Was ist eine Stadt?

Die Stadt des Mittelalters zeichnet sich durch Qualität in Form von Rechten, Privilegien, Gesellschafts- und Sozialstrukturen, Arbeitsteilung und Erscheinungsform aus. Innerhalb des durch die Mauer begrenzten Stadtraums gilt weitgehend Rechtsgleichheit unter den Bürgern, während im Umland weiterhin eine herrenständige Ordnung überwiegt. Besondere Autonomie gegenüber dem Grundherrn und persönliche Freiheit nehmen keimhaft die staatsbürgerliche Gleichheit unserer Zeit vorweg. Denn die Mauer hat nicht nur fortifikatorische Gründe: An der Mauer beginnt und endet der Stadtraum. Sie trennt zwei Lebenswelten, zwei Rechtsräume, zwei Kulturen. Die Mauer steht geradezu als Synonym für den Begriff „Stadt“. Zwar gab es bereits im Mittelalter befestigte Märkte, wie z. B. Obdach, Unzmarkt oder Neumarkt, doch ist eine Stadt ohne Mauer unvorstellbar. Durch die Mauer bildete die mittelalterliche Stadt eine in sich geschlossene Raumeinheit.

 

Berufliche Spezialisierung und eine vielstufige soziale Differenziertheit, in Verbindung mit einer Konzentration von Handel und Gewerbe und einem besonderen Stadtrecht machen die mittelalterliche Stadt zum zentralen Ort des Wirtschaftslebens. Kultisch-kulturelle und politisch-administrative Raumfunktionen verdichten diese Zentralität.

 

Quantität ist hingegen zu keiner Zeit Kriterium für Stadt und spielt eine untergeordnete Rolle. Das Gros der mittelalterlichen Städte in der Steiermark bilden Klein- und Kleinststädte.

 

Fortan heben sich die Städte von Kirchtürmen überragt, mit Mauern umgürtet, dicht gebaut, als kompakte Silhouette aus dem umgebenden Land heraus.

Zwischen Topos und Typos: Die Formkraft der Natur

 

Märkte und Städte sind das Produkt einer landschaftlich gebundenen Ausformung.


Durch die Fixierung an einem bestimmten Ort sind die formalen Entwicklungsmöglichkeiten einer Siedlungsstelle bereits vorgegeben.


Der Bezug zur umgebenden Landschaft, die Topografie und ihre Verbindung zum Umland sind Bedingungen, die jede Stadt auf eigene Art prägen. So bedingen verschiedene Geländeformen unterschiedliche Gestaltungsformen und Märkte und Städte erlangen durch die sie umgebende Natur ihre individuelle Form. Die Lage an einem Fluss oder See, auf einem Hügel oder Berg oder auf dem flachen Land sind mitentscheidend für die Ausprägung der äußeren Gestalt und das innere Gefüge.


Neben der Topografie sind vor allem das Klima, das Wetter und die natürlichen Ressourcen für die Gestalt einer Siedlung verantwortlich. Das Klima und das Wetter bestimmen die in einer Region vorherrschende Gestalt der Profanbauten, während die natürlichen Ressourcen die Baumaterialien vorgeben. In waldreichen Regionen wird mit Holz gebaut, ist ein Steinbruch in der Nähe aus Stein und eine Lehmgrube forciert den Ziegelbau.


Die Natur ist demnach ein Gestaltungsfaktor auf breiter Basis, der mittelbar das Bauen immer beeinflusst und über regionale und lokale Aspekte in der stilistischen Entwicklung der Architektur mitverantwortlich ist. Der Standort und ihre spezifische geografische Lage sind somit wesentliche Kriterien für die Individualität von Märkten und Städten.
 

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
10. April 2021 bis 31. Oktober 2021 Mo-So, Feiertag 10 - 18 Uhr
01. November 2021 bis 31. Dezember 2021 Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr
02. Jänner 2022 bis 31. Dezember 2022 Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr


Aufgrund der aktuellen Covid-Verordnungen ist in allen Häusern des Universalmuseums Joanneum die Teilnehmer*innenzahl bei Führungen begrenzt. Wir bitten Sie deshalb um verlässliche Voranmeldung unter +43-316/8017 9810

 

1. November 2021
18. April 2022
6. Juni 2022
15. August 2022
1. November 2022
26. Dezember 2022

24. bis 25. Dezember 2021
1. Jänner 2022
1. März 2022
24. bis 25. Dezember 2022