Gentiana clusii und Gentiana kochiana

Kalk- und Silikat-Glocken-Enzian

Familie der Gentianaceae (Enziangewächse)

 

Wenn man in der zweiten Frühlingshälfte in die Berge geht, kann man auf den Almen und in den alpinen Rasen schon die großen trichterförmigen, auffällig dunkel azurblau gefärbten Blüten entdecken. Je nach Höhenlage erstreckt sich die Blütezeit der Glocken-Enziane von Mai bis in den August.

 

Eigentlich handelt es sich bei den landläufig als „Stängelloser Enzian“ bezeichneten Pflanzen um zwei verschiedene Arten. Doch dazu später mehr.

 

Beide Arten sind ausdauernd, die Grundblätter mit lanzettlicher bis elliptischer oder verkehrt-eiförmiger Blattspreite und ± spitzem Apex bilden eine Rosette, aus deren Mitte ein (sehr) kurzer Stängel mit 1 oder 2 Paar viel kleinerer Stängelblätter wächst. Am Ende sitzt eine einzige große Blüte mit einer 5–6 cm langen, keulig-glockigen, großteils zu einer Röhre verwachsenen Krone; die Kronzipfel sind nur kurz. Die Staubblätter sind etwas verbreitert und im unteren Teil mit der Kronröhre verwachsen; die langen Staubbeutel sind rund um den Griffel miteinander zu einer Röhre verklebt. Der oberständige Fruchtknoten ist in den Griffel verschmälert, an dessen Spitze verbreiterte und gefranste Narbenlappen einen winzigen Trichter bilden. Hummeln und Schmetterlinge – angelockt von am Grund des Fruchtknotens produziertem Nektar – bestäuben die Blüten. Die Frucht ist eine 6–8 cm lange, zweiklappige Kapsel, in der zahlreiche flache, braune Samen mit einem Durchmesser von etwa 1 mm heranreifen.

 

Die beiden einander sehr ähnlichen Glocken-Enziane sind sogenannte „vikariierende Arten“, das sind nahe verwandte Arten, die in ähnlichen Lebensräumen vorkommen, deren Standortsbedingungen sich aber in bestimmter Hinsicht unterscheiden. In diesem Fall wächst Gentiana clusii nur über karbonathaltigem Gestein (und damit auf ± neutralen bis schwach basischen Böden), während Gentiana kochiana über silikathaltigem Gestein bzw. auf sauren Böden anzutreffen ist.

 

Obwohl sich die beiden Arten sehr ähnlich sind, können sie morphologisch leicht auseinandergehalten werden:

 

Der Kalk-Glocken-Enzian (Gentiana clusii) hat Kelchzipfel, die nach unten zu kontinuierlich breiter werden und damit spitze, V-förmige Buchten bilden; die Kelchzipfel sind meist länger als die Kelchröhre und liegen der Krone dicht an. Seine Kronröhre hat im Inneren helle längliche Felder mit Reihen dunkelblauer Punkte. In der Steiermark findet man ihn vor allem in den Nördlichen Kalkalpen und in Teilen des Grazer Berglandes.

 

Beim Silikat-Glocken-Enzian (Gentiana kochiana) hingegen sind die Kelchzipfel an der Basis meist etwas eingeschnürt und die Kelchbuchten daher etwas rundlich oder U-förmig, des weiteren sind die Kelchzipfel meist etwas kürzer als die Kelchröhre und stehen von der Kronröhre etwas ab. Die Kronröhre weist innen helle, grünliche Felder und dunklere, olivgrüne Flecken auf. Man findet diese Art vor allem in den Zentralalpen (Niedere Tauern, Gurktaler Alpen, Seetaler Alpen usw.) und vom Koralpenzug bis zur Gleinalpe.

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