Spezereien, Kolonial- und Manufakturwarenhandlungen

Lebens- und Genussmittel aus überseeischen Gebieten, wie etwa Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und Tee, wurden insbesondere zur Kolonialzeit und auch darüber hinaus als Kolonialwaren bezeichnet. Der Begriff „Kolonialwarenhandlung“ findet sich vereinzelt auch in der Steiermark bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, wenngleich die Produktpalette so bezeichneter Kaufmannsläden längst nicht nur auf „exotische“ Waren beschränkt war, sondern vielmehr alle Grundnahrungsmittel unabhängig vom Herkunftsland sowie Seifen, Waschmittel, Petroleum und andere Haushaltsgegenstände umfasste. Allmählich setzte sich in Österreich für derartige Geschäfte die Bezeichnung Greißlerei durch, in Deutschland der Begriff „Tante-Emma-Laden“.

Mancherorts findet man auf Geschäftsportalen um 1900 auch den Schriftzug „Spezerei“. Dabei handelte es sich ebenfalls meist um Lebensmittel- oder Gemischtwarenläden. Ursprünglich waren seit dem 14. Jahrhundert hierbei Gewürzwaren (vgl. lat. speciaria bzw. engl. spice) gemeint. Später wurde der Begriff gelegentlich auch allgemein für Delikatessenläden verwendet.

 

Zwei Innenaufnahmen der „Spezerei und Kolonialwarenhandlung Weber“ in der Leonhardstraße in Graz um 1925 geben Einblick in das Warensortiment: Wein, Bier, Spirituosen, Kaffee und Kaffeezusätze, Kandiszucker (weiß und gelb), Grafit (Bleistiftminen), Reisstärke, Oblaten, Ingwer, Kleiderfarben und vieles mehr.

 

Der Kolonialwarenhandel wurde statistisch vom Produkten- und vom Manufakturwarenhandel unterschieden. Während sich der Produktenhandel, oft auch Landesproduktenhandel, sich mit Erzeugnissen des eigenen Landes, insbesondere Agrarprodukten, befasste, wurden im Manufakturwarenhandel vor allem Textilwaren nach Maßgabe des Käufers als Meterware geschnitten – und andere mit der Hand hergestellte Erzeugnisse angeboten.

Museum für Geschichte

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