Kunsthaus Graz 2017

Leitprinzip des Jahres: „Provisorische Studien (im Entstehen)“

01.01.-31.12.2017



Seit dem 1. Juli 2016 hat das Kunsthaus eine neue Leitung. Das inhaltliche Konzept für 2017 geht vom Vorhandenen aus und macht den Titel der Ausstellung Koki Tanakas, Provisorische Studien (im Entstehen), zum Leitprinzip des Jahres. Ausgangspunkt für das Gesamtprogramm sind vorangegangene Setzungen, bereits geplante Programmteile, die Architektur von Peter Cook und Colin Fournier, Alltagsroutinen der Institution und nicht zuletzt die visuelle Identität des Universalmuseums Joanneum, zu dem das Kunsthaus Graz gehört.

Prototyp, Foto: Anna Lena von Helldorff, 2016

Prototypen und Prozesse

Ein besonderer Schwerpunkt liegt im nächsten Jahr auf dem Foyer des Kunsthauses. Künstler/innen, Designer/innen sowie Architektinnen und Architekten – wie Superflex, Oliver Hangl, Tristan Schulze, Topotek 1, Niels Jonkhans, Gerhard Eder, Anna Lena von Helldorff und Oliver Klimpel, die auch bei anderen Programmpunkten mitwirken – testen verschiedene Kommunikations- und Nutzungsformen, wobei die inhaltlich-künstlerische Ausrichtung des Kunsthauses mit funktionalen wie ökonomischen Anforderungen an eine zeitgenössische Ausstellungsinstitution verbunden wird.

 

Denn das Foyer des Kunsthauses sollte mehr sein als ein Ort, an dem man sich informiert, seine Eintrittskarten, Publikationen oder Souvenirs kauft. Es sollte ein Ort der Aktivitäten sein, der sich an alle wendet, die Freude an Kunst haben oder das Kunsthaus kennenlernen möchten – ohne dafür Geld ausgeben zu müssen.     

 

Üblicherweise werden Projekte erst veröffentlicht, wenn diese konzeptuell zu Ende gedacht und realisiert worden sind. Das Kunsthaus Graz macht jedoch den Umgestaltungsprozess selbst zum Thema: Varianten, Prototypen und Nutzungsoptionen werden entwickelt, Korrekturen „ausgestellt“ und öffentlich diskutiert.

 

Die am Beispiel der Umgestaltung des Foyers beschriebene Vorgehensweise – Begleiten des Vorhandenen, Kommentieren und Übersetzen, entsprechend den funktionalen, inhaltlichen und ästhetischen Anforderungen – spiegelt sich auch in der Konzeption des Jahresprogramms. Zu den bereits gesetzten Ausstellungen Taumel. Navigieren im Unbekannten und Erwin Wurm gesellen sich – quasi in Ergänzung und Erweiterung – Haegue Yangs The VIP´s Union, und Koki Tanakas Provisorische Studien (im Entstehen). Das Interesse am Prozessualen verbindet diese Programmpunkte. Damit entsteht ein Schwerpunkt, der um Alltagserfahrungen (Über- bzw. Unterforderung, Verlustgefühle), Alltäglichkeit und Routinen, aber auch das Durchbrechen von Routinen kreist. Im Taumel wird das Phänomen und das Ergebnis von physischer, neuronaler oder emotionaler Be- und Überlastung als Quelle von Kreativität untersucht. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt zwischen Künstlerinnen und Künstlern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

 

 

Trevor Paglen, Workers; Gold Coast Terminal; Las Vegas, NV; Distance ~ 1 mile; 8:58 a.m., 2007.
Courtesy und Copyright des Künstlers; Metro Pictures, New York

Bildhafte Beschreibungen und Imaginationen lassen bei Erwin Wurm Skulpturen entstehen, eine Wurstsemmel wird gar zum Teil einer Skulptur. In Koki Tanakas Arbeiten schneiden neun Friseure einer Person auf einmal die Haare, fünf Töpfer formen gleichzeitig eine Schale – was zunächst absurd und unmöglich anmutet, mündet in gemeinsames Handeln. Haegue Yang bittet bekannte bzw. berühmte Persönlichkeiten in Graz und der Steiermark um die Leihgabe eines Stuhls bzw. Tisches ihrer Wahl. Zusammen erzeugen diese Möbelstücke nicht nur ein Porträt des Landes und der Stadt, sondern sie geben auch Auskunft über Repräsentationsvorstellungen, Geschmack und Lebensgewohnheiten. Darüber hinaus spiegelt die Zusammenstellung vorhandene beziehungsweise angestrebte gesellschaftliche Verbindungen des Kunsthauses, das gemeinsam mit der Künstlerin die steirischen VIPs einlädt.  

Erwin Wurm, Lampenskulpturen, 2016, Foto: Studio Erwin Wurm
VIP´s Union, Artforum Berlin 2001, Foto: Studio Haegue Yang
Koki Tanaka, A Pottery Produced by 5 Potters at Once (Silent Attempt), Zusammenarbeit, Video Dokumentation (75 min), 2013
 

Re-Visionen

Im Herbst 2017 steht das Kunsthaus als Bauwerk im Mittelpunkt. Ausgangspunkt der Ausstellung Up into the Unknown (Auf ins Ungewisse) ist die Architektur des Kunsthauses, das zwischen 2001 und 2003 realisiert wurde. Die Ausstellung zeichnet die Entstehung des Kunsthauses nach und geht dabei dem Verhältnis zwischen visionären Ideen und deren Umsetzung nach. Parallel zu Beiträgen von Cook und Fournier bzw. unter Einbeziehung von Arbeiten, die ihre Überlegungen für das Kunsthaus beeinflusst hatten, werden unter dem Titel Rationalisten, Ästheten, Magengrubenarchitekten, Demokraten, Mediakraten Objekte und Zeichnungen von Protagonistinnen und Protagonisten der steirischen bzw. Grazer Architekturszene gezeigt, wie etwa von Eilfried Huth/Günther Domenig, Konrad Frey, Bernhard Hafner, Szyszkowitz-Kowalski, Manfred Wolff-Plottegg, Volker Giencke.

Bernhard Hafner, City in Space (CiS), Originalmodell, Ausstellung Architekturalternativen I, Struktureller Städtebau in der Neue Galerie Graz 1966

Im Rahmen beider Ausstellungen sind die zeitgenössische Künstler/innen Isa Rosenberger, Arthur Zalewski, Anna Meyer, Škart, Julia Gaisbacher eingeladen, sich mit Veränderungen von einst zu heute auseinanderzusetzen. Was ist aus bestimmten Ideen und damit verbundenen Haltungen geworden? Wie haben sich gesellschaftliche Ansprüche verschoben? Was bleibt? Die Künstler/innen kommentieren, im Sinne eines  „Überdenkens“, aus einer zeitlichen Distanz und mit verschiedenen bildnerischen Mitteln Veränderungen in Architektur und Gesellschaft.

Das Programm 2017 des Kunsthauses tastet sich an geplante Veränderungen heran: Hinzufügungen, Verdoppelungen, Parallelprozesse, Revisionen eröffnen einen Prozess des institutionellen „Nach- und Überdenkens“. Dieses braucht wesentlich Impulse von außen.

 

Neben dem Prinzip des Ergänzens und Verwebens von Inhalten untersucht über das ganze Jahr lang eine Gruppe von Jugendlichen von 15 bis 25 Jahren zusammen mit Kuratorinnen, Marketingteams sowie Vermittlerinnen die Kommunikation im und mit dem Museum. Museum as Toolbox ist Teil eines zweijährigen EU-Netzwerkprojekts, das im September 2017 seinen Abschluss findet.

 

Das Interesse an Impulsen von außen setzt sich mit der Einrichtung eines „Ratgeber/innen-Gremiums“ fort, das sich aus lokalen Initiativen der Stadt Graz speist.

 

Die Reihe „Offenes Haus“, begonnen 2016 im Zeichen der Öffnung des Kunsthauses Graz in verschiedene künstlerische und gesellschaftliche Richtungen, transformiert sich in das Projekt „Lokal“, das mit einer Intervention von Manfred Stocker im Lokal des Kunsthauscafés seinen Anfang nimmt.

 

 

Der Umbau des Foyers beginnt am 2.1.2017 und endet am 31.8.2018.

 

 

Barbara Steiner, Katrin Bucher-Trantow

 

 

Peter Cook, Zeichnung, 1999, © Peter Cook

Pressebericht

Das Foyer ist die Schnittstelle zwischen Kunsthaus und Publikum“, sagt Steiner. „Wenn das nicht überzeugt, was hilft mir dann die großartigste Ausstellung oben?“  

Großer Umbau: So öffnet sich das Kunsthaus

Kleine Zeitung, Gerald Winter-Pölsler, 05. Jänner 2017

Kunsthaus Graz

Lendkai 1
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9200
F +43-316/8017-9212
kunsthausgraz@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Di-So, Feiertag 10 - 17 Uhr


Kunsthauscafé

So-Do 9-23 Uhr
Fr-Sa 9-1 Uhr

T +43-316/714 957
 

Führungen

Sa 15:30 Uhr, So, Feiertag 11 Uhr (de), So 14 Uhr (en), ausnahmsweise Abweichungen möglich. Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender. Weitere Führungen nach Voranmeldung

 

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24. bis 25. Dezember