Ostern

Vom Palmbuschen, Osterei und Weihfleisch

Ostern und das damit verbundene, oft traditionelle Osterbrauchtum hat in vielen Bundesländern Österreichs einen hohen Stellenwert. Was feiert man zu Ostern? Wann ist der Ostersonntag? Warum sind die Ostereier bunt? Hier haben wir typische Bräuche, aber auch so manchen vielleicht vergessenen Osterbrauch zur Einstimmung auf das Osterfest zusammengefasst.

Die Osterwoche

Palmsonntag

Ostern ist das christliche Fest der Auferstehung. Die Osterbräuche beginnen mit der Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag. In Österreich werden regional verschiedene Palmbuschen mit sieben- oder neunerlei Pflanzen gebunden, mit Bändern geschmückt, mancherorts auf bis zu acht Meter langen Stangen befestigt, zur Palmweihe getragen. Aus den gesegneten Palmzweigen werden kleine Kreuze gefertigt, die – als Segenszeichen an der Stalltür befestigt, beim Räuchern in der Pfanne mitverbrannt oder in den Ackerboden gesteckt – Unheil verhindern sollen.

Gründonnerstag

Am Gründonnerstag gelegte Eier, die Antlasseier, galten einst als besonders heilkräftig, wobei dem grün bemalten Gründonnerstagsei die Abwehr von Verletzungen, dem roten Karfreitagsei Schutz vor Feuergefahr und den blauen Karsamstagseiern Hilfe bei Hochwasser zugesprochen wurden. Am Abend des Gründonnerstags, zur Stunde der Todesangst Christi, ging der Bauer zum „Baumbeten“ auf seinen Grund, kniete unter einem Baum nieder und verrichtete mit ausgebreiteten Armen sein Gebet.

Karfreitag

Am Karfreitag, wenn keine Kirchenglocken mehr ertönen durften, zogen die Ratschenbuben morgens, mittags und abends von Haus zu Haus, mancherorts verkündeten sie die vollen Stunden. Am Karfreitag ruhte ab neun Uhr vormittags die Feldarbeit. Dafür wurden Haus und Hof gekehrt und blitzblank geputzt. 

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„Wir ratsch’n, wir ratsch’n …“

Das Ratschen, auch Leiern oder Kleppeln genannt, ist ein Brauch, der in der Karwoche ausgeübt wird. Der Überlieferung nach schweigen von Karfreitag bis zur Osternachtsfeier die Glocken, da der festliche Klang des Geläutes in der Zeit des Todes Jesu unangebracht wäre.

Einst zogen und ziehen auch heute wieder Kinder mit hölzernen Instrumenten – Ratschen und Klappern – durch die Dörfer, um mit verschiedenen Sprüchen die Gläubigen an die Andachten und Gebete zu erinnern, mancherorts auch, um die vollen Stunden kundzutun. Am Karsamstag gehen sie in die Häuser, um ihren Lohn – Eier, Fleisch oder Geld – einzusammeln.

Es gibt verschiedene Formen dieser Lärmgeräte. Die Klappern, die es bereits im Mittelalter gab, bestehen aus einem Brett mit einem Stiel, auf das ein durch ein Gelenk bewegliches Hämmerchen aufschlägt. Die Ratschen, die heute bekanntere Form, sind mit einem Stiel verbundene Walzen, über die ein beweglicher Rahmen mit mehreren Schallbrettchen rumpelt und ein knatterndes Geräusch macht. Das Ratschen-Gehen erlebt in der heutigen Zeit wieder einen neuen Aufschwung.

Karsamstag

Am Karsamstag gingen die Ratschenbuben in die Häuser, um ihren Lohn – Eier, Fleisch oder Geld – abzusammeln.

Das Jahr über war man darauf bedacht, das Herdfeuer gesichert über Nacht aufzubewahren, und achtete, dass es nicht ausging. Einmal im Jahr ließ man es jedoch bewusst ausgehen, am Karfreitag. Am Karsamstagmorgen liefen die Buben zur Kirche, um das „Weihfeuer“ zu holen. So rasch wie möglich eilten sie damit nach Hause, da die Ersten, die mit dem Feuer beim Hof eintrafen, besondere Gaben erhielten. Mit diesem Feuer wurden die Osterspeisen gekocht. Selchfleisch, Brot, Salz und Eier wurden in einem Weihkorb unter einer bestickten Decke, „Weichatuch“ genannt, zur Kirche getragen und gesegnet. Dieses Weihtuch durfte einst weder gewaschen noch anderweitig verwendet werden. Im Sommer hing man es zur Gewitterabwehr auf den Zaun.

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Ei, ei, … alles rund ums Osterei


Man sagt, dass der Zehent – die Steuerabgabe der Bauern an die Grundherren –ausschlaggebend für den Brauch des Eierverschenkens sein soll. Der Gründonnerstag galt als Zahlungs- und Zinstermin für Schulden. Da viele Gläubiger mit Naturalien zahlten und oftmals auch mit Eiern – auch Zinseier genannt –, soll der Brauch darauf zurückgehen. Aufgrund der frühjahrsbedingten Legefreudigkeit der Hennen und der vorösterlichen Fastenzeit, in der weder Fleisch noch Eier gegessen werden durften, kam es zu einem regelrechten Eierüberschuss, der sich als Zahlungsmittel anbot.

Als die Naturalienabgaben für den Zehnten in der Mitte des 19. Jahrhunderts wegfielen, blieb der Brauch des Eierverschenkens erhalten. Auch Urkunden und Rechtsbücher berichten seit dem 9. Jahrhundert von Eierzinsen zu Ostern. Eine genau bemessene Anzahl von Zinseiern musste an Herrschaften und Klöster abgegeben werden. Als Gegengabe musste die Herrschaft gewisse Zoll- und Marktfreiheiten für bestimmte Waren garantieren.

Im kirchlichen Bereich wurde aus diesem Zinsei das Eierschenken. Die Klöster und Kirchen gaben die erhaltenen und geschenkten Eier als Belohnungen an Geistliche, Kirchendiener und Spitalspersonal und in der Folge auch an arme Leute der Umgebung weiter, in Form geweihter oder als Osterfladen gebackener Eier. Im 16. Jahrhundert kam das Eierschenken als Patengeschenk auf.

Warum sind die Ostereier bunt?


Funde zeigen, dass bereits die frühen Christen Mesopotamiens Eier färbten, bevorzugt in der Farbe Rot, die an das Blut Christi erinnert und als Farbe des Lebens gilt. Dass die Eier verschieden gefärbt wurden, hatte praktische Gründe. Aufgrund des Fastengebotes der katholischen Kirche durften ab Aschermittwoch bis zum Ostersonntag neben Fleisch auch keine Eier gegessen werden.

Damit die in der vierzigtägigen Fastenzeit anfallenden Eier nicht schlecht wurden, mussten sie haltbar gemacht werden. Dazu kochte man sie zunächst in Wasser. Um die gekochten von den frischen, noch ungekochten Eiern zu unterscheiden, wurden Pflanzen zum Färben der Eier mit in das Kochwasser getan, die sie unterschiedlich färbten. Somit gab es am Ostersonntag verschieden gefärbte Eier.

Alles rund um die Osterjause

Diese Speisen sind in der Steiermark traditionell. Zur Osterzeit wurden einst von der Bäuerin große Schinken gekocht, das Fleisch ließ man in der Suppe auskühlen. Mit Schinkenstücken, hart gekochten Eiern und Krenwurzel, obendrauf ein Laib helles Osterbrot, wurde der Weihkorb gefüllt. Der Korb wurde auf ein reich besticktes Weihtuch gestellt, die Enden übereinandergeschlagen, verknotet und zur Speisensegnung gebracht. Am Morgen des Ostersonntags kam endlich der feierliche Moment, an dem der Weihkorb geöffnet wurde.

Zur Osterzeit wurden große Laibe Weihbrot aus weißem Mehl mit Milch und Germ im Backofen gebacken. Wer es sehr fein machen wollte, gab ein paar Rosinen hinein.

Die Dorfgasthöfe der Oststeiermark übten einen gastlichen Brauch für ihre Stammkunden. Am Ostersonntag, nach dem Kirchgang, wurde aufgeschnittenes Weihfleisch, Kren, Brot und Eier auf allen Wirtstischen aufgetragen. Das war eine Ostergabe, jeder konnte kommen und sich bedienen, soviel er wollte. Nur der Trunk dazu musste bezahlt werden.

„Da kam mancher, der das ganze Jahr nicht ins Wirtshaus ging, und aß sich an. Wenn aber ein Stammkunde nicht fest zugriff, war es eine Beleidigung des Wirtes“, der gleich hinterfragte, ob sein „G’selchtes zu schlecht sei“. (Anni Gamerith, Speise und Trank im südoststeirischen Bauernland, Graz 1988, S. 46)

Am Karsamstag wurden in den Häusern Selchfleisch und Bratwürste gekocht, feines Weißbrot gebacken, gekochte Eier mit umgebundenen Zwiebelschalen gefärbt, bevor das Ganze mit einer Krenwurzel ergänzt in einen Stroh- oder Weidenkorb gelegt unter einer Weihdecke zur Kirche getragen wurde.

Das Feuer zum Kochen des Weihfleisches musste mit dem glühenden Feuerschwamm entzündet werden, der am Karsamstagmorgen vor der Kirche geweiht wurde. Am Ostersonntag wurde schon beim Frühstück vom Inhalt der Körbe gegessen und auch Vorübergehende wurden damit immer wieder bewirtet. Die Dienstboten bekamen davon einen größeren Teil als Beikost für die nächsten Tage.

Die Mädchen schenkten ihrem Liebsten ein rotes Ei, als Gegengeschenk war am Kirtag ein Lebkuchenherz fällig.

Ostersonntag

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag wandelt sich die Trauer über den Tod Jesu in die Freude über seine Auferstehung. Am Karsamstag war man schon in aller Früh bei der Feuerweihe und brachte das gesegnete Feuer mit einem glimmenden Birkenschwamm heim. Mit diesem wurde das Holz zum Weihfleischkochen entzündet.

Als Zeichen der Freude wurden Osterfeuer entzündet und Böller geschossen. Höhepunkt der Osterzeit war die Auferstehungsfeier, zu der alle in neuem Gewand erscheinen mussten. Der Bauer war verpflichtet, den Mägden und Knechten ein neues Sonntagsgewand zu geben. Das verzierte oder gefärbte Osterei war ein Geschenk der Eltern und Paten an die Kinder und Dienstboten, es war Freundschafts-, Minne- und Verehrungsgabe.

Seltene Bräuche

Osterwissen für Spezialistinnen und Spezialisten

Im Folgenden werden einige bereits sehr alte bzw. schon selten gewordene Bräuche rund ums Osterfest kurz beschrieben.

Eierscheiben

Eine Rutsche aus zwei Brettern war schnell gebaut. Über diese ließen die Kinder die Eier über einen nicht zu steilen Hang rollen. In einem weiten Bogen liefen sie dann nach rechts oder links, je nachdem, wohin man die Spitze gerichtet hat. Der nächste musste nun versuchen, das Ei zu treffen, dann gehörte es ihm. Sonst blieb es ebenfalls liegen, bis eines getroffen wurde.

Ein anderer Brauch war, mit einer Münze in einem gezielten Wurf die Eischale zu beschädigen. Gelang es nicht, so bekam der Gegner die Münze

„Ins Grean gehen“

Am Ostersonntag ist das Besegnen der Felder Brauch, man nennt diesen Brauch „ins Grean gehen“. Der Bauer geht mit seinen Leuten auf die Felder und unter stillem Beten werden Palmzweige und Holzscheite, die bei der Feuerweihe am Karsamstag angeglüht wurden, in die Raine gesteckt, ab und zu auch Knochen vom Weihfleisch.

Tipps zum Selbermachen

Eierfärben so wie früher


Zum Färben der Eier kann man verschiedene Obst- und Gemüsesorten mit intensiven Farbstoffen, wie z. B. rote Rüben, getrocknete Heidelbeeren, Blattspinat oder Zwiebeln, vor allem die roten, verwenden.
 

  1. Man kocht 1 Liter Wasser auf und gibt für rote Ostereier z. B. rote Rüben, für blaue Eier getrocknete Heidelbeeren dazu und lässt alles auf mittlerer Stufe eine Stunde köcheln. Danach muss die Farbe abkühlen.
  2. Während die Farbe abkühlt, werden die Eier 10 Minuten bei ca. 90 Grad hartgekocht und anschließend mit kaltem Wasser abgeschreckt. Damit die Farbe auf den Eiern gut hält, reibt man sie mit Essig ab.
  3. Das Wasser mit der Farbe wird nun abgeseiht, ein Schuss Essig hinzugefügt und in Schüsseln oder andere Behältnisse gefüllt. Die gekochten Eier werden in die Farbe eingelegt. Je länger sie in der Farbe liegen, umso intensiver werden sie gefärbt.


Zum Trocknen legt man die Eier auf Küchenpapier und poliert sie mit Öl, damit sie schön glänzen.

Backe, backe … Osterbrot

Mit diesem Rezept gelingt auch das Osterbrot. 

Zutaten:
1 kg Mehl (glatt)
1 EL Salz
12 dag Zucker
12 dag Butter
1 Würfel Germ
2 Eidotter + 1 Ei zum Bestreichen
Zitronenschale
½ l Milch
1 TL Anis in 1/16 l Weißwein über Nacht einweichen und abseihen

Zubereitung:
Die trockenen Zutaten vermischen, in der Mitte in einer Grube ein Dampfl aus Germ, 1 EL Zucker und etwas warmer Milch bereiten und zugedeckt 15 Minuten gehen lassen. Restliche Zutaten dazugeben und einen mittelfesten Teig bereiten. Daraus zwei runde Brote formen, diese auf ein Backblech legen, mit Ei bestreichen, mit einem scharfen Messer ein Kreuz einschneiden und nochmals gehen lassen bevor es bei 180 Grad zirka 60 Minuten gebacken wird.

Erfahren Sie wie man Germ selbst herstellen kann: Expand Box

Hefe selbst gemacht!

Sollte man im Supermarkt keinen Germ bzw. keine Hefe bekommen, lässt sich diese ganz einfach auch zuhause herstellen.

Hierzu benötigt man:

  • 100 ml Bier zimmerwarm
  • 1 EL Zucker
  • 1 TL Mehl


Bier, Zucker und Mehl vermengen, in das Glas füllen und bei Zimmertemperatur (auf dem Fensterbrett oder an einem warmen Ort wie Wohnzimmer) 24 Stunden gären lassen.


Tipp!
Die Menge Germ entspricht einem Hefewürfel.

Rund ums Brauchtum

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Das Feiern verschiedener Feste sowie das damit verbundene Brauchtum waren seit jeher Fixpunkte in der ländlichen Alltagskultur. Im Österreichischen Freilichtmuseum Stübing haben die Besucher/innen die Möglichkeit,Tradition, Brauchtum und Volkskultur wie anno dazumal zu erleben.

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Österreichisches Freilichtmuseum Stübing


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