Transit: Wege durch die Steiermark

Seit dem 12. Jahrhundert gewinnen die transalpinen Verkehrswege, die den Donau- mit dem nördlichen Adriaraum verbinden, größere Bedeutung. Die wichtigsten (Fern-)Handelswege in der Obersteiermark waren die Tauern-Pyhrn-Straße, die Semmeringstraße und die Straße durch das Enns- und Paltental nach Bruck an der Mur und weiter in den Raum Graz.

 

Von Villach über den Semmering nach Wien (47 Meilen oder 341 Km) benötigte ein Fuhrwerk 12 bis 14 Tage. Neben dem schlechten Zustand der Straßen zählen vor allem landesfürstliche, grundherrschaftliche oder städtische Zölle und Mauten, unterschiedliche Münzen oder allerlei Gewichts-, Längen- und Hohlmaße und Straßen- und Umladezwang zu Hindernissen, die die Händler*innen auf ihrem Weg überwinden müssen und die Waren erheblich verteuern.

 

Kleinere Handelswege haben oft die Funktion von Zubringerstraße, Saumwege verbanden über die Pässe größere Handelswege miteinander.

 

Der inneralpine Fernhandel ist im Wesentlichen jedoch ein Durchgangshandel, das Land ein Transitland.

Märkte und Städte in der Obersteiermark um 1350, Transalpine Handelswege, Neuanfertigung: UMJ, 2021

Die Reglementierung des Wirtschaftslebens: Handel und Gewerbe in Märkten und Städten

 

Im Hochmittelalter entwickelt sich durch die wachsende Arbeitsteilung ein marktorientiertes Denken, das auch auf das ländliche Umland ausstrahlt. Die zu Märkten und Städten erhobenen Kommunen versorgen die sie umgebende Region mit Verbrauchs-, Gebrauchs- und Konsumgütern und Dienstleistungen. Zugleich ist die Kommune auf den landwirtschaftlichen Überschuss bei Lebensmitteln und gewerblichen Rohmaterialien (Waid, Krapp, Wolle, Flachs, Häute, Speik etc.) des Umlandes angewiesen. (Wochen-)Märkte sowohl an Orten mit bereits bestehendem Marktrecht als auch in kleineren Siedlungen dienen dem Waren- und Geldtausch.


Für ihre Märkte und Städte erlassen die Landesfürsten und Grundherrn besondere Vorrechte und Privilegien, die für Rechtssicherheit und Einfluss auf die Selbstverwaltung sorgen. Die Exekution dieser obliegt einem Stadtrichter. Frühe Regelungen umfassen Gewerbe und Handel ebenso, wie privatrechtliche Inhalte. Städtische Marktaufsichtsbestimmungen in Form einer Lebensmittelpolizei, die unter anderem die Einhaltung von Maßen und Gewichten kontrolliert, dienen dem Konsumentenschutz. Die räumliche Konzentration von Gewerben in bestimmten Gassen oder von Standplätzen der Marktbuden erleichtert den Preisvergleich.
Eigene Gerichte, Steuerhoheit im eigenen Burgfried und die Möglichkeit Rechtsvorschriften zu erlassen und Strafgelder einzuheben, stellen einen neuen Rang der Selbstverwaltung gegenüber den Grundherren dar. Die Harmonisierung der Markt- und Stadtprivilegien im Land führt zu einer Marktregulierung des regionalen Handels.
 

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten


Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr

 

15. August 2022
26. Dezember 2022

24. bis 25. Dezember 2022