2026
Eine überdimensionale Löwenzahnknospe aus grün lackierter Bronze tritt in den Prunkräumen von Schloss Eggenberg als selbstbewusster Außenseiter auf.
Der Künstler Thomas Stimm vergrößert damit das scheinbar Unscheinbare und verwandelt ein alltägliches Naturmotiv in eine poetische, humorvolle Intervention. Inspiriert von Comics und Pop-Art spielt seine Skulptur mit Maßstab, Farbe und Wahrnehmung – und setzt dem repräsentativen Raum eine lebendige und etwas trotzige Naturform entgegen.
Die Blume ist das zentrale Motiv im Werk von Thomas Stimm. Seit den 1990er-Jahren schafft der Bildhauer und Maler überlebensgroße Wiesenstücke, Obst-, Blüten- und Pflanzenskulpturen. Durch gezielte Größenverschiebung – zu groß, zu klein, formal vereinfacht und in leuchtenden, beinahe ungemischten Farben gefasst – überführt er unscheinbare Naturformen in eine neue Präsenz. Abhängig von der Umgebung, sei es nun eine Wiese oder der betonierte Stadtraum, überragt das künstlerisch geformte Gewächs entweder seine ‚echten‘ kleineren Artgenossen oder es setzt einen Kontrapunkt zum urbanen Leben
Der Löwenzahn – eine zarte Pflanze, die sogar Asphalt aufbrechen kann – zählt zu Stimms Lieblingsmotiven. In der geschlossenen Knospe steckt das Versprechen der Blüte: Wachstum, Lebendigkeit und die Ahnung jenes Gelbs, das wie ein Spiegel der Sonne erscheint. Stimm versteht seine Kunstpflanzen als „Stelen“: aufrecht stehende Zeichen, die Natur und Mensch gleichermaßen repräsentieren können.
Weitere Arbeiten des Künstlers sind am Vorplatz des Grazer Hauptbahnhofs sowie im Kunsthaus Graz zu sehen.