Der Steirische Wald vor 100 Jahren – Ausgangspunkt für ein vegetationskundliches Resampling-Projekt aus Graz

Vortrag von Christian Berg

25.11.2026
Bilder zum Resampling-Projekt der Uni Graz Bilder zum Resampling-Projekt der Uni Graz

Bildinformationen

Datum

25.11.2026

Uhrzeit

18:00

Ort

Studienzentrum Naturkunde

Mit

Christian Berg

Kosten

Eintritt frei

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Über die
Veranstaltung

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts dienten die Wälder der Energielieferung (Brennholz, Holzkohle), als Bau- und Grubenholz sowie der Viehzucht und Ernährung (Waldweide, Streunutzung, Jagd, Beeren, Honig). In der Steiermark war besonders der Bergbau vom Wald abhängig und bezog riesige Mengen von Grubenholz und Holzkohle für die Eisenverhüttung und die Salzsiederei, sofern Transportwege, insbesondere Flüsse, zur Verfügung standen. Der Wald war die bei Weitem wichtigste, teilweise einzige Energiequelle des Landes. Der Wald in der Steiermark war so bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur in der Fläche stark geschrumpft, sondern in seinen Restflächen auch qualitativ stark verändert. Die Standorte waren durch Holzentnahme und Waldweide stark aufgelichtet, die Baumschicht meist von Pionierbäumen (Kiefer, Birke) durchsetzt, die Böden an Nährstoffen verarmt, die Humusschicht degradiert. Erst im ausgehenden 19. Jahrhunderts sollte sich das grundlegend ändern. Das österreichische Reichsforstgesetz vom 1. Januar 1853 regelte erstmals viele Prozesse, die bislang mehr oder weniger unkontrolliert abliefen. Die Baumschicht und die Humusauflagen der Böden konnten sich nun erstmalig entwickeln, die Fruchtbarkeit der Böden stieg wieder an. Dieses Gesetz legte somit den Grundstein für unsere heutige moderne Forstwirtschaft. Der wohl wichtigste Faktor für die Änderung des Waldbildes war aber der zu dieser Zeit beginnende Ausbau der Eisenbahn. Damit konnte zum ersten Mal auch mineralische Kohle über weitere Strecken von den Bergbaugebieten zu den Industriegebieten um den Erzberg und den Salzsiedestätten im Salzkammergut transportiert werden. Der Bedarf an Holzkohle sank in nur wenigen Jahrzehnten auf ein Minimum, der Wald verlor damit bis zum Beginn des 20. Jahrhundert seine führende Bedeutung als Energielieferant. Aus der Brenn- und Kohlholzwirtschaft wurde allmählich eine Nutzholzwirtschaft. Die zu dieser Zeit (1925 bis 1927) von Josef Eggler (Graz) überlieferten Vegetationsaufnahmen dokumentieren gerade noch diese Jahrhunderte andauernde Phase der ungeregelten Waldnutzung. Der Vergleich mit aktuellen Vegetationsaufnahmen im Rahmen des Forschungsprojekts DIVERSE (Interreg) überspannt also 100 Jahre Waldentwicklung unter dem Zeichen moderner Forstwirtschaft.