Programm

Liebe Kolleg*innen!

 

In den 17 Jahren ihres Bestehens ist die Museumsakademie Joanneum Zeugin wesentlicher Veränderungen geworden, die die Institution Museum und deren Verankerung in einer von Umbrüchen geprägten Medien- und Wissensgesellschaft betreffen. Nicht zuletzt angesichts fortgesetzter Krisenerfahrungen ist die Selbstbefragung der Museen heute notwendiger denn je: Was kann die Aufgabe und der Beitrag von Museen in einer Situation tiefer gesellschaftlicher Verunsicherung sein? Welche Orientierung können sie geben? Und wie können sie ein Publikum des 21. Jahrhunderts erreichen?


Mit Blick auf die Relevanz unseres Tuns wollen wir dieses Jahr etwa über neue Formen der Zusammenarbeit mit Akteur*innen des gesellschaftspolitischen Diskurses nachdenken, wenn wir mögliche Synergien, aber auch Herausforderungen in einer zusehends relevanter werdenden Beziehung diskutieren: derjenigen zwischen Museum und Aktivismus. So gehen Museen gerade im Kontext dekolonialer, klimaaktivistischer oder digitaler Themen vermehrt Kooperationen mit Aktivist*innen ein. Das „Hinausgehen“ des Museums aus seinem angestammten Rahmen und das Zugehen auf ein Gegenüber diskutieren wir dieses Jahr auch in einem anderen Feld, nämlich im Kontext ländlicher Räume. Wir fragen danach, wie gerade kleine Häuser relevant für die Menschen vor Ort sein und als Foren einer neuen gesellschaftlichen Dialogkultur auftreten können. Und wir stellen uns der Frage nach der gesellschaftspolitischen Relevanz von Museen, wenn wir uns mit dem Wandel des Arbeitsbegriffs anhand von Care-Arbeit auseinandersetzen und diskutieren, wie solche Zugänge bisherige Konzepte von Arbeit in Museen hinterfragen und erweitern können.


Mit dem Sammeln als einem Feld von Museumsarbeit, das zuletzt Prozesse der Öffnung und Vernetzung erfahren hat, beschäftigen wir uns diesmal im Zusammenhang mit Museen zeitgenössischer Kunst. Wir diskutieren, wie sehr es heute darum geht, jenseits der Fokussierung auf Einzelobjekte in Bezügen und Zusammenhängen zu sammeln, zu kontextuieren und zu verknüpfen. Fragen nach dem Sammeln beschäftigen uns aber auch im Kontext des Umgangs mit NS-Kunst beziehungsweise Objekten mit NS-Bezug. Mit Blick auf unterschiedliche Häuser fragen wir nach der Verantwortung, die Museen im Umgang mit der Präsenz der NS-Zeit in ihren Sammlungen zukommt. Stets bleibt die Museumsakademie dabei an neuen und neuesten Entwicklungen im Feld des Musealen interessiert. Ganz konkret fragen wir danach etwa auf unserer Exkursion nach Berlin, die uns an (neu) eröffnete museale Orte der Stadt führen und mit künftigen Vorhaben konfrontieren wird. 

 

Wir freuen uns, wenn Sie unser Programm nutzen, um sich zu involvieren und den Austausch untereinander zu suchen. Mit Blick auf die Unwägbarkeiten der Pandemie haben wir für dieses Jahr unterschiedliche Formate – online, hybrid und physisch – entwickelt. Wir wünschen Ihnen und uns, dass wir damit gut durch das Jahr navigieren und viele bereichernde, den Horizont öffnende Begegnungen erleben!


Für die Museumsakademie
Karoline Boehm, Bettina Habsburg-Lothringen und Eva Tropper

Museumsakademie Joanneum

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-664/8017-9537
museumsakademie@museum-joanneum.at