Künstlerinnen im Exil mit diasporischem oder migratorischem Hintergrund haben die europäische Kulturgeschichte auf eine Weise mitgeprägt, die sich in institutionellen Praktiken und Archiven nur langsam widerspiegelt. Laut Mathilde Provansal und ihrem Werk „Artistes mais femmes: une enquête sociologique dans l'art contemporain“ (Lyon: ENS Éditions, 2023) stammen von den in europäischen Museen ausgestellten Werken nur 30 % von Künstlerinnen. Dieser Anteil sinkt noch weiter, wenn Geschlecht zusammen mit Migrationshintergrund oder Ethnizität betrachtet wird.
Diese Lücke soll durch BRIDGE bearbeitet werden – einer zweijährigen Zusammenarbeit zwischen City of Women (Ljubljana), Kunsthaus Graz und AWARE: Archives of Women Artists, Research and Exhibitions, einer Einheit des Centre Pompidou (Paris). Durch Forschung, künstlerische Produktion, Ausstellungen und Publikationen zielt das Projekt darauf ab, die vielfältigen Stimmen im kulturellen und kreativen Sektor sichtbar zu machen und die Beiträge von Künstlerinnen und nicht-binären Künstler:innen im Exil sowie mit Migrations- oder Diaspora-Hintergrund stärker in das europäische Kunstleben einzubinden.
Mit einem starken Fokus auf Vielfalt, Gleichstellung der Geschlechter und soziale Inklusion strebt das Projekt an, einen dynamischen Raum zu schaffen, in dem Zusammenarbeit und Wissensaustausch gedeihen. Verwurzelt in feministischen Werten, die die drei Organisationen seit Jahrzehnten prägen, denkt BRIDGE kuratorische und archivarische Praktiken neu, um eine breitere Palette an Erfahrungen abzubilden.
Über 26 Monate (2026–2028) wird das Projekt eine transformative Reise antreten: mit Forschungs- und Künstler*innenresidenzen, Online-Publikationen, einer internationalen Ausstellung in Ljubljana sowie einem Symposium, das Graz und Ljubljana verbindet.