Die im Mittelmeerraum häufige Rossameisenart Camponotus lateralis lebt oft in enger Nachbarschaft zu den dominanten Rotkopfameisen (Crematogaster) und folgt deren Duftspuren zu Nahrungsquellen. Zusätzlich imitiert sie das Farbmuster der Rotkopfameisen – ein Phänomen, das Naturforscher seit über 150 Jahren fasziniert und das wir in den letzten Jahren erforschen durften. Wir entdeckten, dass Camponotus lateralis Rotkopfameisen-Modelle von unterschiedlicher Färbung innerhalb deren Verbreitungsgebieten nachahmt.
Der Vortrag hat die Evolution dieser Mimikry zum Inhalt: Wer soll durch die Nachahmung getäuscht werden: andere Ameisen oder Fressfeinde? Was hat das Spurfolgeverhalten mit Mimikry zu tun? Gibt es Präadaptationen für diese Mimikry? Gibt es weitere Fälle von Ameisen, die andere Ameisen imitieren? Wie kann Camponotus lateralis in der Nachbarschaft der aggressiven Rotkopfameisen überleben? Wie präzise ist die Farbmimikry von Camponotus lateralis? Und warum haben eigentlich die Rotkopfameisen regional stark unterschiedliche Farbmuster?
Naturwissenschaftlicher Verein, Fachgruppe Entomologie & Arachnologie