Miniaturchristbaum

Objekt #1 | Um 1940, Volkskundemuseum, UMJ

 

 

Über das Objekt:

Der Miniaturchristbaum stammt aus dem Besitz einer Grazer Familie, die ihn während des Zweiten Weltkrieges käuflich erwarb. Er wurde innerhalb der Familie weitergegeben, bis er im Jänner 2022 dem Volkskundemuseum übergeben wurde. Miniaturbäume wie dieser wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts angefertigt und waren vor allem bei Seeleuten beliebt, die Weihnachten ohne ihre Familie auf hoher See verbrachten. Im Ersten Weltkrieg fertigte die Oberste Heeresleitung des deutschen Heeres Zehntausende solcher Miniaturbäume industriell an und versendete diese zu Weihnachten per Feldpost an die Soldaten an den Fronten. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden diese kleinen Bäumchen zum Fronteinsatz geschickt.

Viele von ihnen wurden sorgsam aufbewahrt und aufgrund der anhaltenden Not auch nach Kriegsende weiterverwendet. Sehr oft ließen sich diese Bäumchen auch falten, um sie besser transportieren zu können. Außerdem sind solche Miniatur-Weihnachtsbäume immer wieder auch in historischen Puppenstuben zu finden. Angefertigt aus kostengünstigen Materialien wie Gips und Papier, waren sie Ausdruck dafür, dass sich das Weihnachtsfest auch in schweren Zeiten mit einem vertrauten Brauchobjekt begehen lässt. 

Der Miniaturbaum besteht aus Papierästchen, die durch Klebe-Papier zusammengehalten werden, dekoriert mit verschiedenen gestanzten Anhängern und Girlanden. Auf dem kleinen hölzernen Sockel ist „Kriegsweihnacht 1944“ eingraviert.