Panorama der Erdgeschichte

Foto: UMJ / N. Lackner

Die Erdwissenschaften setzen mit einem 31 (!) Meter langen gemalten Panorama der Erdgeschichte einen monumentalen Akzent: Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen vom steirischen Künstler Fritz Messner gemalt, visualisiert der Bilderzyklus in geraffter Form die Erdgeschichte von der Entstehung des Planeten bis zur Gegenwart.

Die heutigen Landmassen der Steiermark lagen über Hunderte Millionen von Jahren unter Wasser: Deshalb gibt es im Naturkundemuseum neben dem Riesenhirsch und dem Höhlenbär auch große Fischsaurier und andere Meerestiere zu bestaunen.

Foto: UMJ / N. Lackner

Vor rund 18 Mio. Jahren, im Neogen, entstand durch Dehnung der Erdkruste das Steirische Becken. Seine bis zu 4.000 m mächtige Sedimentfüllung setzte mit Bodenbildungen sowie See- und Flussablagerungen ein. Absenkung und gleichzeitiger Anstieg des Meeresspiegels führten vor ca. 17 Mio. Jahren zur Flutung der heutigen Oststeiermark. Bei Gleichenberg brachen riesige Schildvulkane aus.

Vor rund 16–15 Mio. Jahren erreichte das Meer seine größte Ausdehnung. Mit zunehmender Abtrennung von den Weltmeeren zog sich das Meer zurück (~12 Mio. Jahre). Ablagerungen von Seen und Flüssen (~11 Mio. Jahre) bauen heute einen Großteil des oststeirischen Hügellandes auf. Danach wurde die Absenkung der Landoberfläche von Hebung abgelöst. Sedimentation wechselte zu Erosion, die eine rund 4 Mio. Jahre lange „Schichtlücke“ hinterließ.

Heftige Vulkanausbrüche vor ca. 2–3 Mio. Jahren und schlussendlich die Eiszeit prägten das heutige Landschaftsbild des Steirischen Beckens.

Foto: UMJ / N. Lackner

Leben im Sumpfwald

Am Rande von Seen und Meeren formten sich in der Steiermark im Lauf der Erdgeschichte immer wieder ausgedehnte Feuchtgebiete. Üppiger Pflanzenwuchs und reichlich Wasser bildeten die Voraussetzung für die Bildung von Kohle und für die Überlieferung vieler Tier- und Pflanzenreste. Bedeutende Wirbeltierfunde wurden etwa im Kohlerevier von Köflach-Voitsberg (~18 Mio. Jahre), von Wies-Eibiswald, von Leoben und Göriach (alle ~15 Mio. Jahre) sowie in der Tongrube Mataschen bei Kapfenstein (~11 Mio. Jahre) gemacht. Über Blatt-, Samen- und Pollenreste sind Hunderte Pflanzenarten belegt. Besonders eindrucksvoll
sind fossile Baumstämme von Wasserfichten.

In Mataschen werden beim Abbau von Ton häufig 3–4 m hohe, zu Kohle gewordene Baumstrünke in Lebensstellung freigelegt. Dieser fossile Wald wuchs am Rande eines Sees unter subtropischem Klima. Biber, Sumpfschildkröten, aber auch Riesensalamander zählten zu seinen Bewohnern. Durch einen raschen Anstieg des Wasserspiegels ertrank der Wald und ein schwach salziger See bildete sich. Innerhalb weniger Jahrtausende wurde der Wald im Seeschlamm begraben und so für Millionen Jahre konserviert.

Rekonstruktion des Sumpfwaldes von Mataschen (Fritz Messner)

Leben in Flusslandschaften

Ablagerungen von Flüssen enthalten häufig Fossilien. Besonders die heute zunehmend aufgelassenen „Schottergruben“ der Oststeiermark lieferten zahlreiche Pflanzen-, Insekten- und Wirbeltierfunde aus der Zeit vor rund 11 Mio. Jahren.

Riesige Zahn- und Knochenreste von Urelefanten erregten schon früh die Aufmerksamkeit der Menschen. Die Rüsseltiere entwickelten sich vor ca. 55 Mio. Jahren in Afrika. Ursprünglich
waren sie so groß wie Schweine; Rüssel und Stoßzähne fehlten.

Im Laufe ihrer Evolution wurden sie größer. Säulenförmige Beine halfen das Gewicht zu tragen, der Hals verkürzte sich, der Rüssel wurde länger. Im Gebiss reduzierte sich die Anzahl der Zähne. Backenzähne wurden zu mächtigen Quetschwerkzeugen und aus Schneidezähnen wurden Stoßzähne. Vor ca. 18 Mio. Jahren wanderten die „Mastodonten“ (Gomphotherium, Zygolophodon) und Deinotherien in Europa ein.

Mastodonten hatten Backenzähne mit dicken Höckern („Zitzen“) und Stoßzähne in Unter- und Oberkiefer. Deinotherien trugen nur im Unterkiefer nach unten gebogene Stoßzähne („Hauer“). Ihre Backenzähne waren mit kräftigen Querleisten versehen.

Foto: Harry Schiffer

Das Quartär – die geologische Jetztzeit (2,6–0 Mio. Jahre)

Das Quartär ist geprägt durch eine Serie von weltweiten Vereisungen und das Erscheinen des modernen Menschen. Im Pleistozän („Eiszeit“; 2,6 Mio. Jahre–12.000 Jahre v. heute) war zeitweilig ein Drittel der Erde von Eis bedeckt, der Meeresspiegel um bis zu 100 m tiefer. Als Grund dafür nimmt man an, dass Änderungen der Erdumlaufbahn Schwankungen der Sonneneinstrahlung verursacht haben („Milanković-Zyklen“). Vier Hauptvereisungen (Günz-, Mindel-, Riß- und vor allem Würm-Eiszeit) formten maßgeblich die Landschaft im Alpenraum. In Kaltzeiten schürften Gletscher tiefe Täler aus (Trogtäler) und bildeten an
ihren Rändern Gesteinswälle (Moränen).

In nicht vereisten Gebieten sammelte sich Verwitterungsschutt an, der in Warmzeiten von Flüssen zu Terrassen zerschnitten wurde. Das Ende der letzten Kaltzeit vor rund 12.000 Jahren markiert den Beginn des
Holozäns.

Mammuts – Paradetiere der Eiszeit

Die im Pliozän (~5 Mio. Jahre) in Afrika entstandenen Mammuts besiedelten während der Eiszeit weite Teile Europas, Asiens und Nordamerikas. Sie waren mit dichtem Fell, dicker Fettschicht, einem Fettpolster am Nacken, kleinen Ohren und mächtigen Lamellenzähnen an die eiszeitlichen Tundren angepasst. Gleichzeitig waren immer nur vier Backenzähne voll funktionsfähig, die bis zu fünf Mal ersetzt werden konnten. In Europa starben sie nach dem Ende der Eiszeit aus. Zwergformen überlebten in der Arktis aber bis ca. 2.000 Jahre v. Chr. (Wrangelinsel, Ostsibirien). Immer wieder werden Backen- und Stoßzahnreste in den Terrassenablagerungen der Steiermark – auch im Stadtgebiet von Graz – gefunden.

Foto: UMJ / N. Lackner

Der Höhlenbär – Massenvorkommen in Höhlen

Überreste von Höhlenbären gehören zu den häufigsten Fossilien aus der Eiszeit. Früher wurden sie oft als Relikte von Fabelwesen (z. B. Drachen) gedeutet. Alleine in der Drachenhöhle bei Mixnitz wurden viele Tausend Knochen- und Zahnfragmente geborgen. Höhlenbären, die sich fast gänzlich von Pflanzen ernährten und über 1.000 kg Gewicht erreichen konnten, hielten in der vegetationslosen Zeit Winterschlaf in Höhlen. Starben sie in der Höhle, sammelten sich in Tausenden von Jahren Unmengen von Skelettresten an. Mit zunehmender Besiedelung durch den Menschen wurden die für Höhlenbären zur Überwinterung lebenswichtigen Höhlen rarer. Durch eine zusätzliche Klimaverschlechterung starb der Höhlenbär vor rund 24.000 Jahren aus.

Foto: UMJ / N. Lackner
Foto: Harry Schiffer
Dauerausstellung

Naturkundemuseum

Dauerausstellung

01.01.2014-31.12.2020 > Naturkundemuseum

Besuchen Sie das Panorama der Erdgeschichte in der Dauerausstellung des Naturkundemuseums! 

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