicht, wie bereits René Descartes Mitte des 17. Jahrhunderts feststellte. Diesen Gedanken nimmt Barbara Edlinger auf, indem sie im gestalterischen und handwerklichen Tun Zwischenräume und vermeintliche Leerstellen aufnimmt und deren Materialität sichtbar macht. Besonders deutlich zeigt sich dieses Vorgehen in einer neuen Arbeit, die ein Stück Regionalgeschichte anhand eines Eisenschmucks transportiert: Ausgangspunkt ist ein einzelner ornamentaler Ohrring, der heute in der Kulturhistorischen Sammlung des Universalmuseums Joanneum aufbewahrt wird und um 1850 im k. k. Mariazeller Gusswerk gefertigt wurde. Auch wenn der Materialwert jenem der Edelmetalle weit unterlegen ist, ist die präzise Kunstfertigkeit, mit der das vergleichsweise günstige Eisen bearbeitet wurde, augenscheinlich. Edlinger ließ den Ohrring mittels neuester Technologien (3-D-Scan und -Druck) als Grundlage für eine mögliche Weiterbearbeitung duplizieren. Die Spiegelungen des Eisens, die den Scanvorgang stören und das Modell fehlerhaft erscheinen lassen, sind dabei ein willkommener Effekt für Edlingers Vorgang der anschließenden Dekonstruktion. Wie also würde das verlorene Schmuckstück aussehen, würde es heute wieder auftauchen?

Zur Ausstellung erscheint eine limitierte Edition des „verlorenen Ohrrings“, erhältlich im Kunsthaus Shop.

Barbara EDLINGER

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Geb.1964, in Bruck/Mur, lebt in Graz

1981–86 HTBLA für Bildnerische Gestaltung
1986 Ateliergründung, Schmuck/Kunst
1986–88 EVA & CO, Eine feministische Kulturzeitschrift, Mitarbeit
1988–2018 WERKSTADT GRAZ, Konzeption, Organisation
2000 WORKSHOP GRAZ, Konzeption, Organisation
2005 GRAZ KUNST, Konzeption, Organisation
2007 GALERIE GRAZY, Konzeption, Organisation
2012/13 ZOLLAMT, Konzeption, Organisation
2016 KLEIDERWERK, Konzeption, Organisation
2018 Galerie TRANSIT und Studio Showroom Edlinger
2019 Flax, Gründung, Konzeption

Wettbewerbe/Preise:

Frauendenkmal für Dr. Oktavia Aigner-Rollett, Land Steiermark
Kunst auf Zeit, Temporäre Plakataktion der Gruppe 77 im Stadtgebiet von Graz
1999 Hanns-Koren-Kulturpreis des Landes Steiermark mit WERKSTADT GRAZ
2001 Kunstpreis des Landes Steiermark mit WERKSTADT GRAZ

Konzeption, Mitarbeit und Teilnahme an zahlreichen Kunstprojekten sowie Konzeption und Gestaltung von Ausstellungen im In- und Ausland.

Kontinuierliche Arbeit an zeitgenössischem Schmuck im Sinne eines erweiterten Schmuckbegriffs, die eine vom traditionell gestalteten Stück am menschlichen Körper auf eine die Weltressourcen betreffende globale Sicht der Dinge vorantreibt

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