Säulensonnenuhr, 1576

Säulensonnenuhr, Hieronymus Lauterbach, Graz, 1576, KHS, Inv.-Nr. 0296, Gesamtansicht, Foto: UMJ/ V. Delic

Die auf die Polhöhe für 47° und damit auf die ungefähre Lage von Graz eingestellte Uhr besteht aus einer reich bemalten Holzsäule toskanischer Ordnung, die sich über einem Piedestal erhebt, das für jede Himmelsrichtung ein Vertikalzifferblatt mit lebhaften Landschafts- und Figurendarstellungen enthält. Der drehbare Säulenschaft enthält zwei Tabellen mit den Stundenregenten für Tag und Nacht, ein Kurvennetz zur Stundenumwandlung, zwei Skalen über Sonnenhöhen und Schattenpunkte, eine Monatstafel mit dem jeweiligen Sonnenstand, die Tierkreiszeichen (lat. Zodiacus) und 19 Datums- bzw. 16 Stundenlinien, die schräg zueinander laufen. Im Zentrum des Säulenschafts prangt eine reich dekorierte Wappenkartusche, eine Widmung an den Landesherrn, Erzherzog Karl II., Regent von Innerösterreich (reg. 1560-1590). Der laternenartige Abschluss ist eine spätere Hinzufügung.

 

Bei der Handhabung der Uhr wird der ausklappbare Zeiger, das sog. Gnomon, auf den Beobachtungstag gestellt und der Schaft in der Sonne so lange gedreht, bis der Schatten senkrecht an der Datumslinie verläuft. Der Endpunkt des Gnomonschattens gibt die Stunde an. Ein eingelassener Kompass dient zur Ausrichtung der Vertikalzifferblätter auf dem Sockel.

 

Die gut erhaltene Grazer Säulensonnenuhr ist eines der bedeutendsten Denkmäler frühneuzeitlicher Wissenschaftsgeschichte in Österreich. Sie entstand 1576 nach den Angaben des Mathematikers Hieronymus Lauterbach, der aus der heute zum deutschen Bundesland Sachsen gehörigen Lausitz in die Steiermark kam. Vermutlich haben sächsische Handwerker, die auch für mehrere lutherische Standesherrn der Region Raumausstattungen lieferten, die Säule auf Empfehlung gefertigt.

Von 1561 bis 1577 lehrte Lauterbach im Auftrag der steirischen Stände an der protestantischen Stiftsschule. Nach deren Schließung 1598 im Zuge der Gegenreformation gelangte die Uhr ins nahegelegene Stift Rein, später in den Schweizer Kunsthandel, wo sie erst 1949 für das Joanneum erworben wurde.

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