Schloss Trautenfels

Dauerausstellung Landschaftsmuseum

Das Landschaftsmuseum erzählt in 13 kaleidoskopartig angeordneten Räumen von der Kultur- und Naturgeschichte des Bezirkes Liezen, dem mit 3.315 km² Fläche größtem Bezirk Österreichs. 

Jeder Themenraum ist einem besonderen Schwerpunkt gewidmet, der die Region und die Sammlung des Museums betreffend Objekte aus den Bereichen Kultur, Mensch und Natur vereint. Ausblicke in die Landschaft ermöglichen inhaltliche Verbindungen zwischen innen und außen.

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Ein Kalstein-Felsbrocken liegt vor einem Gemälde auf einem Podest. Auf dem Gemälde ist der Berg Grimming zu sehen.

Bildinformationen

1 Von unserem Museum

Der erste Raum, der sogenannte Einstimmungsraum, führt die Besucher*innen in die Welt des Museums ein. Hier werden Objekte und Gegenstände aus Natur, Kultur, Kunst und dem Alltagsleben der Menschen zu etwas Besonderem und erzählen herausgelöst aus ihrem ursprünglichen Kontext Geschichte und Geschichten.

Zwei ausgewählte Objekte – ein Stück Dachsteinkalk, das uns draußen in der Natur alltäglich erscheint, erzählt hier von 220 Millionen Jahren erdgeschichtlicher Entwicklung. Das Bild von Herbert Brandl zeigt den monolithischen, die Landschaft des Ennstales prägenden Grimming.

Im Lauf der Zeit
werden Berge niedriger
und Felsbrocken runder
schneiden sich Flüsse tiefer ein
kommen Dinge ins Museum
wird Unscheinbares spannend
Vergessenes wieder sichtbar
Alltägliches zur Besonderheit
wird Vergangenes begreifbar
sieht man draußen manches neu
im Lauf der Zeit

2 Von Wald und Holz

Mehr als die Hälfte des Bezirkes Liezen ist von Wald bedeckt. Laut österreichischer Waldinventur 2007/2009 sind 70 % – das entspricht 232.000 ha – der Gesamtfläche von Wald bedeckt, davon sind ca. 89.000 ha Schutzwald. Die Themen Wald als Ökosystem sowie Holz als wichtiger Rohstoff für die Menschen prägten und prägen den Bezirk Liezen seit Jahrhunderten.

Wie die Pflanzen im Laufe der Erdgeschichte unseren Planeten besiedelten und so auch den Lebensraum für die nachziehende Tierwelt bildeten, zeigt die multimediale Präsentation „Pflanzen erobern das Festland. Erdgeschichte im Zeitraffer“.

Vor rund 420 Millionen Jahren eroberten die Pflanzen das Festland und ca. 50 Millionen Jahre später existierten die ersten Wälder. Vor rund 20.000 Jahren, am Höhepunkt der vorerst letzten großen Kaltzeit im Alpenraum, war die Steiermark weitestgehend baumlos – erst danach entwickelte sich der „steirische Urwald“. Während der letzten Jahrhunderte prägte der Mensch das Erscheinungsbild des Waldes und unserer Landschaft. Die intensive Nutzung dieser natürlichen Ressourcen durch Bergbau und Verhüttung seit der Bronzezeit, vor allem im Mittelalter und der Frühen Neuzeit, führte zu einer starken Veränderung des natürlichen Baumbestandes und einer Überbeanspruchung der Wälder. Maximilian I. (reg. 1493–1519) legte den Grundstein für die ersten einschneidenden forstlichen Maßnahmen.

Die Gegenüberstellung von Natur- und Wirtschaftswald stellt für diese beiden Bereiche jeweils typische Präparate aus der Flora und Fauna, teilweise in Form von Kleinbiotopen, vor, um Symbiosen in der einzigartigen Lebensgemeinschaft Wald sichtbar zu machen. Die Nutzung des Waldes durch den Menschen vor der Industrialisierung wird durch Arbeitsgeräte der Holzknechte, Fotos und ein Video zur Holzbringung veranschaulicht.

Frühe einfache, jedoch technisch sehr durchdachte Arbeitsgeräte aus Holz, präsentiert vor dem Hintergrund einer bäuerlichen „Machlkammer“, sprechen für die große Bedeutung des Werkstoffes Holz in der bäuerlichen Arbeits- und Lebenswelt. In dieser alpinen ländlichen Region kann man durchaus von einer „Holzzeit“ sprechen. War doch ein Großteil der bäuerlichen Gehöfte ebenso aus Holz gebaut wie Hausgeräte und Möbel sowie die Geräte zur Verrichtung der täglichen, je nach Jahreszeit unterschiedlichen Arbeiten.

3 Zwischen Berg und Tal

Ein Schichtenmodell des Bezirkes Liezen im Maßstab 1 : 18.000 steht im Mittelpunkt des Raums und lässt die naturräumliche Struktur und die Ausdehnung des mit 3.315 km² größten Bezirkes Österreichs nachempfinden. Vom Ufer der Enns ausgehend bis zu den höchsten Gipfeln der Tauern und Nördlichen Kalkalpen befinden sich je nach Höhenlage unterschiedlichste Biotope. Diese vielfältigen Lebensräume werden rund um das Schichtenmodell mittels Pflanzen- und Tierpräparaten sowie Kurzfilmen – den Höhenstufen vom Auwald bis ins Hochgebirge folgend – vorgestellt: Fließgewässer und Auwald; stehende Gewässer – Seen, Seeufer; Niedermoore und Hochmoore; Hangwälder; Baumgrenze; Rasen- und Zwergstrauchheiden über der Baumgrenze; Fels- und Schuttfluren der Gipfelregion.

Auf einem Monitor erzählen Computeranimationen von der Entstehung der Landschaft. Sie zeigen die Modellierung des Enntales seit der letzten Vergletscherung („Das Ennstal erhält den vorerst letzten Schliff“) und veranschaulichen die Struktur und Dimension des imposanten Kalkberges Grimming mittels 3-D-Überflug („Vom Weltall zum Grimming“).

Unter dem Schichtenmodell symbolisiert eine mit perforierten Blechen verkleidete Vitrine die zahllosen Heustadel des Ennsbodens, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zur Einlagerung des dort gewonnenen Heus dienten. Der Transport wurde im Winter bei gefrorenem Boden durchgeführt. Die noch vorhandenen einfachen Bauten dieser Art werden heute unterschiedlich genutzt. In diesem abstrahierten „Museums-Heustadel“ erzählen landwirtschaftliche Geräte aus der Zeit vor der Industrialisierung als wertvolle Zeugnisse von jenen Arbeiten, die die Veränderung der Landschaft und deren Bewirtschaftung mitgeprägt haben. Die Rodung der Wälder für Weide- und Ackerflächen und die Regulierung der Enns, um den Talboden landwirtschaftlich nutzbar zu machen und sichere Verkehrswege anzulegen, veränderten das Erscheinungsbild des Tales nachhaltig.

Beim Blick aus dem Fenster in Richtung Süden zeigt sich eine ehemalige Flussschleife (Altarm) der Enns in Neuhaus, wo 1860 – mit dem sogenannten Neuhauser Durchstich – mit der Regulierung der Enns begonnen wurde. Der Bau der Eisenbahn durch das Ennstal einige Jahre später wurde in dieser Form erst durch die Regulierung möglich.

4 Von den schönen Dingen

„Schön ist eigentlich alles, was mit Liebe betrachtet wird“ (Christian Morgenstern)

Viele Dinge in der Natur oder aus den unmittelbaren Lebensbereichen empfinden wir als schön. Mit dieser Wahrnehmung entsteht der Wunsch, diese Dinge zu besitzen oder auch persönliche Gegenstände entsprechend zu gestalten. Über den alltäglichen Gebrauchswert hinaus sollten sie einen ästhetischen Anspruch erfüllen und besondere Wertschätzung hervorrufen.

Es sind Objekte der Volkskunst, der Handwerkskunst und auch aus der Natur, die hier Ästhetisches aus unterschiedlichen Blickwinkeln repräsentieren. Gebrauchsgegenstände, Arbeitsgeräte oder sogenannte „Liebesgaben“ aus unterschiedlichsten Materialien sind in einem überdimensionalen Setzkasten ausgestellt und stehen exemplarisch für die Vielfalt von Objekten aus dem Bereich der Volkskunst in der Sammlung von Schloss Trautenfels. Charakteristisch für das Aussehen sind bestimmte Regeln der äußeren Form, aber auch Gesetze des Inhalts. Bezeichnend ist auch das Streben nach Ordnung und Überschaubarkeit. Symmetrie, geometrische Muster, Stilisierung und die sparsame Verwendung von Farben sind wesentliche Merkmale. Religiöse Zeichen und Symbole, Menschen, Tiere und Pflanzen in Darstellungen des Alltagslebens sind häufig verwendete Motive.

Die beiden Fenster in Richtung Westen geben in diesem Raum den Blick zum majestätischen Grimming frei. Je nach Wetterlage zeigt sich hier ein prächtiges Naturschauspiel. Um sich auch bei Regenwetter ein Bild von diesem landschaftsprägenden Berg machen zu können, stehen Fotoimpressionen des Grimmings von der Ostseite und der Nordseite in verschiedenen Situationen zur Verfügung.

5 Vom wahren Glauben

Reformation und Gegenreformation sowie die evangelische Kirche Neuhaus (1574–1599) stehen im Zentrum dieses Raumes. Die Mittelinstallation zeigt neben dem Modell dieser Kirche einige unscheinbare, 1992 ausgegrabene Reste des Gebäudes.

Am 31. Oktober 1517 heftete der Mönch Martin Luther 95 Thesen gegen den Ablasshandel an das Portal der Schlosskirche von Wittenberg. Innerhalb weniger Wochen drang die Kunde dieser reformatorischen Gedanken bis in die Obersteiermark. Die Familie Hoffmann, die Freiherrn von Grünpühel und Strechau, waren im 16. Jahrhundert auch Besitzer der Burg Neuhaus (heute Schloss Trautenfels). Als einflussreiche Förderer des neuen Glaubens unterstützten sie großzügig den Bau der ersten lutherischen Kirche in Neuhaus im Ennstal. Das 1574 nahe der damaligen Burg errichtete Gotteshaus erfreute sich eines regen Zulaufs der Gläubigen.

Im November 1599 zog eine Reformationskommission, von 800 Söldnern begleitet, durch die Obersteiermark. Sie zwang die Menschen zum Eid auf die katholische Kirche, ließ die lutherischen Bücher verbrennen und die protestantischen Bethäuser von Au, Neuhaus und Rottenmann vollständig zerstören. Viele der Evangelischen entzogen sich der gegenreformatorischen Unterdrückung durch Flucht in die protestantischen Gebiete Deutschlands. Andere versuchten ihrem Glauben weiterhin im Geheimen treu zu bleiben.

In der Zeit bis zum Toleranzpatent 1781 verließen viele Protestanten die Region oder bekehrten sich nur zum Schein, während sie ihren Glauben geheim ausübten. Dementsprechend verweist die Atmosphäre des Raumes auf das Spannungsfeld von Reformation und Gegenreformation.

6 Vom geselligen Leben

Die imaginäre Wirtsstube soll die Bedeutung des Wirtshauses für das soziale und wirtschaftliche Leben im Dorf verdeutlichen. Im Mittelpunkt steht der Stammtisch, auf dem per Knopfdruck Stammtischgespräche und Musikstücke abrufbar sind. Im Gespräch wie im Zuhören erschließt sich eine Melange verschiedenster Stimmlagen, Geräusche und Töne, wie wir sie nur aus dem Wirtshaus kennen.

Im Rondell sorgen Einrichtungsgegenstände aus verschiedenen Wirtshäusern im Bezirk Liezen wie z. B. ein Eisschrank für eine Atmosphäre des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Objekte in Guckkästen stehen für besprochene Tagesthemen, die Teil des Wirtshauses oder die Basis von Gesprächen waren, wie unter anderem Wilderei oder Vogelfang. Historische Fotografien erzählen vom Zeitgeschehen und vom Alltagsleben der dörflichen Gemeinschaft. Ein Monitor zum Thema Nationalsozialismus steht für die kritische Auseinandersetzung mit zeitgeschichtlichen Themen der Region.

Die Wirtshäuser nahmen im Bezirk Liezen, der durch ein vielfältiges Wirtschaftsleben und seit dem 19. Jahrhundert vom zunehmenden Tourismus geprägt ist, seit jeher einen bedeutenden Stellenwert ein. Besonders der durch den Salz-, Eisen- und Provianthandel bedingte rege Transportverkehr war für die Wirtshäuser von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Diese bildeten mit der Kirche den Mittelpunkt eines sozialen Netzes, das weit über die räumlichen Grenzen eines Dorfes hinausreichte.

Land- und Forstwirtschaft, Bergbau und Verhüttung waren auf ein gut funktionierendes Transportsystem angewiesen und die zu Handelszwecken Reisenden förderten das gute Auskommen der Wirtshäuser. Neben dem Angebot von Speisen und Getränken nahm die Möglichkeit des Zusammenkommens und der Kommunikation eine ganz bedeutende Funktion für die dörfliche Gemeinschaft ein. Geschäfte wurden ausverhandelt, in privaten Gesprächen informierte man sich über Ereignisse in Familie und Nachbarschaft, politische Entwicklungen oder Tagesereignisse. So spielten Wirte auch eine wesentliche soziale Rolle im dörflichen Gefüge. Häufig betrieben sie auch Landwirtschaft, Bierbrauereien, Fleischhauereien oder andere Gewerbe.

Der Kegeltisch, ein sogenannter „Drauhn’l-Tisch“, lädt unsere Besucher*innen zu einem aktiven Spiel ein.

7 Von Kleidern

Der Intention der Schausammlung folgend, die Natur- und Kulturgeschichte ganzheitlich zu präsentieren, werden neben Kleidungsstücken auch naturwissenschaftlich wertvolle Objekte gezeigt.

Unter den Aspekten „Schutz und Signal“ wird jene Kleidung betrachtet, die Frauen, Männer oder Kinder in dieser Region getragen haben. Dies führt uns auch zum Begriff Tracht, der „das Tragen“ oder „das, was getragen wird“ bedeutet. Soziale und wirtschaftliche Verhältnisse bestimmten die Kleidung. Bis ins 19. Jahrhundert entwickelten sich regionale Unterschiede.

Mit der beginnenden Sommerfrische im 19. Jahrhundert kamen im Gefolge des Kaiserhauses zahlreiche Adelige aufs Land, mit Vorliebe ins Salzkammergut, später auch viele großbürgerliche Familien. Diese orientierten sich an der Kleidung der Menschen am Land und begannen, sich in romantischer Sichtweise wie diese anzuziehen. Im 20. Jahrhundert erfolgte im Zuge der Trachtenerneuerung eine Wiederbelebung der Tracht, die im Nationalsozialismus zu einer Idealisierung und Instrumentalisierung führte. Obwohl dabei auch eine Veränderung nach dem Geschmack der Zeit erfolgte, wurden im Zuge der Trachtenerneuerung gültige Trachtenformen für bestimmte Regionen definiert.

Das Tragen von Trachten erfährt im 21. Jahrhundert eine Renaissance und auch die notwendige wissenschaftliche Aufmerksamkeit: Tracht wird nicht nur vermehrt getragen, sondern auch hinsichtlich politischer Idealisierungen und Instrumentalisierungen –  vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus – kritisch hinterfragt und aufgearbeitet.

8 Von Arbeit und Brauch

Der Raum widmet sich dem landwirtschaftlichen Alltag, dem Arbeitsleben und den Bräuchen in unserer alpenländischen Region vor der Industrialisierung. Der Wechsel der Jahreszeiten bestimmte das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen. Das bäuerliche Leben fügte sich harmonisch in den natürlichen Wechsel der Jahreszeiten ein.

Den Jahreszeiten Sommer und Winter entsprechend teilt sich der Raum in eine helle und eine dunkle Hälfte. Zwei Figurinen zeigen die bäuerliche Handarbeit, exemplarisch mit den wichtigen Tätigkeiten von der Aussaat bis zur Ernte, die auch den gesamten Sommer mit Arbeitszeiten von bis zu 17 Stunden täglich ausfüllten.

Die Figurinen auf der dunklen Seite, der Seite des Winters, sind ausgewählte Beispiele für die zahlreichen Bräuche im Bezirk Liezen, deren Abläufe in kurzen Filmen vorgestellt werden.

In der agrarisch orientierten Gesellschaft sind die Jahreszeiten und damit die Sonnenwenden und Tag- und Nacht-Gleichen als markante Abschnitte besonders wichtig. Sie zeigen Zeiten der Aussaat, der Ernte und der Ruhephase an und sind als Übergänge mit bestimmten Bräuchen besetzt. Die bäuerlichen Arbeitsprozesse hängen unmittelbar mit dem Werden und Vergehen in der Natur zusammen. Auch wenn die Landwirtschaft bis heute in vielerlei Hinsicht modernisiert wurde, bildet die enge Verbindung mit dem Kreislauf der Jahreszeiten und der Natur noch immer eine wesentliche Konstante landwirtschaftlicher Arbeit.

9 Von den Schätzen aus den Bergen

Die Darstellung von historischem Bergbau bis zur Industrialisierung, Vitrinen-Paare mit Ausgangs- und Endprodukten sowie ein Einblick in das Thema Salzgewinnung kennzeichnen diesen Themenraum.

Bereits um 4000 vor Christus (Bronzezeit) hat sich im Bereich des Palten-Liesing-Tales ein überregionales Montanzentrum entwickelt, in dem vor Ort abgebautes Kupfer mit importiertem Zinn zu Bronze verhüttet wurde. Ab dem Mittelalter bis in die frühe Neuzeit war vor allem das obere Ennstal mit seinen Seitentälern ein Bergbauzentrum mit internationaler Ausstrahlung. Der Schladminger Bergbrief, in dem die Rechte und Pflichten der Bergarbeiter aufgezeichnet wurden, war Vorbild für viele Bergordnungen in ganz Europa. Vor allem der Abbau von Silber, das als Münzmetall sehr begehrt war, begünstigte den wirtschaftlichen Aufstieg der Bergbaustadt Schladming.

Die Bergwerke lagen im Hochgebirge, zum Beispiel in der Zinkwand in Höhen zwischen 1.800 und 2.200 Metern. Vor allem während der Wintermonate waren die Gewinnung der Erze sowie die Beförderung mittels Sackzug ins Tal zu den Verhüttungsanlagen sehr anstrengend und mühsam. Mit einem neu gefundenen Verfahren zur Nickelgewinnung war es möglich, den Bergbau nach seinem langsamen Niedergang in Schladming bis ins 19. Jahrhundert fortzuführen.

Ein bis heute bedeutender Wirtschaftszweig ist die Salzgewinnung im Ausseerland. 1147 setzte die industrielle Gewinnung von Salz in Bad Aussee ein. Sie erfolgte durch Auslaugung des salzhaltigen Haselgebirges (gesteinsartige Mischung aus Tonen, Sanden und Salz) mittels Wasser. Die so im Berg entstandene Sole wurde durch Holzrohre in die Saline geleitet – dort wurde durch Verdampfen das Salz gewonnen. In Holzformen gefüllt und getrocknet, entstanden kegelförmige Salzstöcke („Salzfüderl“), die in die umgebenden Regionen geliefert wurden.

10 Von den Behausungen

In diesem Themenraum steht das Schutzbedürfnis von Mensch und Tier im Mittelpunkt der Präsentation. Menschen versuch(t)en sich vor unbeeinflussbaren Gefahren und Naturgewalten wie Feuer, Überschwemmungen und Lawinen sowie Krankheit und Tod mithilfe von übernatürlichen Kräften wie z. B. Heiligenfiguren oder -bildern, geweihten Palmbuschen, Schutz- und Segenszeichen oder Antlaßeiern zu schützen. Für die Kontextualisierung des Bereiches Natur stehen ein Murmeltierbau, das Nest einer Beutelmeise und als besondere Attraktion ein bewohnter Schaubienenstock.

Die Menschen bauen sich Häuser und ihren Nutztieren Ställe, um in der kalten Jahreszeit und bei ungünstiger Witterung geschützt zu sein. Die meisten Bauernhäuser und Nebengebäude in der Region wurden in Blockbauweise aus Holz errichtet und teilweise mit Brettern verschalt. Steinbau und Mauerwerk beschränkten sich auf die Keller und den Bereich der Feuerstätten.

An den Ecken und den Einbindungen der Zwischenwände aus Holz, den sogenannten Blockwandverbindungen, wurden mitunter sehr kunstvolle Verbindungselemente, teilweise mit Symbolen geschaffen – diese werden als Zierschrote bezeichnet. Unterschiedliche Bauformen kennzeichnen die Bauernhöfe des oberen, mittleren und unteren Ennstals und des Ausseerlandes. Sie stehen für die charakteristischen Hauslandschaften der einzelnen Regionen.

11 Vom Leben auf der Alm

Viehwirtschaft kennzeichnet die bäuerliche Wirtschaftsform im Bezirk Liezen. Das Bewirtschaften von Almen und die Nutzung von Hochweiden während der Sommermonate war und ist heute noch von großer Bedeutung. Im Jahr 2019 gibt es im Bezirk Liezen 508 Almen, die im Almkataster der Agrarbezirksbehörde für Steiermark eingetragen sind. Davon werden 485 bewirtschaftet.

Der umfassenden Bedeutung und der vielseitigen Arbeitswelt, die sehr lange ausschließlich von Frauen, den sogenannten Sennerinnen, betreut wurde, widmet sich dieser Themenraum in Installationen wie z. B. Almabtrieb, Bergheugewinnung oder den Hinweisen auf die ökologische Veränderung durch die Bewirtschaftung.

Die „Milcharbeit“ stand im Zentrum der Almwirtschaft. Da bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts kaum Milch ins Tal geliefert wurde, musste sie auf der Alm zu lagerfähig(er)en Produkten wie Butter, Butterschmalz, Käse und Schotten verarbeitet werden. Die Herstellung von Butter und Steirerkäse vor der Industrialisierung wird in diesem Raum anhand von Objekten, Fotos und einer „Steirerkas-Vitrine“ zum Riechen dargestellt.

Als Besonderheiten dieses Themenbereiches und auch der Sammlung von Schloss Trautenfels stehen hier in Kerbschnitt verzierte Arbeitsgeräte wie Buttermodel und Rahmzwecke, die kunstvoll beschnitzt sowohl als Arbeitsgeräte wie auch als Objekte der Volkskunst bezeichnet werden. Die fünfteiligen Klappmodel, eine besondere Form von Buttermodel in der Region, weisen mit den Motiven auf die Lebens- und Alltagswelt der Menschen hin. Sie zeigen religiöse Motive, Jäger, Sennerinnen, Tiere als Symbole sowie geometrische Motive oder Wappen. Durch das Eindrücken der Butter in diese fünfteiligen Model entstanden sogenannte „Butterstöckl“, die mit den reliefartigen Verzierungen wohl auch auf die Wertigkeit des Nahrungsmittels Butter hinweisen.

12 Vom Jagdzimmer des Schlossherrn

Das frühere Aussehen des Jagdzimmers im Schloss Trautenfels lässt sich durch historische Fotos dokumentieren. Geweihmöbel sind in Europa seit dem frühen 19. Jahrhundert bekannt, Leuchter oder andere spezielle Einrichtungsgegenstände aus Geweihteilen gab es teilweise schon viel früher. Im 19. Jahrhundert waren Geweihmöbel besonders modern. In vielen Jagdschlössern oder Jagdzimmern war es üblich, Geweihstangen zur Herstellung von Sitzmöbeln zu verwenden.

Das Trautenfelser Geweihzimmer beeindruckt mit seiner kunstvollen bislang einzigartigen Einrichtung, deren Charakteristik durch künstlerisch hochwertige Einlege- und Mosaikarbeiten geprägt ist. Auch Gebrauchsgegenstände wie Kerzenständer, Geschirr und sogar eine Dochtschere sind flächendeckend mit feinen Geweihplättchen ummantelt.

Die Herkunft bzw. Hersteller dieser kunsthandwerklich außergewöhnlichen Arbeit sind derzeit noch nicht bekannt. Es besteht die Vermutung, dass es sich um die Einzelanfertigung einer regionalen Werkstätte handeln könnte.

Von den Handarbeiten

Die Sammlung des Landschaftsmuseums im Schloss Trautenfels bewahrt eine vielfältige Sammlung von Textilien, wobei Stickereien in Kreuzstichtechnik einen Schwerpunkt bilden. Ausgewählte historische Objekte werden im Handarbeitsraum im Zwischengeschoss gezeigt.

 

Die „Handarbeitsrunde Schloss Trautenfels“

Diese Runde wurde von SR Maria Erlbacher im Jahr 1981 gegründet. Durch das Engagement von Frau Erlbacher entstanden auch die Handarbeitshefte „Kreuzstichmuster“ und „Überlieferte Strickmuster aus dem steirischen Ennstal“, die vom Verein Schloss Trautenfels herausgegeben werden. Teilweise wurden dazu Vorlagen nach historischen Mustern von Objekten aus dem Museum gezeichnet, nachgearbeitet und veröffentlicht.

Aktuell wird die „Handarbeitsrunde Schloss Trautenfels“, die nun einen eigenen Arbeitskreis im Verein Schloss Trautenfels bildet, von Christine Schachner und Helga Schmidl geleitet. Die aktiven Frauen treffen sich regelmäßig und führen Handarbeiten in verschiedenen Techniken (Modelstricken, Kreuzstich – ein- und doppelseitig, Zopfstich, Flechtstich, Assisi Stickerei, Makramee knüpfen) aus. Die große Vitrine im sogenannten „Handarbeitsraum“ wird jedes Jahr von den Damen je nach Thema der Sonderausstellung mit passenden Arbeiten eingerichtet, die somit im Dialog mit den historischen Stickereien aus der Sammlung des Museums stehen.

Entdecken Sie das Landschaftsmuseum Schloss Trautenfels im virtuellen Rundgang!

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Landschaftsmuseum Schloss Trautenfels

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