Urkundenkoffer, um 1500

Sog. Leobener Urkundenkoffer, Holz, Eisen, gepresstes Leder, Steiermark, um 1500, KHS, Inv.-Nr. 280, Foto: UMJ/ V. Delic

Urkunden, die traditionelle Privilegien und Rechtstitel überlieferten, gehörten zum wichtigsten Besitz mittelalterlicher Städte und wurden entsprechend aufbewahrt. Für die Rechtsdokumente der prosperierenden Handelsstadt Leoben in der Obersteiermark wurde um 1500 ein stabiler, mit walmdachförmigem Deckel versehener und mit massiven Schlössern gesicherter Behälter angefertigt. Der Lederbezug weist die für die Spätgotik so typischen satirischen Genremotive auf, die sog. Drôlerien, wie man sie auch von den Chorgestühlen der Zeit kennt.

Der Leobener Urkundenkoffer gehört zu den wichtigsten Denkmälern kommunaler Rechtsgeschichte des ausgehenden Mittelalters in Österreich. Die Schmalseiten des Deckels schmücken die Wappenschilde von Stadt und Herzogtum: Sie zeigen den Leobener Strauß bzw. den steirischen Panther. Im „Physiologus“, einer frühchristlichen, im Mittelalter weit verbreiteten Naturlehre, wurde dem Strauß die Fähigkeit zugeschrieben, selbst glühendes Eisen verdauen zu können, das so geläutert werde. Darin liegt ein Hinweis auf die besondere Bedeutung der Stadt für den Eisenhandel in der steirischen Montanregion.

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