Vera Lutter

Inside In

28.02.-02.05.2004


Kuratiert von: Peter Pakesch, Adam Budak

Vera Lutter: Inside In ist die erste Ausstellung der fotografischen Arbeiten dieser Künstlerin in dieser Größenordnung in Europa. Gezeigt wird ein breites Spektrum des fotografischen Werks der Künstlerin, angefangen von frühen, 1994 entstandenen Aufnahmen urbaner Räume in New York, über einzigartige Studien von Industriegebieten – in den Serien Friedrichshafen und Frankfurt Airport (1999 bzw. 2001) – bis zu den Innenarchitekturstudien Studios und Pepsi Cola aus den Jahren 2000-2003.

 

Vera Lutter arbeitet in experimenteller Weise mit der Technik der Camera obscura und konstruiert damit faszinierende Darstellungen von Raum und Architektur. Sie erfindet das Medium der Fotografie neu und tritt in einen Diskurs über das Wesen des Bildes an sich ein, indem sie einen neuen Zugang zu Zeit und Raum schafft. So werden auf Lutters Fotos verborgene Aspekte von dargestellten Objekten und Orten sichtbar: Sie werden an den Rand des Unvertrauten und Neuen, des Unheimlichen und Gezähmten gerückt und schweben zwischen Beweglichkeit und Ruhe, Nähe und Distanz.

 

In einem abgedunkelten Raum mit einem kleinen Loch belichtet die Künstlerin das Fotopapier direkt mit den Szenen der Außenwelt. Die Bilder werden ohne Negativ hergestellt und sind folglich nicht reproduzierbare Einzelstücke. Der fotografische Prozess verkehrt die Farben auf dem Papier – der Himmel erscheint schwarz, die Gebäude weiß –, und das Bild selbst steht auf dem Kopf. Das großformatige Bild aktiviert aufgrund seiner ungewöhnlichen Ausarbeitung die Wahrnehmung des Betrachters. Es ist fast so, als würde einen seine Unermesslichkeit dazu einladen scheinbar geisterhafte Environments zu bewohnen Die Trennung zwischen physischem und subjektivem Raum wird verwischt, und der Betrachter selbst wird ein wesentliches Element der Inside In-Performance. Das Rätselhafte der ungewöhnlich langen Belichtungszeiten und ihr unerwartetes Erscheinen könnte als Strategie zur Herbeiführung eines Ereignisses aufgefasst werden, das, verbunden mit der Hinterfragung der Spontaneität des fotografischen Prozesses, die einzigartige visuelle Erfahrung bei der Betrachtung von Lutters komplexem Werk verstärkt.

 

Die Anordnung der Werke in der Ausstellung ergibt eine narrative Abfolge, die den Betrachter durch die unheimliche Realität der fotografischen Welt Lutters führt. Auf konzeptueller Ebene reflektiert sie einen Prozess der Verinnerlichung, der typisch für den Ansatz der Künstlerin ist: von einer eindrucksvollen Bilderserie über Transportmittel, in denen die Spannung auf einer starken Illusion von Bewegung und gestoppter Bewegung beruht (Fotografien von Bereichen des Frankfurter Flughafens und der Rostocker Werften), über beunruhigende Visionen großstädtischer Räume in New York, Chicago und Berlin, die einen gleichsam traumähnlichen Zustand der Spannung und der gebrochenen urbanen Erzählung wiedergeben, bis hin zu einer faszinierenden Serie von Interieurs – industrielle, meist heruntergekommene Räume, verstörend in ihrer Beklemmung und Stille. Es sind Bilder eines implodierten Raumes, in dem Verfremdung und Vertrautheit ein geistiges Konstrukt erzeugen, das über die physikalische Raumerfahrung hinausgeht. Diese letzte Serie tritt in einen konzeptuellen Diskurs als Teil eines intertextuellen Spiels mit ihren eigenen Spiegelungen innerhalb des Rahmens des Bildes ein, wobei sich die Bilder in einer beinahe endlosen Abfolge von Innenräumen vervielfältigen. Dadurch und durch die Aspekte der strukturellen Wiederholung und Selbstreflexion über das Medium verweist die Künstlerin auf Vertreter der Minimal Art und der Konzeptkunst wie Sol LeWitt und Dan Graham.

 

Die Ausstellung Inside In umfasst auch eine Fotografie, die von Vera Lutter während ihres Aufenthalts in Graz angefertigt wurde (wobei ein Raum des Kunsthauses als Lochkamera verwendet wurde).

 

Katalog
Zur Ausstellung wird ein Katalog mit Reproduktionen der Arbeiten und Texten von Lynne Cooke, Stephan Schmidt-Wulffen und Peter Pakesch sowie mit einem Gespräch Adam Budaks mit einem Künstler herausgegeben. ISBN 3-88375-811-6, Preis: € 29.90

Programm:

 

Time and Time Again
Di, 16.03.2004, 19:00h, Space04
Vortrag von Lynn Cooke

Begleitprogramm zur Ausstellung Vera Lutter, Inside In
Lynne Cooke ist seit 1991 Kuratorin an der Dia Art Foundation. Darüber hinaus lehrt sie am Bard College und der Columbia Universität. Sie hat schon zahlreiche Publikationen über zeitgenössische Kunst verfasst. 1991 co-kuratierte sie die Carnegie International, und 1996 war sie Direktorin der Biennale in Sydney.

 

Bildhauer als Fotografen.- Vera Lutter und Thomas Demand
Di, 27.04.2004, Space04
Vortrag von Stephan Schmidt-Wulffen

Begleitprogramm zur Ausstellung Vera Lutter, Inside In
Stephan Schmidt-Wulffen:
Studium der Philosophie, theoretischen Sprachwissenschaft, Kommunikationsästhetik, Promotion 1987, 1982- 1987 freier Journalist, 1987 - 2002 Teilzeitprofessur für Kunsttheorie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, 1992 - 2001 Direktor des Kunstverein in Hamburg, seit 2002 Rektor der Akademie der bildenden Künste in Wien. Visiting scholar am Center for Curatorial Studies, Bard College, New York.
Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats im ifa-Institut, wissenschaftlicher Beirat des Musée d'Art Moderne Grand Duc Jean, Luxemburg. Zahlreiche Gastvorträge an Universitäten und Museen des In- und Auslandes, Publikationen u.a. 'Spielregeln' (Köln 1987), 'Kunst...Arbeit' (Stuttgart 1999), perfektimperfekt (Freiburg 2001).
Neben Fragen der Entwicklung von Kunstuniversitäten liegt der gegenwärtige Forschungsschwerpunkt im Bereich der Museologie und Rezeptionstheorie.

 

Licht und Raum 
Mi, 24.03. und Mi, 21.04.2004, 15:00-17:00 Uhr

Begleitprogramm zur Ausstellung Vera Lutter: Inside In
für junge Gäste im Alter von 9-12 Jahre
im Rahmen der Reihe Erlebnis:Museum
An den Werken der Deutschen Künstlerin Vera Lutter, die in der ‚Camera Obscura’ - so etwas wie einem Fotoapparat, so groß wie ein Raum - entstehen, werden die Geheimnisse die Fotografie erforscht und unsere jungen BesucherInnen können selber in die wunderbare Welt der gespiegelten Bilder einsteigen.
Erlebnis:Museum ist eine Reihe von unterschiedlichsten aufregenden Vermittlungsaktivitäten, die das Landesmuseum Joanneum in seinen verschiedenen Häusern rund um seine Objekte den jungen Gästen anbietet.
Wir bitten um Voranmeldung unter
kunstvermittlung@kunsthausgraz.at
T 43-316/8017 9200

 

Unterstützt
von A1 und
Zumtobel Staff

Kunsthaus Graz

Lendkai 1
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9200
F +43-316/8017-9212
kunsthausgraz@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Di-So, Feiertag 10 - 17 Uhr


Kunsthauscafé

So-Do 9-23 Uhr
Fr-Sa 9-1 Uhr

T +43-316/714 957
 

Führungen

Sa 15:30 Uhr, So, Feiertag 11 Uhr (de), So 14 Uhr (en), ausnahmsweise Abweichungen möglich. Zusätzliche Termine entnehmen Sie bitte dem Kalender. Weitere Führungen nach Voranmeldung

 

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