Mario Schulze:

Menschen vs. Dinge - Zur kulturwissenschaftlichen Wende in westeuropäischen Museen (1970-1990)

Mario Schulze beschäftigt sich in seinem Dissertationsprojekt mit dem Status von Dingen in Museumsausstellungen der 1970er und -80er Jahre und fokussiert dabei einen Wandel in dem Verhältnis, das die Dinge gegenüber dem Menschen einnehmen.

Als Häuser der Dinge stellen Museen ihre gesammelten Objekte aus und bringen diese in eine meist serielle Ordnung. In Folge einer umfassenden Museumskritik in den 1960er Jahren, die den Dingtempeln ein Zuviel an Staub, Elitarismus, unpolitischer Musenverehrung und Objektfetisch vorwarf, versuchen Museen seit den 1970er Jahren jedoch zunehmend das Stereotyp zu überwinden, bloße Objektverwahrungsanstalten zu sein. Der Begriff der Alltagskultur beginnt seinen kometenhaften Aufstieg, nach und nach setzt sich eine ethnographisch-kulturwissenschaftliche Perspektive durch. So behaupten zunächst vor allem die Industriemuseen nicht nur die Maschine auszustellen, sondern auch die Arbeit daran und den Arbeiter dahinter (vgl. Museum der Stadt Rüsselsheim, Ruhrlandmuseum Essen, Centrum für Industriekultur Nürnberg). Im Laufe der 1980er Jahre verallgemeinert sich diese Perspektive, so dass auch andere kulturhistorische Museen zunehmend darauf abheben, nicht nur das Objekt, sondern den Einfluss des Objekts auf „unser“ Leben auszustellen (Museum der Alltagskulturen des 20. Jahrhunderts Berlin, Landesmuseum für Technik und Arbeit Mannheim, Schweizerisches Postmuseum Bern).

 

Im Rahmen dieses Projekts spielt die gängige disziplinäre Unterteilung des westeuropäischen Museumswesens eine untergeordnete Rolle. Das Universalmuseum Joanneum eignet sich demnach besonders für eine kritische Überprüfung des fokussierten Wandels.

 

 

 

Kurzbiographie

 

Studium der Kulturwissenschaften, Soziologie und Philosophie an der Universität Leipzig (2005 - 2010). Praktika und freie Mitarbeit am Holocaust Center in San Francisco, bei der Römerstadt von Basel „Augusta Raurica“, am Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig und beim German Historical Institute in London. Seit 2011 lebt Mario Schulze in Berlin, arbeitet an seiner Promotion im Fach Kulturanalyse an der Universität Zürich (betreut von Philipp Sarasin) und ist Promotionsstipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. 

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