Kryptogamengesellschaften und ihre globale Bedeutung

25.01.2023 18:00-19:00


Treffpunkt: Veranstaltungsraum (Studienzentrum Naturkunde)
Kosten: Teilnahme kostenlos
Anmeldung: keine Anmeldung erforderlich
Ort: Studienzentrum Naturkunde

Kryptogamengemeinschaften bestehen aus Moosen, Flechten, Algen und Cyanobakterien und sind ein integraler Bestandteil nahezu aller Biome auf der Erde. In Gesellschaft mit Bakterien und Mikropilzen besiedeln sie Böden, Gesteine und Gefäßpflanzen. Es ist bekannt, dass sie wichtige Primärbesiedler sind, zur Bodenbildung beitragen, den lokalen Wasserhaushalt beeinflussen, Kleinstlebewesen als Lebensraum und Nahrung dienen und empfindlich auf Luftschadstoffe reagieren. Aber sind sie darüber hinausgehend auch maßgeblich an globalen Prozessen beteiligt? Im Rahmen dieses Vortrags werden verschiedene globale Prozesse im Hinblick auf die Relevanz von Kryptogamengemeinschaften beleuchtet. So haben unsere Forschungen der letzten Jahre gezeigt, dass diese den globalen Kreislauf von Stickstoff bei verschiedenen Prozessen beeinflussen. Sie tragen maßgeblich zur Stickstoff-Fixierung bei und geben sowohl reaktive Verbindungen als auch Treibhausgase in die Atmosphäre ab. Biogene flüchtige organische Komponenten (biogenic volatile organic compounds: BVOCs) werden vor allem von Pflanzen, aber auch von Tieren und Mikroorganismen freigesetzt, und unsere Studien haben jetzt gezeigt, dass auch Flechten und Moose eine maßgebliche Rolle spielen könnten. In die Atmosphäre freigesetzte BVOCs sind hochreaktiv, beeinflussen den lokalen Ozongehalt und die Lebensdauer von Treibhausgasen. Sie können auch Aerosolpartikel bilden, die ihrerseits die Wolkenbildung und das Klima beeinflussen. Unsere Messungen im Amazonas-Regenwald haben gezeigt, dass Moose große Mengen an Sesquiterpenoiden freisetzen, während Flechten atmosphärische Oxidationsprodukte aufnehmen. Eine erste Hochrechnung hat ergeben, dass die Freisetzung von Sesquiterpenoiden in einer ähnlichen Größenordnung liegt wie die der Bäume. Flechten und Moose bilden einen wesentlichen Bestandteil von biologischen Bodenkrusten (Biokrusten), die weltweit ca. ein Drittel der Böden in Trockengebieten besiedeln. Diese Biokrusten fixieren Kohlenstoff und Stickstoff aus der Atmosphäre, wirken ausgleichend auf den Wasserhaushalt und beeinflussen die Keimung und das Wachstum von Gefäßpflanzen. In einer auf experimentellen Daten basierenden Modellierung konnten wir zeigen, dass Biokrusten auch einen maßgeblichen Einfluss auf den globalen Staubtransport haben, indem sie den Wüstenboden fixieren und somit die Bildung von klimawirksamen Aerosolen effektiv reduzieren. Eine Reduzierung der globalen Bedeckung von Bodenkrusten aufgrund von veränderter Landnutzung und Klimawandel könnte somit auch eine verstärkte Freisetzung von Wüstenstaub zur Folge haben. Insgesamt zeigen unsere Studien also, dass Flechten und Moose bei verschiedenen globalen Prozessen eine wesentliche, bisher kaum oder nicht beachtete Rolle spielen. Diese Zusammenhänge müssen in globalen Modellen berücksichtigt werden, um zu einem verbesserten Prozessverständnis zu gelangen und die Bedeutung von Kryptogamengemeinschaften in Zukunftsszenarien korrekt abschätzen zu können.

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