Jennifer Mattes

Bars von Atlantis

20.03.-19.04.2020


In Kooperation mit Diagonale´20

Kuratiert von: Katrin Bucher Trantow
Ort: Innenhof, Garderobe


ACHTUNG: Auf Anraten des Krisenstabs der Steiermärkischen Landesregierung in Bezug auf COVID-19 gibt das Universalmuseum Joanneum bekannt, dass alle Standorte heute, 11. März 2020, im Laufe des Nachmittags schließen.

Bis auf Weiteres sind alle Museen und Ausstellungen geschlossen sowie sämtliche Veranstaltungen abgesagt. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.museum-joanneum.at/ihr-besuch/aktuell


Über die Ausstellung

„In seinen tausend Honigwaben speichert der Raum verdichtete Zeit. Dazu ist der Raum da.“[1]

Schiffspoller vor dem Haus. Nasser Flokati am Mast des Katzenbaums für die Kunst. Im Untergeschoss klingt leise die ewig sich wiederholende, schwermütige Musik von Heaven der Talking Heads rauchig aus dem abgewetzten Lautsprecher. Daneben dreht sich müde die betagte Discokugel über der leeren Bar. Quasi traumwandlerisch inszeniert die Filmemacherin, Schreibende und bildende Künstlerin Jennifer Mattes (* 1982), die mit dem Birgit-Jürgenssen-Preis 2014 und 2019 auch mit dem Diagonale-Preis für den besten innovativen Film prämiert wurde, einen ins Endlose gedehnten Raum im institutionell definierten Kunsthaus.

„Am tiefsten Punkt der Erde liegen die Temperaturen nahe am Gefrierpunkt. Dennoch gibt es Lebewesen, Zwangsvorstellungen und Neurosen. Ab und zu bekommen diese einen blauen Sonnenbrand, wenn sie sich in den Bars von Atlantis, die sich irgendwo am Grund des Meeres befinden, getroffen oder eben verpasst haben. Und sich betranken oder nüchtern blieben. Sich ihr Gegenüber durch die Gläser und Spiegel dieser Bars vorgestellt haben. Das Imaginäre beobachteten. Hindurchgesehen haben. Durch das Gegenüber. Hier unten gibt es kein Wetter, über das man sich unterhalten könnte … Nur Einsamkeit. Und Müll.“ Jennifer Mattes (Ausschnitt aus Atlantis Dystop, 2017, unpubliziert)

In der Fortsetzung ihrer künstlerischen Praxis der Arbeit mit bestehendem Filmmaterial, inszeniert Mattes für ihre Installation im Erdgeschoss und im ersten Untergeschoss Gefundenes, Erinnertes, Geschriebenes in klassischer Montagetechnik. Sie nutzt das Haus und seine Zwischenorte als definitionsoffene Orte des Übergangs und verwendet dabei unterschiedliche Requisiten der Reise, des Transfers und der inneren und äußeren Flucht. Displays, praktische Objekte und Nutzgegenstände sieht sie neu und schafft über kleine Verschiebungen wie das Anbringen unüblicher Materialien, Lichter und Musik eigene Stimmungen; sie lässt uns andocken an ihrem Set der untergetauchten Träume und eröffnet im Sinne Bachelards endlose Möglichkeitsräume, die zur Tanzfläche unserer Gedanken und Erinnerungen werden. Wie Bachelard, der den Raum als offenes Konstrukt unserer Erinnerungen und Vorstellungswelten jenseits seiner bloßen Geometrie erfasst, wendet Mattes die Montage und Überlagerung von klassischen Film-Zitaten in Anlehnung an Sprach-, Film- und Literaturbilder als Öffnung des (Film-)Raumes an. Anklänge von Fassbinders Die bitteren Tränen der Petra von Kant über die sehnsuchtsvoll-tragische Liebesgeschichte der in die Unterwelt verdammten Aphrodite bis hin zu mehrfach versetzen Zitaten klassischer Filmunterwelten reihen sich als geheimnisvolle Situationen aneinander. Als nebelhafte Erzählung berichten sie von der Logik von Beziehungsstrukturen und der verbindenden Bedeutung von Sehnsucht und Begehren.

„Die Bars von Atlantis sind Schall und Rausch. Eigentlich hängt alles davon ab, welche Musik hier gespielt wird. Wüsten von gestern sind manchmal nur Schnee von heute. „Du bist ja nur hier wegen meinem Körper“, sagt der eine. Und der andere dann so: „Nein, wegen meinem!“ Niemand braucht sich hier unten lebendig zu stellen. Hier regieren Zwielicht und Sehnsucht. Und die Ewigkeit ist lang, besonders am Ende (sagt Woody Allen).“ Jennifer Mattes (Ausschnitt aus Atlantis Dystop, 2017, unpubliziert)

Neben der Ausstellung im Kunsthaus gestaltet Jennifer Mattes den Diagonale-Trailer 2020, der im Vorfeld und während des Filmfestivals Diagonale in den österreichischen Kinos zu sehen ist und in fließendem Zusammenhang mit dem Set Bars von Atlantis steht.

[1] Gaston Bachelard, „Poetik des Raumes“ (1957), in: Jörg Dünne, Stephan Günzel (Hg.), Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, Frankfurt/Main 2006, S. 167.

Aus dem Programm

Sa 28.03.

18:00

Bars von Atlantis. Shorts and Shots an der Bar

Veranstaltung, Kunstgespräch> Kunsthaus Graz

Veranstaltung, Kunstgespräch

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